Crème de la crème

Lahm, Poldi und Ballack im Allstar-Team

Den Pott konnten Michael Ballack, Lukas Podolski und Philipp Lahm nicht nach Hause bringen. Ein wenig Anerkennung bekommen sie aber doch. Die UEFA berief die drei in das Allstar-Team des Turniers.

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Spielte eine Hammer-EM: Spaniens Mittelfeld-Motor Xavi Hernández.
Das ist Europas Bester! Xavi Hernández wurde von der UEFA zum Spieler der Euro 2008 gekürt.
Doch er ist nicht alleine. Im Allstar-Team sind außer ihm: Italiens Keeper Gianluigi Buffon ...
... ebenso wie Europameister-Torwart Iker Casillas ...
... und Hollands Schlussmann Edwin van der Sar.
In der imaginären Besten-Elf verteidigen: der Portugiese José Bosingwa, ...
... Flügelflitzer Philipp Lahm, ...
... Carlos Marchena aus Spanien, ...
... Portugals Pepe, ...
... der beinharte Katalane Carles Puyol ...
... und Russlands Yuri Zhirkov.
Das Mittelfeld stellen: Bayerns Hamit Altintop, ...
... der Kroate Luka Modric, ...
... Spaniens Marcos Senna, ...
... der Russe Konstantin Zyryanov, ...
... Michael "Capitano" Ballack, ...
... der spanische Mittelfeldkünstler Cesc Fabregas ...
... und Teamkollege Andrés Iniesta.
Für die Tore sind zuständig: Deutschlands Angreifer Lukas Podolski, ...
... der Holländer Wesley Sneijder, ...
... das russische Wunderkind Andrei Arshavin, ...
... Sturmpartner Roman Pavlyuchenko ...
... und Spaniens Traumduo Fernando Torres ...
... und David Villa.
Das müssen auch Deutschlandfans neidlos anerkennen: Spanien ist Europameister. Verdient - wegen des modernen Offensivfußballs, den die Iberer über drei Wochen hinweg pflegten ...
... und wegen ihrer bärenstarken Offensivabteilung. Torschützenkönig David Villa (vier Tore, im Bild) und seine Stürmerkollegen Fernando Torres und Daniel Güiza (je zwei Tore) steuerten acht von elf im Spiel erzielten Treffern bei.
Die Spanien auch top wegen ihrer kleinen Dribbler im Mittelfeld, die nicht nur die deutsche Elf schwindelig spielten. "Tiqui taca" nennen die Spanier ihr filigranes Kurzpassspiel. Hier veräppelt Xavi Konstantin Zyryanov im Halbfinale gegen Russland.
Aber auch andere Fußballnationen begeisterten. Die Türken etwa - weil sie den mit Abstand leidenschaftlichsten Trainer hatten ...
... und mit Last-Minute-Toren - hier feiert Semih eines von ihnen im Viertelfinale gegen Kroatien - bis ins Halbfinale vorstießen. Hut ab!
Hut ab auch vor den türkischen Fans. Als die Türkei im Halbfinale von Deutschland gestoppt wurde, ...
... feierten die in Deutschland lebenden Türken einfach mit. Ganz, ganz groß!
Bei aller Kritik: Großartiges hatte auch die deutsche Elf zu bieten. Etwa diesen jungen Mann, Bastian Schweinsteiger (beim Feiern nach dem Finaleinzug), ...
... der mit seiner roten Karte im Vorrundenspiel gegen Kroatien zunächst der Sündenbock war.
Doch er machte alles wieder gut. Mit einem Tor und zwei Vorlagen war er einer der Schlüsselspieler beim Sieg gegen Portugal, den wenige für möglich gehalten hatten.
Eine Renaissance feierte diese Verbindung: Poldi & Schweini sind zurück!
Und auch das war wieder da: Schwarz-rot-geile Stimmung bei jedem Spiel. Zum Finale kamen alleine auf die Fan-Meile in Berlin 600.000 Menschen. Fast wie 2006!
Immer wieder Thema während der EM: Die Kanzlerin. Treuer Fan, ...
... mütterliche Freundin ...
... und Trösterin der Nation.
Doch blicken wir noch einmal über den deutschen Tellerrand. Sportlich zwar schwach, bestachen die Gastgeberländer Österreich und Schweiz durch ihre Gastfreundschaft.
