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Ferien bei Kim Jong-un So schützt man sich vor drakonischen Strafen in Nordkorea

Kim Jong-un möchte sein Land zum Touristenziel machen. Doch wer nach Nordkorea reist, muss aufpassen. Es gibt sechs Grundsätze für eine Reise nach Nordkorea - und man sollte sie unbedingt einhalten.

Kim Jong-un hat mit seinem Reich Großes vor: Atommacht, Exportnation und – so sein neuestes Ziel – Touristenmagnet. Nordkorea soll ein Top-Reiseziel werden. Bis 2020 will er zwei Millionen Besucher aus aller Welt in das "sozialistische Märchenland" locken. Doch der Alltag dort bedeutet totale Kontrolle, Paranoia und Propaganda – und das gilt auch für die zahlenden Gäste aus dem Ausland.

Urlauber in Kims Reich müssen sich strengen Regeln unterwerfen. Wer die nicht beherzigt, wird bestraft. Der amerikanische Student Otto Warmbier ist das jüngste Opfer: Er hatte ein Banner mitgehen lassen und wurde gerade erst in Pjöngjang zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Das sind die sechs wichtigsten Grundsätze für Ferien bei Kim Jong-un:

1. Bloß nicht den "falschen" Namen erwähnen

Nennen Sie Nordkorea niemals Nordkorea. Für die Bürger dieses stolzen Landes heißt ihre Heimat nämlich "Korea". Weil in ihrem Weltbild die koreanische Halbinsel eins ist – die südliche Hälfte ist nur leider gerade von amerikanischen Imperialisten besetzt.

2. Alleine reisen ist unmöglich

Individualtourismus? Fehlanzeige! Man reist ausschließlich als Teil einer geführten Gruppe. Besucher werden wie Schafherden durch das Land getrieben. Die Route wird bis ins letzte Detail choreografiert und kontrolliert. Öffentliche Verkehrsmittel sind ebenso wenig erlaubt wie ein Spaziergang um den Block oder der Einkaufsbummel durch nicht autorisierte Geschäfte. Nicht einmal ein Plausch mit den Einheimischen ist gestattet. All das gilt als Spionageversuch.

Mehr zum Thema: Lassen Sie in Nordkorea bloß keine Bibel liegen 

Alle Touristen werden im Yanggakdo International Hotel in Pjöngjang untergebracht: Es liegt auf einer Insel mitten in der Hauptstadt und lässt sich prima überwachen. Der Vorteil: im Gegensatz zum Rest der Stadt (vom Rest des Landes ganz zu schweigen) hat das Yanggakdo meistens Strom – um den schönen Schein zu wahren.

3. Kein Recht auf Privatsphäre

Big Brother is watching you – immer und überall. Jeder Tourist hat zu jeder Zeit mindestens einen Tourguide an seiner Seite. Er behält auch gleich den Pass ein – "aus Sicherheitsgründen".

Überwachung ist alles in Nordkorea – und gilt auch für Touristen im Land. (Foto: dpa)

Die Reisenden sollen a) ihre Nase auf keinen Fall zu tief in nordkoreanische Angelegenheiten stecken und b) nichts sehen, was nicht im Programm steht. Ausbruchsversuche aus der Reisegruppe sind doppelt riskant, weil man nicht nur sich selbst, sondern vor allem den Aufpasser gefährdet. "Entkommt" dem nämlich ein Besucher, wird er für sein Versagen hart bestraft.

Zusätzlich werden die Hotelzimmer, Telefone und Faxgeräte ständig überwacht und wohl auch die Habseligkeiten durchsucht, wie frühere Touristen berichten.

4. Vorsicht beim Packen

Ausländische Häftlinge in nordkoreanischen Gulags haben die bittere Erfahrung gemacht: Wer eine Bibel, einen Koran oder sonstige religiöse Schriften im Gepäck hat, macht sich strafbar. Religion gilt in Nordkorea, wo allenfalls Staatsgründer Kim Il-sung als Gott verehrt wird, als Hochverrat.

Ebenso subversiv werden ausländische Filme und Fernsehserien auf CD, DVD oder USB-Stick eingestuft, die den gehirngewaschenen Bürgern des "Märchenlandes" allzu deutlich vor Augen führen könnten, dass es außerhalb seiner Grenzen mehr Freiheit und weniger Hunger gibt.

Mehr zum Thema: Junger US-Student zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt

Ein Film insbesondere hat den direkten Weg ins Gefängnis zur Folge: "The Interview", die amerikanische Slapstick-Satire über die fiktive Ermordung von Kim Jong-un.

5. Respekt gegenüber den Führern zeigen

Respektlosigkeit gegenüber den Führern des Landes ist ein Verbrechen – das gilt für den lebenden Diktator ebenso wie für die Toten, und ganz besonders für den "ewigen Präsidenten", Großen Führer und Staatsgründer Kim Il-sung, Kims Großvater. Von ihm gibt es geschätzte 34.000 Statuen in Nordkorea, und vor denen ist eine Verbeugung Pflicht – für alle Besucher. Dabei dürfen die Hände auf keinen Fall hinter dem Rücken verschränkt sein.

Statuen des Großen Führers Kim Il-sung und seines Sohnes Kim Jong-il in Pjönjang. (Foto: AP)

An Orten von höchster nationaler Bedeutung, wie dem gigantischen Mansudae-Monument mit seinen 20-Meter-Statuen des Landesvaters und seines Sohnes, dem Geliebten Führer Kim Jong-il, sind die Regeln noch verschärft: Kaugummikauen oder schlampige Klamotten verboten.

Der heiligste Ort im ganzen Land ist das Kim-Il-sung-Mausoleum. Besucher müssen hier formell gekleidet sein und dürfen keinerlei elektronische Geräte mit sich führen. Sie werden durch einen Windkanal geleitet, der jeden Reststaub, jedwede Kontaminierung von außen von ihren Körpern pustet. Endlich am aufgebahrten, einbalsamierten Leichnam des Großen Führers angekommen, muss der Gast sich viermal verneigen – von jeder Himmelsrichtung einmal.

Übrigens darf man auch keine Zeitung mit einem der Kims darauf zusammenfalten oder wegwerfen. Und einheimische Geldscheine darf man nicht außer Landes bringen, denn auch auf den Won-Scheinen prangt das Antlitz eines Kim. Das macht sie zu wertvoll für die Fremde.

6. Achtung bei den Fotomotiven

Nichts, was ein negatives Bild von Kims Reich nach außen tragen könnte, darf auf Fotos gebannt werden. "Staatsgeheimnisse" schon einmal gar nicht. Im Klartext: keine armen Menschen, also quasi niemanden, kein Militär, also keinen der allgegenwärtigen Uniformierten. Keine Nachtaufnahmen, denn da ist es zu dunkel für die Bewacher.

Bleiben die Monumente. Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Statuen dürfen nur ganz abgelichtet werden, "abgeschnittene" Arme oder Beine oder ein herangezoomter Kopf sind strafbar. Aber Kameralinsen mit mehr als 150 mm Reichweite sind sowieso nicht erlaubt in der Demokratischen Volksrepublik Korea.

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