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Wasserverbrauch Sinn und Unsinn der supersparsamen Waschmaschine

Die Haushaltsgeräte-Industrie feiert sich für ihre immer sparsameren Technologien. Doch der dramatisch sinkende Wasserverbrauch der Geräte ist für Verbraucher in Deutschland eher Fluch als Segen.

Seine Majestät Carl XVI. Gustav würde seinen Untertanen am liebsten die Badewanne verbieten. Zuletzt rief er sie dazu auf, lieber zu duschen – um Wasser zu sparen.

Deutsche Wasserversorger dürften heilfroh sein, dass der 69-jährige Monarch seinen Spar-Appell nur auf die Schweden bezogen hat. Würde er hierzulande befolgt, könnten viele Versorger ernsthaft in Bedrängnis geraten. Schon jetzt rauscht an vielen Stellen nicht mehr genug Wasser durch die Leitungen, um eine problemlose Ver- und Entsorgung zu gewährleisten. Eine Folge von zwei Jahrzehnten Sparappellen nach Art von Carl Gustaf, von Spartasten an Waschmaschinen und Spülgeräten, von verbrauchssenkenden Duschköpfen und speziellen Klospülungen fürs kleine Geschäft.

Fettablagerungen bis hin zur Totalverstopfung

Folge: Das Frischwasser steht an manchen Stellen bedenklich lange in der Leitung, und das Abwasser wird zur hoch konzentrierten Schmutzbrühe, eine Herausforderung für Leitungssysteme und Kläranlagen nicht nur in Deutschland. Alle paar Monate machen beispielsweise tonnenschwere Fettklumpen mit hohem Ekelfaktor die mediale Runde, die das Londoner Abwassersystem verstopfen.

Im Kleinen wiederholt sich das Problem täglich in tausenden deutschen Haushalten. Moderne Spülmaschinen und Waschmaschinen sind auf einen geringen Wasserkonsum hin optimiert. Immer wieder kommt es zu Fettablagerungen in den Abwasserrohren bis hin zur Totalverstopfung – eine Art Dauerbeschäftigungsprogramm für Rohrreinigungsdienste und Sanitärhandwerker.

"Falsch verstandenes Wassersparen stellt ein zunehmendes Problem dar", sagt Sanitärtechnik-Experte Andreas Braun: "Die Wassermenge reicht unter Umständen nicht, um im Abwasser vorhandene Schmutzstoffe abzuführen." Ähnliche Probleme könnten bei Toiletten-Spülkästen entstehen, die gerade einmal drei Liter durch die Schüssel schicken. Das funktioniere gerade noch im sichtbaren Teil des Abwassersystems, meist nicht mehr aber in den dahinterliegenden Rohren.

Verbrauch pro Waschgang dramatisch gesunken

Die Probleme entstehen durch sich wandelnde Umstände und sind daher schwer vermeidbar. So sind vor Jahrzehnten entstandene Gebäude in der Regel auf eine höhere Personenzahl und höhere Wasserverbräuche pro Person ausgelegt – mit entsprechenden Rohrdurchmessern der Abwasserleitungen. Doch wegen der Spargeräte und größerer Wohnflächen pro Kopf fließen nur noch Abwasser-Rinnsale, wo sich früher Sturzbäche ergossen.

"Wasserleitungen, Geräte und Abwasserleitungen müssen aufeinander abgestimmt sein", mahnt Experte Braun vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima. Leitungen, Wassermengen und Geräte bildeten "ein Gesamtsystem" in einem Gebäude und müssten als solches behandelt werden. Aber wer baut schon kleinere Abwasserrohre ein, wenn die Kinder ausziehen oder das brandneue Hausgerät ein Wasserspar-Weltmeister ist?

Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar. Moderne Spülmaschinen verbrauchen 40 Prozent weniger Wasser als Modelle, die zehn Jahre alt sind. Spitzenreiter kommen mit noch nicht einmal zehn Litern pro Spülgang aus. Dazu kommt, dass sie aus Energiespar-Gründen mit langen Laufzeiten bei niedrigen Wassertemperaturen arbeiten. Dann erkaltet auch das Fett in der Leitung schneller.

Früher spülten die größeren Wasserverbraucher wie Waschmaschinen die Rohre zwischendurch immer wieder einmal kräftig mit warmem Wasser durch und lösten liegen gebliebene Reste aus anderen Quellen wie Spülmaschinen (sofern das Speisefett die Sammelrohre erreicht). Doch auch hier sinken die Wassermengen. Der Durchschnittsverbrauch pro Waschgang ist in den letzten 30 Jahren von 180 Litern auf weniger als 50 Liter gesunken. Alles in allem verbraucht jeder Bundesbürger gegenwärtig 121 Liter pro Kopf und Tag, rund 25 Liter weniger als noch zu Anfang der 90er Jahre.

"Bleibt die Fracht liegen, stinkt es zum Himmel"

Die nur noch tröpfelnde Abnahme hat in manchen Regionen kuriose Folgen, etwa beim Frischwasser. "Wir haben mehrere Kollegen im Einsatz die Stagnationswasser aus den Trinkwasserleitungen spülen, damit es keine hygienischen Probleme gibt", berichtet ein Sprecher von Gelsenwasser, dem größten deutschen Versorger.