Und was waren das für Spiele: Tore en masse, wenig Langeweile. Ein Fest des Offensivfußballs! Schuld daran unter anderen die Holländer, ausgeschieden im Viertelfinale gegen ...
... Russland - auch so ein Angriffsteam.
Überhaupt die Russen: Was Trainer-Import Guus Hiddink aus der jungen Mannschaft gemacht hat, ist aller Ehren wert.
Dass dieses US-Duo zu einem Sieger der EM werden würden, hatte zuvor wohl niemand gedacht. "The White Stripes" lieferten mit ihrem fünf Jahre alten Song "Seven Nation Army" DEN Soundtrack zur Euro 2008.
In diesem Sinne: "Baa-babababa-baaa-ba". Nach der EM ist vor der WM. Vielleicht klappt's dann ja auch mit dem Titel.
Vieles war schön bei der EM. Manches aber war weniger erfreulich. Nicht nur, dass ein Sieg immer auch einen Verlierer mit sich bringt, ist unangenehm.
Auch die UEFA zeigte sich als unangenehme Institution. Nachdem Mario Enrique Gonzales - auch so ein Reinfall - als vierter Unparteiischer Jogi Löw und Josef Hickersberger auf die Tribüne geschickt hatte, sperrte der Verband Jogi für ein Spiel.
Sein Fehlverhalten habe darin bestanden, dass er "in Richtung seines österreichischen Kollegen beziehungsweise des Vierten Kollegen schrie." Bitte, Herren bei der UEFA! Das kann im Eifer des Gefechts doch Mal passieren!
Wie dem auch sei... Den Viertelfinalkrimi gegen Portugal verfolgte Jogi Löw aus der berühmt gewordenen Glasbox - mit Kippe und Chefscout Urs Siegenthaler.
Doch es war nicht nur Löws Sperre, die manchen Deutschland-Fan enttäuschte. Lamentabel auch die Leistung von Mario Gomez.
Vor der EM als einer der gefährlichsten Angreifer geprießen, versagten ihm vor dem Tor regelmäßig die Nerven. Ab dem Viertelfinale verzichtete die deutsche Elf folgerichtig auf ihn.
Und noch so ein Stürmer-Flop: "Luca Ladehemmungen". In der Bundesliga war er Torschützenkönig, die EM beendete der Italiener ohne Treffer.
Und was ist mit ihm? Schön finden ihn die Damen. Aber so richtig stach Cristiano Ronaldo nicht. Ein Tor ist für einen Großverdiener wie ihn zu wenig.
Mon dieu, was war denn das? Frankreich, bestückt mit Spielern wie Franck Ribery und Thierry Henry (im Bild), schied nach der Vorrunde sang- und klanglos aus. Ein mickriges Törchen gelang den Franzosen.
Und die Griechen! Immerhin als Titelverteidiger angereist, mochte man als Zuschauer Rehhagels Oldie-Truppe gerne Krücken zuwerfen. Taktik aus der Antike, Spieler "im besten Alter", kein Punkt - raus. Das Denkmal Rehakles hat Kratzer.
Nach der Vorrunde sagten alle: Holland macht es! Von wegen! Im Viertelfinale war Schluss.
Genauso für "Geheimfavorit" Portugal...
... und Weltmeister Italien.
"I werr narrisch." In den Tagen vor dem Spiel gegen Österreich mochte man jedem an die Gurgel gehen, der einen mit diesem Spruch belästigte. Alles nur Gebläse. Deutschland gewann, Österreich war raus, Cordoba ist wieder nur Randnotiz der Sporthistorie.
Jaja, dieser Herr ist von der Konkurrenz. Er muss hier dennoch auftauchen. Denn dass es die EM-Veranstalter nicht fertigbrachten, das TV-Bild während des Halbfinals gegen die Türkei aufrechtzuerhalten, muss einfach in die Flop-Liste der EM.
Schuld an dem Debakel war ein Unwetter über Wien, wo das internationale Sendezentrum stand.
Das Wetter war auch an so mancher Wasserschlacht schuld. Tagelang regnete ...
... und regnete es. Das war kein Alpen-Sommermärchen!
Aber wer ärgert sich schon über das Wetter. Dass Jogis Jungs nach dem Finale gegen Spanien nur am Pokal vorbeidefilieren durften - das war noch immer der größte Flop der EM.

