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Tipps und Tricks Wie ernähre ich mein Kind vegetarisch?

Leben Eltern vegetarisch, kommt auch für die Kinder oft kein Fleisch auf den Teller. Gesundheitlich bedenklich wird es erst bei veganer Ernährung. Trotzdem sollten einige Dinge beachtet werden.

Ob ökologische, gesundheitliche, moralische oder religiöse Motive: Es gibt viele Gründe, auf Fleisch zu verzichten. Leben Eltern vegetarisch, stehen sie irgendwann vor der Entscheidung, ob sie auch den Nachwuchs in diesem Stil erziehen wollen. Dabei tauchen aber viele Fragen auf: Was gibt es aus ernährungswissenschaftlicher Sicht zu beachten? Welche Folgen hat die Entscheidung der Eltern für den sozialen Alltag der Kinder? Und schließlich der pädagogische Aspekt: Wie erkläre ich meinem Kind altersgerecht, warum es besser sein soll, kein Fleisch zu essen?

"Das Thema vegetarische Erziehung ist hochaktuell", sagt Silke Bott, Vorstandsmitglied beim Vegetarierbund Deutschland (Vebu). Nicht zuletzt wegen der vielen Lebensmittelskandale verzichteten Menschen bewusst auf Fleisch und Fisch. "Und wenn beide Elternteile überzeugte Vegetarier sind, erziehen sie ihr Kind in der Regel auch vegetarisch." Besonders bei Paaren, bei denen ein Elternteil Fleisch isst, könne die Frage jedoch zu Spannungen führen.

Erst vegane Ernährung wird bedenktlich

Ein Konfliktpunkt ist dabei immer die Sorge, dass Kinder Mangelerscheinungen haben, wenn sie kein Fleisch essen. Dem widerspricht Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn: "Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist eine vegetarische Erziehung von Kindern kein Problem." Von veganer Kost, bei der auf tierische Produkte wie Eier und Milchprodukte verzichtet wird, rät Gahl hingegen ab: "Bei veganer Ernährung besteht für Kinder die Gefahr einer Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen." Im Extremfall könne eine vegane Ernährung zu Wachstumsverzögerungen, Entwicklungs- und sogar Nervenstörungen führen.

Vegetarisch ja, vegan nein: So sieht es auch die Ernährungswissenschaftlerin Alexandra Borchard-Becker von der Verbraucher Initiative. Aber auch bei einer vegetarischen Erziehung müssten Eltern auf einige Dinge achten. Zum Beispiel darauf, dass die Kinder genügend Eisen bekommen. "Normalerweise wird die Eisenzufuhr zuerst über die Muttermilch und dann etwa ab dem sechsten Lebensmonat über den Fleischkonsum geregelt." Aber auch in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und verschiedenen Gemüsesorten wie Fenchel oder Mangold sei genügend Eisen enthalten.

Pflanzliches Eisen mit Vitamin C füttern

Das Problem: Eisen aus Fleisch kann der Körper wesentlich besser aufnehmen als pflanzliches Eisen. "Deswegen muss man pflanzliches Eisen gemeinsam mit Vitamin C füttern", sagt Borchard-Becker. Dazu könnten Eltern beispielsweise einfach einen Schuss Orangensaft in den Hirsebrei geben. Denn Hirse eigne sich wie auch Hafer hervorragend für die Eisenzufuhr. Trotzdem rät Borchard-Becker Eltern, den Eisenspiegel regelmäßig beim Kinderarzt kontrollieren zu lassen.

Für eine vegetarische Erziehung sind also grundlegende ernährungswissenschaftliche Kenntnisse vonnöten. Besonders kritisch sind vor allem die ersten drei Lebensjahre: "Denn in dieser Zeit brauchen Kinder mehr Nährstoffe, weil sie weniger essen", sagt die Ernährungswissenschaftlerin.

Großstädte machen's Eltern leichter

Wenn die Kinder später in den Kindergarten kommen, tauchen ganz neue Probleme auf. In vielen Kindergärten sei vegetarisches Essen mittlerweile weit verbreitet, sagt Bott vom Vebu. Dabei gebe es aber ein Stadt-Land-Gefälle: "In Großstädten ist es wesentlich einfacher, seine Kinder vegetarisch zu erziehen." Eine zentrales Suchregister für Kindergärten mit vegetarischem Essen existiere nicht. "Da hilft es im Zweifelsfall nur, jeden einzelnen anzurufen."

Der Kindergarten ist häufig der erste Ort, an dem vegetarisch erzogene Kinder auf Gleichaltrige treffen, die Fleisch essen. Damit stehen die Eltern vor neuen Herausforderungen. Zwar seien die ersten Lebensjahre sehr prägend dafür, was Kinder mögen und was nicht, erklärt der Ernährungspsychologe Professor Joachim Westenhöfer von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. "Aber sobald Kinder in Kontakt zu anderen Kindern kommen, übernehmen sie deren Vorlieben und setzen sich von den Eltern ab."

Experten raten vom Fleischverbot ab

Was tun, wenn die Kinder ein Salamibrot oder ein Würstchen probieren möchten? "Auf keinen Fall mit Verboten arbeiten", rät Ernährungspsychologe Westenhöfer, "denn das erhöht nur den Reiz." Wichtig sei, dass die Eltern erklärten, warum sie auf Fleisch verzichten. "Die Kinder wollen auf diese Frage eine gute Antwort erhalten."

Das sieht auch Silke Bott vom Vebu so: "Man kann Drei- oder Vierjährigen nicht erzählen, dass Fleischesser für den Welthunger verantwortlich sind." Eltern müssten vielmehr erklären, dass sie vegetarische Kost lieber mögen. "Essen darf niemals mit Schuldgefühlen verbunden sein, da es sonst zum Problem werden kann." Deswegen empfiehlt sie, zwar den Vegetarismus vorzuleben, aber das Kind letztlich selbst entscheiden zu lassen, ob es Fleisch probieren möchte.

Einfluss könnten die Eltern ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch nehmen, indem sie zeigten, dass vegetarisches Essen schmecke. "Das hilft den Kindern, ihre fleischlose Lebensweise vor Gleichaltrigen zu vertreten." Und wenn die Kindergartenfreunde oder andere trotzdem mit Unverständnis reagieren, helfe nur noch Humor. Zum Beispiel könnten Kinder sagen: "Ich esse auch Fleisch. Aber meins kommt vom Tofu-Tier."

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