Gravierender sei die Situation beim Abwasser. Es sei eine Mindestmenge an Wasser erforderlich, um die Schmutzfracht zu transportieren. "Bleibt die Fracht liegen, gibt es möglicherweise Betonfraß und es stinkt zum Himmel", so der Gelsenwasser-Sprecher. Also setzen Abwasserbetriebe Spülfahrzeuge ein, um wieder Bewegung in den Untergrund zu bringen. Allein in Gelsenkirchen seien täglich zwei Spülwagen unterwegs.

Das in den Haushalten mit Mühe eingesparte Wasser muss also zum Teil im öffentlichen Bereich wieder eingebracht werden, um die technischen Anforderungen noch erfüllen zu können. Denn 90 Prozent der Kosten der Wasserversorger entfallen auf den Erhalt der Infrastruktur – da macht es wenig Sinn, ein paar Kubikmeter Wasser zu sparen und die Rohre gleichzeitig durch aggressive Ausdünstungen der liegen gebliebenen Schmutzfracht schneller verrotten zu lassen, um sie dann teuer zu flicken.

Aus diesem Grund lasse sich die Behauptung, das Wassersparen mache die Wasserrechnung langfristig teurer, nicht von der Hand weisen, sagt Frank Bringewski, von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA). "Da die Versorger immer mehr in den Erhalt der Systeme investieren müssen, sind höhere Trink- und Abwasserpreise in Zukunft realistisch", erklärt der Branchenexperte.

Miele kennt das Problem, BSH offenbar nicht

Ein Durchspülen der Leitungen kann auch im privaten Haushalt helfen. "Es kann sinnvoll sein, ab und zu eine Flasche normalen Haushaltsessig oder heißes Wasser mit Spüli in den Abfluss zu geben und etwas später ein Waschbecken oder Spülbecken mit heißem Wasser zum Nachspülen ablaufen zu lassen", empfiehlt Braun.

Auch wenn das nur gelegentlich geschehe, ließen sich viele Ablagerungen wie Fett auf diese Weise entfernen. Bei den Geräteherstellern ist das Problem bekannt, und ihre Abhilfe beim Spülen und Waschen sieht ähnlich aus: "Wir empfehlen, ab und zu ein Programm mit höheren Temperaturen zu benutzen", sagt eine Sprecherin des Hausgeräteproduzenten Miele in Gütersloh. Möglichen Fettablagerungen in den Rohrleitungen könne so vorgebeugt werden.

Dagegen sagte ein Sprecher von BSH, man habe "keine Hinweise, dass der Einsatz unserer besonders strom- und wassersparenden Geräte zu Verstopfungen in Abflussleitungen führt". Auch er verweist allerdings darauf, dass die Maschinen des Unternehmens über Programme verfügten, bei denen höhere Temperaturen und größere Wassermengen eingesetzt würden. "Nach unserer Erfahrung schätzen unsere Kunden diese Auswahlmöglichkeit und wenden die Programme auch an", sagte er. BSH stellt unter anderem Geräte der Marken Bosch, Siemens, Gaggenau und Neff her.

Sollten die Bundesbürger weiterhin Anstrengungen unternehmen, um Wasser zu sparen? Kommt drauf an, sagen Fachleute. Generell zähle Deutschland zu den wasserreichsten Ländern der Erde, rechnet beispielsweise das Umweltbundesamt vor. Auf jeden der 357 Milliarden Quadratmeter Deutschland fallen Jahr für Jahr gut 500 Liter Niederschlag.

Vier Fünftel davon werden nicht verbraucht und bleiben unangetastet. Vom restlichen Fünftel wird der Löwenanteil in Bergbau und Industrie, als Kraftwerkskühlwasser oder für die Landwirtschaft verwendet. Ganze 2,7 Prozent liefern die öffentlichen Wasserversorger an private Haushalte. Entsprechend geringfügig wirkt sich die im letzten Vierteljahrhundert in den Privathaushalten erzielte Verbrauchsreduzierung um 17 Prozent in der Gesamtbilanz aus.

Wie kostbar ist die Ressource Wasser?

Was jedoch keine Entschuldigung für gedankenlosen Umgang mit Wasser sein kann. Wer Ressourcen sparen wolle, solle sich aber auf warmes Wasser konzentrieren, rät das Umweltbundesamt. Ein vorsichtiger Umgang nutze nicht nur der Umwelt, sondern auch dem eigenen Budget – denn die Aufheizung von Wasser ist ein Energie-Großverbraucher. "Eine Reduktion der verwendeten Mengen an kaltem Wasser rechnet sich aufgrund der Kostenstrukturen nur in begrenztem Maße", heißt es dagegen in einem Ratgeber des Umweltbundesamtes mit dem Titel "Wassersparen in Privathaushalten – sinnvoll, ausgereizt, übertrieben?".

Doch die Zusammenhänge sprechen sich nur langsam herum, nicht nur in Königshäusern. Nach einer Forsa-Umfrage meinen 31 Prozent der Deutschen, die drängendsten Herausforderungen für die zukünftige Wasserversorgung der Welt sei allgemein ein sparsamer Umgang. "Wasser ist eine kostbare Ressource, deren Verknappung schwerwiegende Folgen hat", warnt beispielsweise auch der Vegetarierbund auf seiner Website.

Doch was für Kalifornien, Südeuropa oder Teile Afrikas richtig ist, könne hierzulande kostspieliger Unsinn sein, machen Experten wie das Umweltinstitut Ecolog aus Hannover geltend. Unumstritten ist, dass Wasser als wichtigste Ressource keinesfalls verwendet, sondern sinnvoll eingesetzt werden sollte.

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