Trostpflaster für Michael Ballack, Lukas Podolski und Philipp Lahm: Das DFB-Trio ist von der Technik-Kommission der UEFA in das Allstar-Team der Fußball-Europameisterschaft gewählt worden. Zum "Spieler des Turniers" kürte das neunköpfige Experten-Gremium um den deutschen Holger Osieck Spaniens Mittelfeldmann Xavi Hernández. Das gab die Europäische Fußball-Union (UEFA) einen Tag nach dem Endspiel bekannt.

Ballack hat das schönste Freistoß-Tor geschossen

Europameister Spanien stellt mit neun Akteuren die meisten Spieler in der 23 Profis umfassenden EM-Auswahl. Halbfinalist Russland hat mit vier Spielern, inklusive Shootingstar Andrei Arshavin, noch einen Akteur mehr im Allstar-Team als der EM-Zweite Deutschland. Als weiterer Bundesliga-Profi wurde der Türke Hamit Altintop vom FC Bayern München in das Starteam berufen.

"Michael Ballack war maßgeblich am deutschen Endspiel-Einzug beteiligt, obwohl er nicht topfit war. Und er hat das schönste Freistoßtor der EM geschossen", begründete Kommissions-Chef Andy Roxburgh die Berufung Ballacks in die Star-Auswahl. Auch Podolski wurde von dem Schotten ausdrücklich gelobt. "Er war immer eine Bedrohung für den Gegner und hat drei Tore erzielt."

Qual der Wahl aus Spaniens Kader

Etwas überraschend mutete am Tag nach dem entscheidenden Fehler im Endspiel die Berücksichtigung Lahms an. Der Bayern-Profi schaffte aber durch seine Offensivqualitäten und sein Halbfinal-Tor gegen die Türkei den Sprung ins Team der Besten.

Xavi wurde von Roxburgh als Symbolfigur des spanischen EM-Erfolgs gepriesen. "Er bestimmt das Spiel mit seinen Pässen, seiner Ballbehandlung." Der 28-Jährige drückte auch dem Finale gegen Deutschland seinen Stempel auf. Gemeinsam mit dem Mittelfeldmann vom FC Barcelona stehen noch die Europameister Iker Casillas, Carlos Marchena, Carles Puyol, Marcos Senna, Cesc Fabregas, Andrés Iniesta, Fernando Torres und David Villa im Allstar-Team. "Wir hätten von dieser Mannschaft 13 oder 14 Spieler berufen können", lobte Roxburgh den EM-Champion als das Nonplusultra des modernen Fußballs.

EM-Flops Ribéry und Toni nicht im Allstar-Team

Franck Ribéry und Luca Toni fehlen nach ihren EM-Enttäuschungen in der Besten-Liste - auch Cristiano Ronaldo verfehlte die Star-Auswahl. "Zu Beginn des Turniers, war er eine Bedrohung für die Gegner, doch er war nicht lange genug im Turnier", sagte Roxburgh.

Vorschusslorbeeren waren für die UEFA-Experten ohnehin unerheblich. "Reputation und berühmte Namen spielen keine Rolle, es geht nur um die Leistung bei diesem Turnier", sagte Roxburgh, der das offensive EM-Niveau hervorhob. Im September wird die UEFA-Kommission ihre EM-Eindrücke bei einem Seminar allen Nationaltrainern mitteilen.

Mannschaft ("Kader") der EURO 2008 (alphabetischische Reihenfolge):

Torhüter: Gianluigi Buffon (Italien), Iker Casillas (Spanien), Edwin van der Sar (Niederlande);

Abwehrspieler: Jose Bosingwa (Portugal), Philipp Lahm (Deutschland), Carlos Marchena (Spanien), Pepe (Portugal), Carles Puyol (Spanien), Jurij Schirkow (Russland);

Mittelfeldspieler: Hamit Altintop (Türkei), Luka Modric (Kroatien), Marcos Senna (Spanien), Xavi (Spanien), Konstantin Syrjanow (Russland);

Mittelfeldspieler offensiv: Michael Ballack (Deutschland), Cesc Fabregas (Spanien), Andres Iniesta (Spanien), Lukas Podolski (Deutschland), Wesley Sneijder (Niederlande);

Angreifer: Andrej Arschawin, Roman Pawljutschenko (beide Russland), Fernando Torres, David Villa (beide Spanien).

(dpa, sid, N24)

30.06.2008 14:47 Uhr

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