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"Ich glaube, wir hätten da abbiegen müssen" Urlaub in den 80ern - nichts für die Generation Z

War Urlaub am Mittelmeer in den 80er-Jahren eine Zumutung? Ohne Navi, ohne Smartphone, aber mit "Dauer-Dösing am Strand"? Eine Zeitreise in eine Welt mit Shell-Atlas und Neun-mal-dreizehn-Abzügen.

Wer bei "Carbonara" nicht nur an Pasta, sondern auch an den Song von Spliff denkt, ist ziemlich alt. Wer den Refrain sofort summt, ("Spaghetti Carbonara – e una Coca Cola, Carbonara – e una Coca Cola ..."), hat garantiert einen klassischen Familienurlaub am Meer Mitte der 80er-Jahre als Kind mitgemacht, ob in Italien oder in Spanien, am Schwarzen Meer oder an der Ostsee. Nur erträglich durch jede Menge Kassetten im Walkman und einen beachtlichen Vorrat an Batterien. Es war die Zeit von Neuer Deutscher Welle und Synthie-Pop wie "Vamos a la Playa" von Righeira bis "Sunshine Reggae" von Laid Back.

War solch eine Urlaubsreise ans Meer in den 80er-Jahren eine Zumutung? Ohne Navi, ohne Mobiltelefon, ohne Internet und damit ohne Musikstreaming-Apps? Dafür mit Sonnenbrand, Analogfilmen und Tiroler Nussöl? Würde ein moderner Urlauber das "Dauer-Dösing am Strand" von damals überhaupt verkraften?

Zeitreise in die Vergangenheit

Das fragte sich das Autorenduo Volker Klüpfel (44) und Michael Kobr (42), bekannt für seine lustigen Allgäuer Krimis um Kommissar Kluftinger. Sie schicken deshalb ganz im Sinne des Klassikers "Zurück in die Zukunft" einen Mann auf Zeitreise in die Vergangenheit – und zwar in dem neuen unterhaltsamen Urlaubsbuch "In der ersten Reihe sieht man Meer" (Droemer).

Dieser Familienvater namens Andreas Klein nickt abends über einem alten Fotoalbum ein und erwacht morgens als pubertierender Fünfzehnjähriger im Jahr 1985 – dazu verdammt, den fatalen Familienurlaub von damals noch einmal erleben zu müssen.

Also back to the 80ies. Zehn bis 15 Stunden Fahrt an die Adria, mit Stullen und lauwarmem Filterkaffee aus der Thermoskanne, ohne Klimaanlage und ohne Navi. Mit dabei in den Koffern das gesamte Putzsortiment für das Ferienhaus, Eingekochtes, Lire, deutsche Nahrungsmittel und Tiroler Nussöl mit Lichtschutzfaktor 6. Willkommen zurück im Urlaubsparadies der 80er-Jahre.

Das Autorenteam hat die kuriosesten Unterschiede zwischen dem Urlaub von heute und damals für uns zusammengestellt:

Sonnenbrand

Volker Klüpfel: "Sonnenbrand war in den 80ern noch ein völlig legitimes Mittel zum schnelleren Braunwerden, denn nach ein paar Tagen verwandelte sich das Rot wie von Zauberhand in einen bronzenen Urlaubsteint. Von den Risiken wusste man damals wenig – wäre auch komisch gewesen, wenn die Eltern mit der Zigarette in der Hand ihre Kinder vor schädlicher UV-Strahlung gewarnt hätten."

Sony-Walkman

Volker Klüpfel: "Dank Walkman konnten wir unsere Pubertät in der inneren Emigration verbringen, die mittels orangefarbener Kopfhörer hergestellt wurde. Daraus erklangen die selbst aufgenommenen Mixtapes, bei denen man immer noch ein Fitzelchen der darauffolgenden Verkehrsdurchsagen hören konnte, denn rechtzeitig auf Stopp (damals noch alte Rechtschreibung, also Stop) zu drücken, war eine Herkulesaufgabe. Und, 30 Jahre später, können wir unseren Eltern endlich entgegenschmettern: 'Wir hatten recht – volle Lautstärke zieht eben doch keine Alterstaubheit nach sich.'"

