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Verbot gefordert Blut-Gentest befeuert Ethikdebatte

Ab Juli können Schwangere ohne eine riskante Fruchtwasseruntersuchung ihr Kind auf Trisomie 21 testen lassen. Da ein einfacher Bluttest dafür reicht, fürchten Kritiker einen Anstieg von Abtreibungen.

Mit ein paar Tropfen Blut sollen werdende Eltern künftig Klarheit erhalten, ob ihr Kind das Down-Syndrom hat. Die Konstanzer Firma LifeCodexx bringt voraussichtlich noch im Juli einen Test auf den Markt, der eine Trisomie 21 schon in einer Blutprobe der Schwangeren erkennt und riskante Fruchtwasseruntersuchungen in vielen Fällen überflüssig machen soll. Zugleich befeuert der sogenannte PraenaTest aber auch die alte Debatte über die vorgeburtliche Diagnostik. Kritiker warnen vor einer Stigmatisierung von Behinderten.

Im Blut von schwangeren Frauen finden sich Teile der Erbinformation des Embryos, die im Testverfahren im Labor analysiert und auf Hinweise einer Chromosomenveränderung abgesucht werden. Beim Down-Syndrom liegt das Chromosom 21 drei statt zwei Mal vor. Der Test kann nach Unternehmensangaben die Trisomie "risikofrei" und "zuverlässig" erkennen.

Risikoschwangere sollen sich testen

Das Verfahren, dessen Entwicklung vom Bund mit rund 230.000 Euro gefördert wurde, soll zunächst in rund 20 Praxen und Pränatalzentren in Deutschland angeboten werden und rund 1250 Euro kosten, wie Elke Decker, Sprecherin von LifeCodexx, ankündigt. Die Summe müssen die Frauen selbst zahlen. Der PraenaTest ist für Frauen ab der zwölften Schwangerschaftswoche gedacht, bei denen ein erhöhtes Risiko für Chromosomenveränderungen beim Embryo besteht. Zudem müssen sich die Frauen gemäß Gendiagnostikgesetz von einem qualifizierten Arzt beraten und aufklären lassen.

Der Test kommt zum Beispiel in Frage, wenn es beim Ersttrimester-Screening einen auffälligen Befund gibt. Dabei wird zwischen der zwölften und 14. Schwangerschaftswoche anhand eines speziellen Ultraschalls und von Blutwerten eine Wahrscheinlichkeit für Trisomie 21 berechnet. Bislang erfolgt meist eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Punktion des Mutterkuchens - der Eingriff durch die Bauchdecke kann allerdings zur Fehlgeburt führen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) verlieren etwa zehn von 1000 Frauen infolge des Eingriffs ihr gesundes Kind.

Politiker fürchten Selektion

LifeCodexx schätzt, dass der neue Test jährlich 600 bis 700 Kinder in Deutschland "vor den tödlichen Folgen eines invasiven Eingriffs" bewahren kann. Bestätigt sich allerdings der Verdacht auf eine Trisomie 21, dann steht die Frau immer noch vor der Frage, ob sie ein behindertes Kind zur Welt bringen will. Schon heute werden etwa 90 Prozent aller ungeborenen Kinder mit Trisomie 21 abgetrieben.

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe (CDU), fürchtet, dass der Druck auf Paare, abzutreiben, nun noch steigen wird. Der Test sei nicht nur "im hohen Maße diskriminierend", sondern diene einzig und allein "der Selektion von Menschen mit Down-Syndrom", kritisiert Hüppe. Am Donnerstag legte er ein Rechtsgutachten vor, wonach der Test laut dem Gendiagnostikgesetz rechtlich unzulässig ist. "Der Test dient weder medizinischen noch therapeutischen Zwecken", sagt Hüppe. Damit erfülle er nicht die Voraussetzungen für eine zulässige vorgeburtliche Untersuchung.

Befürworter sehen keine Probleme

Auch die Bundesvereinigung Lebenshilfe und Down-Syndrom-Organisationen in Deutschland kritisieren, der Tests stelle das Lebensrecht von Menschen mit Down-Syndrom in Frage. Derzeit leben in Deutschland rund 50.000 Menschen mit dem Syndrom, das zu Organfehlbildungen wie Herzfehlern führen kann. Der Grad der geistigen Behinderung kann sehr unterschiedlich ausfallen.

Die DGGG sieht in dem Test indes "keinen ethischen Dammbruch", auch sei keine sprunghafte Zunahme von Schwangerschaftskonflikten zu befürchten. Auch Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery befürwortet den Bluttest. Im Kern der Debatte geht es nach seiner Meinung auch nicht um den neuen Test, sondern vielmehr "um die Pränatal-Diagnostik und ihre Konsequenzen insgesamt". Mit den vielen offenen Fragen rund um die Gendiagnostik befasst sich derzeit der Deutsche Ethikrat, der im Auftrag der Bundesregierung dazu eine Stellungnahme erarbeiten soll.

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