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11 Jahre 9/11 Die Verschwörungstheorien

Mit Messern bewaffnet entführten 19 Islamisten am 11. September 2001 vier Flugzeuge. Sie flogen sie in die Zwillingstürme des WTC und stürzten die Welt ins Terror-Chaos. Doch noch sind Fragen offen.

Können 19 junge Islamisten, mit Messern und Pfefferspray bewaffnet, die Weltmacht Amerika in die Knie zwingen? Können sie unbemerkt vier Flugzeuge kapern und ein Inferno auslösen, das in weniger als 110 Minuten fast 3.000 Menschen das Leben kostet? Auch heute noch, zehn Jahre nach den Terrorattacken vom 11. September 2001, ist das Szenario einfach unvorstellbar. So unvorstellbar, dass viele Menschen die offiziellen Erklärungen nicht glauben können oder glauben mögen. Verschwörungstheorien im Internet liefern wilde Spekulationen über dunkle Mächte, ein Komplott der Geheimdienste oder Intrigen der US-Regierung. Zum Jahrestag von "9/11", wie der 11. September in den USA heißt, haben sie Hochkonjunktur.

Hundertprozentiger Beweis, dass Bomben in den Gebäuden installiert waren", heißt etwa ein Video auf YouTube, das bislang mehr als sieben Millionen Zuschauer verzeichnet. An anderer Stelle erklärt ein Blogger, die US-Regierung habe zusammen mit Israel die Anschläge unterstützt, um eine Entschuldigung für ohnedies geplante Militärinterventionen in Afghanistan und im Irak zu haben. "Seid nicht blind gegenüber der Wahrheit", fordert er. "

Auf der Suche nach der Wahrheit

Schätzungen zufolge gibt es bis zu eine Million solcher Seiten im Cyberspace, dazu ein unübersehbares Meer an Büchern, Filmen und Zeitschriftenartikeln. Die Ansätze sind, je nach politischer Couleur, unterschiedlich. Einmal ist der israelische Geheimdienst Mossad der Drahtzieher, ein andermal die US-Bundespolizei FBI oder das Pentagon, dann wieder ominöse Think Tanks. In Deutschland gehören Autoren wie Mathias Bröckers, Gerhard Wisnewski und der frühere Bundesforschungsminister Andreas von Bülow (SPD) zu den Wortführern.

Besonders häufig wird bezweifelt, dass die Zwillingstürme des World Trade Center tatsächlich allein durch den Aufprall der beiden gekaperten Maschinen Feuer fingen und einstürzten. Die Gruppe "Architekten und Ingenieure für die Wahrheit von 9/11" hält es für erwiesen, dass Sprengstoff in den Wolkenkratzern deponiert war. "90.000 Tonnen Beton und Stahl und 1.000 Menschen wurden noch in der Luft praktisch pulverisiert" - ein solches Ausmaß der Zerstörung ist nach Ansicht der Architekten nur durch eine Explosion möglich.

Auf einer anderen Website findet sich eine neue Studie, die "extrem hohe Konzentrationen von flüchtigen organischen Chemikalien und anderen Stoffen" erkannt haben will, die bei Feuern nicht auftreten und deshalb ebenfalls auf Sprengstoff schließen lassen. Weitere Fragen in der Cyber-Diskussion: Warum brach ein drittes Hochhaus etwa 100 Meter von den Zwillingstürmen entfernt ebenfalls zusammen, obwohl es gar nicht getroffen wurde? Wie konnte ein riesiger Jet auf das Pentagon stürzen und doch nur ein Loch von der Größe einer US-Rakete hinterlassen? Und: Saßen in den Flugzeugen wirklich Attentäter am Schaltknüppel oder wurden die Maschinen ferngesteuert?

"Eine 571-Seiten-Lüge"

Auf viele Fragen hat die US-Untersuchungskommission zur Aufklärung der Anschläge in ihrem 2004 vorgelegten Bericht offiziell Antworten gegeben. Den Anhängern der Verschwörungstheorien genügte das nicht. "Eine 571-Seiten-Lüge", urteilt etwa die New Yorker Gruppe «911Truth» knapp. Einer Umfrage von 2006 zufolge glauben nur noch 16 Prozent der Amerikaner, dass die Regierung Bush die volle Wahrheit über ihr Vorwissen zu den Terroranschlägen gesagt hat. 53 Prozent meinen, sie verberge etwas. 28 Prozent denken, sie lügt.

Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage von WorldPublicOpinion in 17 Ländern war nur in 9 Ländern eine Mehrheit davon überzeugt, dass El Kaida die Anschläge verübte. Selbst in Deutschland hielten demnach immerhin 23 Prozent eine US-Schuld für möglich. 64 Prozent waren in Deutschland jedoch davon überzeugt, dass El-Kaida-Terroristen im Auftrag Osama bin Ladens die Anschläge auf die Zwillingstürme in New York und das amerikanische Verteidigungsministerium verübten.

"Der Katastrophe einen Sinn geben"

Für den Internetexperten Prof. Alexander Halavais von der Medien-Universität in Hamden im Bundesstaat Connecticut ist die nachträgliche Mythen-Bildung verständlich. Auch andere unfassbare Ereignisse wie der Mord an John F. Kennedy und der Tod von Lady Di haben endlose Spekulationen ausgelöst. "Das ist der natürliche Versuch, einer Katastrophe Sinn zu geben", schreibt Halavais in einem Aufsatz.

Viele Vertreter von Verschwörungstheorien fordern eine neue Untersuchung der Anschläge. So ist der sozialistische Europaabgeordnete Giulietto Chiesa derzeit mit dem Dokumentarfilm "Zero" auf Werbetour für ein internationales Tribunal, vergangene Woche etwa auch in Berlin. "Die größte Verschwörungstheorie", sagt der Italiener, "ist die der US-Regierung: dass Osama bin Laden aus einer afghanischen Berghöhle heraus mit 19 jungen Arabern die perfidesten Terrorattacken der Weltgeschichte gesteuert haben soll."

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