"Carbonara", "Like Ice in the Sunshine"

Michael Kobr: "Klingt beides eindeutig nach dem Soundtrack unserer Jugend. Unvergessen und noch immer gern auf Skihütten mitgesungen: 'Amaretto ist ein geiles Zeug – ich bin schon lull und lall' – das ist Gebrauchspoesie vom Allerfeinsten. Bei 'Ice in the Sunshine' erinnert man sich unweigerlich an mintgrüne Shorts aus Sweatstoff zu puddinggelben Pullis, die man sich um die Schultern geschlungen hatte – um ein bisschen auszusehen wie die coolen Typen aus der 'Bravo' oder wenigstens wie der schnieke Zahnarztsohn in 'Derrick'. Betten wir den Mantel des Schweigens über diese Geschmacksverirrung."

Der große Shell-Atlas

Volker Klüpfel: "Es ist schon lustig, dass zwar die Männer sich ständig rühmten, wie gewandt sie im Kartenlesen doch seien, diese Aufgabe bei der Urlaubsfahrt dann aber den Frauen zufiel, weil die Männer das Steuer nicht aus der Hand geben wollten. Mit den Shell-Atlas-Ungetüm saßen sie verkrampft auf dem Beifahrersitz, wo irgendwann ihr Blick immer schneller zwischen Karte und Straße hin- und herwechselte, bevor der unvermeidliche Satz fiel: 'Ich glaube, wir hätten da abbiegen müssen.' Was dann folgte, überlasse ich der Fantasie der Nachgeborenen beziehungsweise der Erinnerung aller Menschen unserer Generation."

Devisen

Michael Kobr: "Meine Eltern hatten für jede Währung eigene Kunstledergeldbeutel, die nur für den Urlaub aus dem Schrank geholt wurden. Herrlich. Nur wenn das Geld aus war, wurde es schwierig. Fürs Abheben auf italienischen Banken mittels Euroschecks ging immer ein ganzer Vormittag drauf, an dem man nicht braun werden konnte. Unvergessen die wunderbaren Tausender, wann hatte man denn sonst solche Geldbündel in der Hand. Von vielen Italienern wurden die ja auch als Notizzettel, Liebesbrief oder Visitenkarte verwendet. Schade, dass es die nicht mehr gibt, hätte man wunderbare soziologische Studien drüber anstellen können …"

Neun-mal-dreizehn-Abzüge

Volker Klüpfel: "Wie schön war das doch damals, als man noch analog fotografiert hat, und zwischen dem Foto und dem fertigen Abzug mindestens mal ein Dreivierteljahr lag. Man hat sich erstens beim Fotografieren mehr Mühe gegeben, weil ja jedes Foto Geld gekostet hat. Zweitens nicht jeden Schwachsinn abgelichtet, etwa das tägliche Mittagessen am Strand. Und drittens immer wieder Überraschungen erlebt, wenn man die Bilder abgeholt hat. Waren dann doch neben den Fotos vom Boccia-Spielen immer auch noch das letzte Ostereier-Suchen und das Weihnachtsbaum-Schmücken drauf."

Telefonieren mit "Jetons"

Michael Kobr: "Das war ein Urlaubsevent, manchmal auch der Höhepunkt der Woche, aber auch immer ungeheuer unpraktisch. Die Messingjetons gaben auch hervorragende Beilagscheiben für notdürftige Autoreparaturen, wenn man ein Loch reinbohrte. Aber bei aller Nostalgie: Schon wahnsinnig kommod, dass man sich jetzt nicht mehr in verrauchte Kabuffs stellen muss, wenn man mal zu Hause anrufen will. Andererseits war die Nichterreichbarkeit vielleicht auch der Schlüssel zur absoluten Tiefenentspannung …"

