Lebensmittel und Energie
Rekord-Inflation belastet Verbraucher
Preisauftrieb außer Kontrolle? Eine Erhöhung der Leitzinsen könnte dem massiven Inflationsdruck entgegenwirken. Mit Spannung wird nun die Entscheidung der Europäische Zentralbank erwartet.
Die Inflation hat in Deutschland den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Getrieben vor allem von Heizöl, Diesel und Benzin stiegen die Verbraucherpreise nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Juni um 3,3 Prozent. Die Inflationsrate war damit so hoch wie seit Dezember 1993 nicht mehr, wie das Amt in Wiesbaden am Freitag auf Grundlage von Zahlen aus sechs Bundesländern miteilte. Eine Erhöhung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) scheint damit immer wahrscheinlicher.
Energie und Lebensmittel als Preistreiber
Im Mai hatte der Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat noch 3,0 Prozent betragen, im April 2,4 Prozent. Im Vergleich zum Mai stieg der Gesamtindex im Juni um 0,3 Prozentpunkte. Preistreiber waren nach den Angaben des Bundesamtes erneut Energie und Lebensmittel. Heizöl verteuerte sich im Jahresvergleich je nach Bundesland zwischen 57,3 Prozent und 69,3 Prozent, Kraftstoff um 14,3 Prozent bis 16,4 Prozent. Gegenüber Mai 2008 kostete Heizöl zwischen 3,0 Prozent und 7,2 Prozent mehr, der Spritpreis legte um 1,8 Prozent bis 3,2 Prozent zu. Vor allem Fahrer von Dieselfahrzeugen mussten wieder tiefer in die Tasche greifen: Diesel war zwischen 27,3 Prozent und 32,0 Prozent teurer als vor einem Jahr. Die Preise für Nahrungsmittel lagen um 7,0 Prozent bis 8,8 Prozent höher als im Juni 2007.
Importpreisrekord im Mai
Erst am Donnerstag hatte das Statistische Bundesamt über den höchsten Anstieg der Einfuhrpreise seit fast acht Jahren berichtet. Importe verteuerten sich demnach im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,9 Prozent. Ohne Rohöl und Mineralölprodukte wären die Importpreise nach Angaben der Statistiker nur um 2 Prozent gestiegen.
Die Europäische Zentralbank hat nach Monaten des Abwartens erstmals vor gut zwei Wochen begonnen, die Möglichkeit einer Leitzinsanhebung deutlicher zu signalisieren. Präsident Jean-Claude Trichet erklärte, er wolle im Kampf gegen die Inflation eine Erhöhung um einen kleinen Betrag bei der nächsten Sitzung des EZB-Rates nicht ausschließen. Angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen komme es entscheidend darauf an, den Preisauftrieb unter Kontrolle zu halten, betonte Trichet. Die mit Spannung erwartete Sitzung des Zentralbankrates findet am kommenden Donnerstag statt.
Spannung vor EZB-Sitzung am Donnerstag
EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hatte am Wochenende dem "Spiegel" gesagt, Angesichts der hohen Inflation müsse man ernsthaft die Leitzinsen überprüfen. "Es spricht vieles dafür, dass wir rasch zu einem Ergebnis kommen werden." Den möglichen Zinsschritt begründete Stark damit, "dass es nicht zu einer Lohn-Preis-Spirale nach oben" kommen dürfe.
Der Bundesverband deutscher Banken hat die Signale der EZB bereits begrüßt. Der geschäftsführende Vorstand des Verbandes, Manfred Weber, erklärte, eine moderate Zinserhöhung könne sowohl dem Inflationsdruck als auch den verstärkten Anzeichen für eine konjunkturelle Abschwächung entgegenwirken.
(AP, dpa, N24)
27.06.2008 16:06 Uhr





