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Durchbruch bei Krebs? HI-Virus heilt Leukämie

Es war die letzte Hoffnung: Weil die siebenjährige Emily an aggressiver Leukämie litt, griffen US-Ärzte zu einer riskanten Therapie - mit Erfolg. Genmanipulierte HI-Viren haben den Krebs besiegt.

Ärzte in den USA haben nach eigenen Angaben einem leukämiekranken Mädchen durch eine neuartige Therapie mit gentechnisch veränderten HI-Viren das Leben gerettet. Die siebenjährige Emily Whitehead habe keine Spuren von Krebs mehr, sagte ein Sprecher des behandelnden Kinderkrankenhauses in Philadelphia. Das Mädchen hatte seit zwei Jahren eine akute Lymphatische Leukämie, eine äußerst schwere Form von Blutkrebs. Während die neue Therapie bei Emily anschlug, erlitt ein anderes Kind, das auf diese Weise behandelt wurde, allerdings einen Rückfall.

Nach zwei erfolglosen Chemotherapien bei Emily griffen die Ärzte im April zu der neuen Methode, die zuvor erst an wenigen Menschen ausprobiert worden war. Bei der Therapie mit dem Namen CTL019 wird eine deaktivierte Form des HI-Virus verwendet, um die T-Zellen des Mädchens im Labor gentechnisch zu verändern und anschließend wieder in den Körper einzusetzen. Die T-Zellen oder T-Lymphozyten, die im Körper der Immunabwehr dienen, wurden so gestärkt, dass sie in der Lage waren, die aggressive Leukämie zu bekämpfen.

"Damit die T-Zellen den Krebs angreifen, müssen wir ein neues Gen hinzufügen", sagte Stephan Grupp, Experte für pädiatrische Onkolgie und behandelnder Arzt. "Dieses Gen ermöglicht es den T-Zellen, ein Protein zu produzieren, das sie dazu bewegt, den Krebs zu bekämpfen. Damit dieses neue Gen in die T-Zellen eindringt, benutzen wir ein auf der Basis von HIV entwickeltes Virus." Dabei würden aber alle Elemente, die eine Krankheit auslösen können, entfernt. "Es ist unmöglich, HIV oder eine andere Infektion zu bekommen", sagte Grupp.

Allerdings zeigte sich, wie riskant die Behandlung ist: Durch die starke Erhöhung eines Proteins in Folge der Einpflanzung der veränderten Zellen, wurde Emily schwer krank und musste auf der Intensivstation behandelt werden. Ein Medikament, das die Produktion des Proteins stoppte, half dem Mädchen. Inzwischen ist Emily den Ärzten zufolge frei von Krebszellen. Bei der wiederholten Untersuchung des Knochenmarks sei "keine Spur der Krankheit" entdeckt worden. Die T-Zellen, die gegen den Krebs kämpfen, seien weiterhin im Körper des Mädchens. Dadurch soll ein Rückfall verhindert werden.

Emily ist wieder zuhause, kann zur Schule gehen und Fußball spielen. Ein anderes Kind, bei dem die Behandlung ebenfalls angewendet wurde, erlitt dagegen nach Angaben des Krankenhauses einen Rückfall. Emilys Arzt äußerte sich vorsichtig über Emilys Zustand. Zwar hätten auch genaueste Untersuchungen keine Spur von Leukämie mehr gezeigt, sagte Grupp dem Sender ABC. Aber erst in einigen Jahren könne die Frage gestellt werden, ob das Kind geheilt ist oder nicht.

Die beiden Kinder sowie zehn Erwachsene sind die einzigen, die bisher mit dieser Therapie behandelt wurden. Insgesamt reagierten neun der zwölf Patienten positiv auf die Behandlung. Grupp sagte auf der Webseite des Krankenhauses, die T-Zellen-Therapie könne in der Krebsmedizin vielleicht die kostspieligere und unangenehme Knochenmarktransplantation ersetzen.

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