Philipp Köster - Leben mit Sport
Philipp Köster ist Herausgeber und Chefredakteur des Magazins für Fußball-Kultur "11 Freunde" und schreibt Kolumnen für N24 Online.
Philipp Köster, geboren 1972, ist Gründer und Chefredakteur des Fußballmagazins "11 Freunde". Und: Autor zahlreicher Bücher zum Thema "Fußball". Außerdem: 2010 als "Sportjournalist des Jahres" ausgezeichnet. Vor allem aber: Anhänger des Zweitligisten Arminia Bielefeld. 
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Holger Badstubers Verletzungsmisere Das Schicksal der Gladiatoren

Holger Badstubers Verletzung ist tragisch und wirft die Frage auf: Muten wir den Profifußballern zuviel zu? 

Es war die Schocknachricht des Wochenendes: Holger Badstuber wieder schwer verletzt. Die Leidensgeschichte des Bayern-Kickers nahm damit endgültig die Form einer klassischen griechischen Tragödie an.  Vier schwerste Verletzungen in nur fünf Profijahren, vom Kreuzbandriss bis zum Bruch des Sprunggelenks, erlitt der erst 24-Jährige bereits und jede dieser Verletzungen zog eine lange Pause nach sich.

Umso bemerkenswerter, dass sich Badstuber nach jeder Rekonvaleszenz wieder brav zum Dienst meldete und sich in den Kader einreihte, als ob nichts gewesen wäre. Wenig erstaunlich also, dass auch nach der jüngsten Verletzung die Fußballwelt ihr Bedauern und den kollektiven Wunsch nach baldiger Rückkehr zum Ausdruck brachte.

Inmitten all der Besserungswünsche und aufmunternden Schulterklopfern wurde eine Frage eher zaghaft gestellt. Nämlich die, ob Holger Badstubers Körper womöglich nicht für die bisweilen extremen Anforderungen des Profifußballs gemacht ist, und der junge Mann für seinen Durchhaltewillen in späteren Jahren mit seiner Gesundheit bezahlen wird.    

Mitleidslos gegen sich selbst und ihre Gesundheit

Vielleicht wurde die Frage aus Pietät nicht gestellt, schließlich gilt Badstuber als einer der fähigsten deutschen Spieler auf seiner Position. Was wäre es also für ein Jammer, würde er nun seine Karriere vorzeitig beenden müssen. Sicher aber auch passen selbst Gedankenspiele über eine solche Resignation nicht zum heroischen Bild, das wir uns gerne von Profifußballern zimmern.

In der öffentlichen Projektion sind Fußballspieler viel zu oft moderne Gladiatoren, die bis zur Selbstaufgabe für Sieg und Verein kämpfen, die selbst nach Rückschlägen immer wieder aufstehen, mitleidslos gegen sich selbst und die eigene Gesundheit.

Und dafür ist Badstubers Leidensgeschichte nur das augenfälligste Beispiel. Für das Spektakel, das uns der Fußball mittlerweile an jedem Tag der Woche bietet, nehmen wir billigend in Kauf, dass allzu viele Spieler im Laufe ihrer Karriere wissentlich ihre Gesundheit ruinieren. Dass sie nach der Karriere oft nur noch humpeln. Dass sie nicht mehr mit ihren Kindern im Park Fußball spielen können.

Profifußball ist nicht gesund

Der HSV-Keeper René Adler teilte mit uns vor längerer Zeit einmal die bittere Erkenntnis: "Ich lasse mich jeden Tag unzählige Male auf die Seite fallen. Das kann nicht gesund sein!"

Nein, Profifußball ist nicht gesund. Nie gewesen. Wer heute einmal Spieler aus den Siebziger und Achtziger Jahren nach ihrer Verfassung fragt, wird Geschichten von ausgeleierten Bändern, kaputten Knien und wackligen Menisken hören, von erzwungener Frühinvalidität und versteiften Gelenken.

Und den Profis von heute droht ein ganz ähnliches Schicksal. Zwar wird heute nicht mehr so viel getreten wie früher, dafür ist heute die Belastung ungleich höher. Und die medizinischen Abteilungen im Profifußball haben inzwischen zwar eine hohe Effektivität darin, verletzte Spieler möglichst rasch wieder spielfähig zu machen. Wie die Profis später, wenn sie nicht mehr jeden Tag trainieren, zurecht kommen, steht erst einmal an zweiter Stelle.

Auch wir Zuschauer sind schuld

Das hat natürlich viel mit dem immensen Druck zu tun, der heute auf allen Akteuren im Profifußball lastet. Wenn Spieler tatsächlich, wie heute gerne behauptet wird, Ich-AGs in kurzen Hosen sind, bedeutet jeder Verletzungstag stillstehendes Gewerbe.

Aber natürlich sind auch wir Zuschauer schuld. Weil wir jeden Spieler freudig bejubeln, der bereits nach wenigen Wochen von der Bänderverletzung oder vom Muskelfaserriss genesen wieder auf dem Platz steht, anstatt ihn mit strengem Blick zurück aufs Krankenbett zu schicken.

Um nicht missverstanden zu werden:  Nichts wäre schöner und ermutigender als eine baldige Rückkehr Holger Badstubers in den Spielbetrieb. Möge er schnell gesunden. Aber aufpassen soll er eben auch, auf sich und seine Gesundheit.

 

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