Markus Beckedahl - Welt im Netz
Markus Beckedahl bloggt auf netzpolitik.org, ist Gründer der re:publica und schreibt Kolumnen für N24 Online
Markus Beckedahl bloggt seit 2003 auf netzpolitik.org über Politik im und für das Netz. Er ist Gründer und Partner der newthinking GmbH, sowie Gründer und Veranstalter der re:publica-Konferenzen. Er ist Mitglied im Medienrat der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg und war Mitglied in der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages. Zusammen mit dem Journalisten Falk Lüke hat er das Buch "Die digitale Gesellschaft - Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage" im dtv-Verlag geschrieben. Ehrenamtlich engagiert er sich als Vorsitzender des Digitale Gesellschaft e.V. und als Sprecher für Creative Commons in Deutschland.
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Markus Beckedahl - Welt im Netz eBooks sind toll, ich kauf mir trotzdem lieber Bücher

eBooks sind praktisch und zeitgemäß. Kaufen sollte man sie dennoch nicht, dafür gibt es gute Gründe.

Ich bin ein großer Fan von eBooks, also digitalen Büchern, die ohne Papier auskommen und auf passenden Readern, Tablets oder gar auf dem Smartphone gelesen werden können. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man muss nicht zusätzliches Gepäck in Form eines Buches aka gedrucktem Papier mit sich rumschleppen. Vor allem in Urlaubszeiten bedeuten eBooks weniger Gewicht und mehr Flexibilität. Zumindest theoretisch. Einmal hatte ich einen eBook-Reader mit ausreichend digitalen Ausgaben dabei und jemand setzt sich aus Versehen auf den Reader. Und mit dem kaputten Display verschwand auch schnell meine Flexibilität ins digitale Nirvana.

Aber haben Sie sich schon einmal die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von eBooks durchgelesen? Das ist der Vertragstext, den niemand liest und wo man immer auf "Weiter" klickt, um endlich das Buch lesen zu können. Dort findet man viel Text darüber, was man mit einem gekauften eBook nicht machen darf und wenig darüber, was man überhaupt darf. Sie dürfen das Buch z.B. lesen. Aber in der Regel nicht weitergeben, weiter verschenken oder verkaufen. Blöd, wenn eBooks meist dasselbe oder fast dasselbe kosten wie gedruckte Bücher, die man verkaufen, verschenken und zerreißen darf. Ganz ohne Allgemeine Geschäftsbedingung.

In dem Vertragstext steht meist noch drin, dass der Anbieter das Recht hat, die Bücher zurückzurufen. Das müssen Sie sich so vorstellen, dass Sie ein Buch in der Buchhandlung kaufen, es mit nach Hause nehmen und Nachts steigt der Buchhändler bei Ihnen ein, nimmt das Buch ungefragt vom Nachtisch, lässt den Kaufpreis zurück und geht wieder. Klingt schräg, oder? Genau das hatte Amazon bereits einmal spektakulär mit dem eBook von "1984", dem Roman von George Orwell, praktiziert. Damals waren die eBook-Rechte nicht eindeutig geklärt und Amazon rief automatisiert die verkauften eBooks von seinem Kindle zurück.

Ungeklärt ist auch noch die Frage, was man mit kopiergeschützten Büchern später machen darf. Sie kaufen jetzt so ein Buch, weil Sie jetzt einen passenden Reader für das Format haben, aber können nicht genau wissen, ob Sie das eBook in zehn Jahren auch noch öffnen können. Denn Kopierschutzformate ändern sich häufig. Das mussten gerade viele Microsoft-Kunden merken, die Musik über den Microsoft-Service "Plays for sure" gekauft hatten. Die Plattform wurde eingestellt. Pech gehabt für die ehrlichen Kunden. Nun könnten Sie den Kopierschutz umgehen, aber das ist in vielen fällen illegal, weil das eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Verrückte neue Welt.

Diese Woche gab es dann noch zwei Ereignisse, die mich traurig machten. Der Bundesfinanzhof erklärte, dass man für eBooks weiterhin 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen müsste, weil nur gedruckte Bücher Kulturgut seien. Könnte man ändern, wenn unsere Regierung das wollte. Tut man leider nicht. Aber gleichzeitig hat das Bundeskabinett am Mittwoch einen Entwurf zur Änderung des Buchpreisbindungsgesetzes beschlossen. Damit gilt die Buchpreisbindung auch für eBooks.

Mein Blog hat in den vergangenen Jahren mehrere Bücher im Eigenverlag rausgebracht, die auch als eBooks erschienen sind. Ohne Kopierschutz. Aber die eBooks waren automatisch teurer, wegen der höheren Mehrwertsteuer. Das ist doch absurd!  Ich würde mir gerne mehr eBooks kaufen. Damit ich nicht mehr soviel rumschleppen muss. Und meine Wohnung nicht weiter mit vielen Büchern zugestellt wird. Aber solange ich keine Rechte erwerbe, eBooks auch weiter verkaufen oder verleihen zu können und zugleich durch die höhere Mehrwertsteuer mehr bezahlen muss, mache ich das nicht.

Und dann wundern sich viele, warum der Markt für eBooks nicht so stark wächst, wie er könnte?

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