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Weltraumschrott bedroht Raumfahrt Handgranaten im All

Die Erde hat ein Müllproblem - nicht nur am Boden, sondern auch im All. Auf einer Konferenz beraten Experten darüber, wie sie Herr über den Schrott werden. Die Zukunft der Raumfahrt ist bedroht.

Der Müll bedroht die Zukunft der Raumfahrt. In erdnahen Umlaufbahnen rast mittlerweile eine derart große Menge Weltraumschrott um den Planeten, dass mittelfristig die Raumfahrt ernsthaft in Gefahr geraten könnte. Ab Montag beraten in Darmstadt hunderte Top-Experten aus aller Welt über Methoden, die für Sonden und Satelliten gefährlichen Trümmer unschädlich zu machen. Denn der Weltraummüll ist mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 25.000 Stundenkilometern unterwegs - bei Kollisionen drohen also verheerende Schäden.

Der High-Tech-Müll, mit dem sich die Fachleute im Darmstädter Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation ESA befassen werden, umfasst ausgediente Raketenstufen und abgeschaltete Satelliten ebenso wie nur Millimeter große Teile.

Energie einer Handgranate

Forscher schätzen, dass rund 29.000 Objekte von mehr als zehn Zentimeter Größe um die Erde kreisen, 750.000 Stücke mit einer Länge ab einem Zentimeter - und unvorstellbare 170 Millionen Teile ab einem Millimeter Größe. Dabei setzt der Einschlag eines nur ein Zentimeter großen Objekts zum Beispiel in einen Satelliten die Energie einer Handgranaten-Explosion frei.

Weltraummüll entsteht auf vielfältige Weise - beispielsweise bei den weltweit mehr als 4900 Raketenstarts, die seit Beginn des Raumfahrtzeitalters vor mehr als einem halben Jahrhundert stattgefunden haben und bei denen stets große und kleine Teile in Erdumlaufbahnen gelangen. Der überwiegende Teil der bislang katalogisierten Schrottteile entstand allerdings bei über 250 Explosionen im Orbit, bei denen sich übrig gebliebenes Antriebsmittel entzündet hatte. Außerdem wissen die Forscher von mehreren Kollisionen großer Objekte auf Erdumlaufbahnen, die Weltraumschrott hinterlassen haben.

Einer dieser Zusammenstöße ereignete sich am 10. Februar 2009: Der US-Satellit Iridium 33 kollidierte mit dem abgeschalteten russischen Satelliten Kosmos 2251. Beide wurden total zerstört - und die "Müllhalde" im Erdorbit wuchs durch die Kollision um weitere mindestens 2200 Trümmerteile.

Stoff genug für die viertägige Europäische Konferenz zu Weltraumschrott, die bereits zum sechsten Mal stattfindet und die weltweit größte Veranstaltung zu Raumfahrtrückständen ist. Bei dem Treffen wollen Wissenschaftler, Ingenieure und Manager aus allen wichtigen Raumfahrtnationen die neuesten Erkenntnisse über Weltraumschrott mit Vertretern von Industrie und politischen Institutionen austauschen - und über strategische Ansätze sowie technische Optionen zum Umgang mit den wachsenden Gefahren durch Weltraummüll beraten.

Dabei besteht die größte Gefahr darin, dass Kollisionen vor allem großer Schrottobjekte eine folgenschwere Kettenreaktion auslösen können: Die Teile stoßen mit gigantischer Geschwindigkeit zusammen und zersplittern - mit der Folge, dass mit der steigenden Zahl der Teile auch das Gefahrenpotenzial weiter anwächst.

Um die Zahl der großen Schrottteile einzudämmen, werden die Teilnehmer des Kongresses unter anderem über das Thema Müllvermeidung im Weltraum debattieren. "Dieser Ansatz geht davon aus, die Entstehung von Weltraummüll von Anfang an zu verhindern", sagt Holger Krag, stellvertretender Leiter des ESA-Büros für Weltraumschrott in Darmstadt. Eine Möglichkeit: Raketen und Satelliten werden künftig so ausgelegt, dass sie nach dem Ausbrennen beziehungsweise ihrer Ausmusterung kontrolliert in die Erdatmosphäre zurückgeholt werden können, um dort zu verglühen.

Eine ganz andere Option ist die sogenannte "aktive Entfernung" von Weltraumtrümmern aus dem All - was nichts anderes bedeutet, als dass ein Raumfahrzeug zu einem großen Schrottteil startet und es einsammelt. "Das ist zwar sehr aufwendig", sagt Krag. "Aber der Aufwand scheint vertretbar zu sein, wenn man bedenkt, dass anderenfalls die Zukunft der Raumfahrt auf dem Spiel stehen könnte."

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