Philipp Köster - Leben mit Sport
Philipp Köster ist Herausgeber und Chefredakteur des Magazins für Fußball-Kultur "11 Freunde" und schreibt Kolumnen für N24 Online.
Philipp Köster, geboren 1972, ist Gründer und Chefredakteur des Fußballmagazins "11 Freunde". Und: Autor zahlreicher Bücher zum Thema "Fußball". Außerdem: 2010 als "Sportjournalist des Jahres" ausgezeichnet. Vor allem aber: Anhänger des Zweitligisten Arminia Bielefeld. 
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Eklat in Leverkusen Roger Schmidt hat eine Grenze überschritten

Leverkusens Coach Roger Schmidt ignoriert die Entscheidung des Schiedsrichters. Damit kündigt er den Grundkonsens jedes Fußballspiels auf. Er muss bestraft werden, um Schlimmeres zu verhindern.

Für ein relativ unspektakuläres Sonntagsspiel wie dem 1:0-Auswärtssieg von Borussia Dortmund bei Bayer Leverkusen herrschte nach dem Schlusspfiff eine bemerkenswert Aufregung. Schuld war die Weigerung des Leverkusener Trainers Roger Schmidt, auf die Tribüne zu gehen. Der Coach hatte sich zuvor derart über das Zustandekommen des Dortmunder Führungstreffers echauffiert, dass Schiedsrichter Felix Zwayer ihn des Platzes verwiesen hatte. Weil Roger Schmidt aber an der Trainerbank verharrte, sah sich Zwayer am Ende gezwungen, das Spiel zu unterbrechen und die Mannschaften für ein paar Minuten in die Kabine zu schicken. Erst dann knickte Schmidt ein.

Hinterher wütete Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler herum und forderte, Zwayer hätte Schmidt seine Entscheidung erklären müssen. Doch auch Völler wird geahnt haben, dass seine Wutrede gegen den Referee auf ziemlich wacklichen Füßen stand.

Sicher, es war ein unglückliches Spiel für den Unparteiischen. Dass er zuließ, dass die Dortmunder einen Freistoß handstreichartig um sechs Meter nach hinten verlegten, war zumindest fragwürdig, dass er später den Leverkusenern einen klaren Handelefmeter verweigerte, noch ärgerlicher. Und es gehört zu den Kompetenzen eines guten Schiedsrichters, aufgebrachte Trainer mit pädagogischen Mitteln zur Räson zu bringen. Aber in der konkreten Situation macht eine einfache Gegenfrage klar, dass es keine Alternative zur vermeintlich drastischen Entscheidung des Unparteiischen gab.

Es gibt ein unumstößliches Gesetz

Denn was hätte Felix Zwayer anders machen können? Hätte er mit Engelszungen auf Schmidt einreden sollen, bis der eingeschnappte Coach sich endlich auf die Tribüne bequemt hätte? Oder hätte er resigniert mit dem Achsel zucken sollen, nach dem Motto "Wenn er nicht will, dann kann ich auch nichts machen"? Nein, es galt in diesem Moment, die Autorität des Schiedsrichters als letzte Instanz, als oberste Gerichtsbarkeit auf dem Platz sicherzustellen. Ohne den unumstößlichen Fakt, dass am Ende immer der Schiedsrichter entscheidet, lässt sich kein Fußballspiel organisieren, das gilt für die Kreisklasse ebenso wie für die Bundesliga.

Es ist erstaunlich, dass ein erfahrener Trainer wie Roger Schmidt diese einfache Regel so missachten konnte, überschwappende Emotionen hin, das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, her. Schmitt musste klar sein, dass es manche Dinge nicht infrage zu stellen gibt. Und da passt dann eben auch die Redewendung von der Vorbildfunktion. Sollen sich in Zukunft auch Spieler weigern dürfen, einem Platzverweis Folge zu leisten? Soll der Schiedsrichter in Zukunft jeden Freistoß und jede Einwurfentscheidung ausführlich erläutern müssen, bevor die Spieler ihn gnädig akzeptieren?

Mehr zum Thema: Schmidts geheuchelte Entschuldigung

Nein, Schmitt hat eine Grenze überschritten, die den Grundkonsens des Spiels in Frage stellt. Das kann nicht ohne Sanktionen bleiben. Schon um den Schiedsrichtern in den Profiligen, aber auch im Amateurbereich das Leben nicht noch schwerer zu machen.

Gerade in der Unterklasse herrscht oftmals ein überaus rauer Ton gegenüber den Unparteiischen, Drohungen und Übergriffe gegen die Referees sind mittlerweile ständiger Begleiter. Fast ein Wunder, dass sich immer noch junge Leute finden, die sich die Schimpfkanonaden und Anfeindungen am Wochenende antun wollen. Damit sie in Zukunft nicht noch mehr den Entgleisungen und Verbalinjurieren der Akteure und Zuschauer ausgesetzt sehen, brauchen sie Akzeptanz. Wenn ein hochbezahlter Coach diese Akzeptanz vermissen lässt, werden es ihm die Trainer in den Amateurligen in vergleichbaren Situationen nachmachen.

Was nun passieren muss, ist klar. Schmidt muss sich, ganz unabhängig von einer zu erwartenden Strafe, glaubhaft und nachdrücklicher entschuldigen und vor allem erkennen lassen, dass er sich künftig besser im Griff haben wird. Und es wäre seinem Chef Rudi Völler anzuraten, dass er auch ein wenig nachdenkt, bevor er sich mit seinem Coach solidarisiert. Ein kleiner Schritt für die Leverkusener wäre das, aber ein großer für ein sportliches Miteinander im Fußball.

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