Souvenirs

Michael Kobr: "Meine Souvenirs waren immer praktischer Natur. Donnerstags war immer Markttag in Porto Recanati, für mich das Einkaufsparadies. Erst neulich hat meine Frau das wunderbare Snoopy-Handtuch von 1985 neu eingekettelt, das ich damals für 5000 Lit. erstanden habe und mir noch heute gute Dienste leistet. Leider kann ich die Boss-und Lacoste-Muskelshirts nicht mehr tragen, die haben Löcher bekommen. Keine tolle Qualität. Mich beschleicht fast der Verdacht, dass es sich dabei um Plagiate handelte. Den Korbgeflecht-Wein habe ich meinem Papa von der Klassenfahrt 1990 an den Gardasee mitgebracht. Drei Liter, feinstes Tröpfchen. Habe ich neulich im Weinregal meiner Eltern ganz hinten entdeckt. Sie warten wohl auf einen besonders wertvollen Moment, an dem sie diese Preziose kredenzen …"

Coccobellomänner

Volker Klüpfel: "Der Soundtrack des Urlaubs wurde nicht nur vom aktuellen Sommerhit bestimmt, sondern maßgeblich vom Schlachtruf des Cocobellomannes, in dessen Revier sich der Liegeplatz am Strand befand. Ich weiß nicht, ob Cocobellomann die korrekte Berufsbezeichnung darstellt, vielleicht lautet sie auch 'Lizenzierter Verkäufer von einwandfreier, ein undurchdringliches Netz von Qualitätskontrollen durchlaufen habender Kokosschnitze'. Na ja, das mit den Kontrollen ist möglicherweise nicht so ganz gesichert, und das Wasser, durch das die Schnitze gezogen wurden, war auch nicht gerade vertrauenserweckend, aber entscheidend war sowieso nur der Schlachtruf. In meinem Fall: Africavitamineproteinecocobelloooooo!"

Nicht ohne Luftmatratze: Michael Kobr als Kind im Urlaub an der Adria in den 80er-Jahren. (Foto: privat)

Tretbootfahren

Michael Kobr: "Das Schrecklichste war ja, wie schlimm diese Dinger quietschten! Und jedes Mal hat sich bedenklich viel Wasser im Heck gesammelt. Aber trotzdem war ich stolz wie der Herr der sieben Meere, wenn ich am Strand vorbeigecruised bin. Die restlichen dreizehneinhalb Tage hat man sich so toll langweilen können, wie es heute gar nicht mehr möglich ist. Und wenn das letzte 'Lustige Taschenbuch' ausgelesen war, konnte man sich dem Extrem-Dösing widmen, letztlich eine Art der tiefen Meditation."

Warme Limo statt Cappuccino

Michael Kobr: "In meiner Familie hielt sich lange der Glaube, dass warme Getränke gesünder seien als kühle. Also nicht Tee, sondern tatsächlich lauwarme Erfrischungsgetränke, von Tanten und Oma hörte ich immer wieder: 'Trink's lieber nicht so kalt', wobei mir bis heute niemand schlüssig erklären konnte, weshalb. Trotzdem war die Kühltasche unser ständiger Begleiter, aber eben ohne die legendären blauen Kühlelemente. Im Cappuccino-Alter war ich damals ja noch nicht, und wir hatten immer die Melitta-Kanne mit Porzellanfilter und Dallmayr Prodomo dabei. Nur morgens, da tranken meine Eltern immer nur Pulverkaffee. Dieser Urlaubsduft hat sich bei mir so eingebrannt, dass jetzt noch immer ein Glas Nescafé-Gold-Granulat im Wohnmobilschrank steht. Schmeckt wunderbar nach Adria in den 80ern. Fantastico!"

Volker Klüpfel, Michael Kobr: "In der ersten Reihe sieht man Meer Roman", Droemer, 320 Seiten, 19,99 Euro, eBook 14,99 Euro.

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