Radsport-Klarheiten
Landis blitzt ab - Olympia ohne Klöden
Während Floyd Landis mit dem Einspruch gegen die Aberkennung seines Tour-Sieges scheitert, ordnet Andreas Klöden sein übersichtliches Sommerprogramm: Die Tour und Olympia finden ohne ihn statt.
Floyd Landis muss seinen Gesamtsieg bei der Tour de France 2006 definitiv abschreiben. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne wies die Beschwerde des amerikanischen Radprofis gegen seine Dopingsperre zurück. Zudem muss der 32-Jährige 100 000 Dollar (63 450 Euro) Verfahrenskosten an die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA zahlen, teilte der CAS am Montag mit.
Mit der Entscheidung ging ein monatelanger Justizmarathon zu Ende. Landis kann nun nicht weiter gegen die Aberkennung seines Tour- Erfolgs 2006 und seine Sperre, die noch sieben Monate andauert, Beschwerde vor einer Sportgerichtsbarkeit einreichen. Anstelle des früheren Edel-Helfers von Tour-Rekordsieger Lance Armstrong wird weiter der zuvor zweitplatzierte Spanier Oscar Pereiro als 2006er- Sieger in den Listen der Tour de France geführt.
Landis wollte Urteil nicht hinnehmen
Landis war auf der 17. Etappe der Tour 2006 des Testosteron-Dopings überführt und am 20. September vergangenen Jahres von einem US-Schiedsgericht mit 2:1 Stimmen schuldig gesprochen worden.
Dadurch verlor er seinen Gesamtsieg bei der Frankreich-Rundfahrt und wurde bis 30. Januar 2009 gesperrt. Der Radsport-Weltverband UCI ernannte daraufhin Pereiro zum Gesamtsieger der Tour 2006. Ende November 2007 entschied sich Landis dazu, das Urteil anzufechten, obwohl ihn die erste Anhörung bereits rund zwei Millionen Dollar gekostet hatte.
Mitte März wurden im Zuge des Verfahrens 14 Zeugen von den CAS-Richtern in New York gehört, zudem lagen zehn schriftliche Aussagen vor. Es dauerte aber weitere drei Monate, bis der Fall Landis jetzt endgültig zu den Akten gelegt wurde.
Klöden mit SMS abgespeist
Unterdessen bereitet sich ein deutscher Radprofi auf einen düsteren Sommer vor: Nach dem Ausschluss seines Astana-Teams von der Tour de France musste Andreas Klöden nun einen weiteren Nackenschlag einstecken. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) ließ den 33-Jährigen bei seiner Olympia-Nominierung links liegen - sehr zum Unverständnis des Wahl-Schweizers. "Das ist nach dem Tour-Aus meiner Mannschaft bereits die zweite große Enttäuschung in dieser Saison", teilte Klöden am Montag auf seiner Internetseite mit. Dem BDR warf er schlechten Stil vor. Er sei "lediglich mit einer kurzen SMS 'Du bist nicht dabei' abgespeist" worden, schrieb Klöden: "Meine Nachfrage nach einer Begründung blieb bisher unbeantwortet."
Klöden betonte, "dass unter anderem durch meine Leistungen überhaupt erst fünf Startplätze für Deutschland zustande kamen". Daher finde er schade, "dass ich als einer der besten deutschen Radrennfahrer nicht die Chance bekomme, für mein Land um eine Medaille zu kämpfen".
Kein Mann für einen Tag
Statt des Bronzemedaillengewinners von 2000 sollen der deutsche Meister Fabian Wegmann, Bert Grabsch, Stefan Schumacher, Gerald Ciolek und Jens Voigt in Fernost um Podestplätze fahren. "Wir gehen davon aus, dass wir mit diesen fünf Fahrern Erfolg bei den Olympischen Spielen haben werden", sagte BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer.
Dass Klödens Peking-Traum jäh zerplatzte, habe auch daran gelegen, dass das BDR-Präsidium den diesjährigen Gewinner der Tour de Romandie als Rundfahrtspezialisten einstufte. "Seine Ergebnisse bei großen Eintagesrennen sind nicht so überzeugend. Er ist mehr auf Etappenrennen ausgerichtet", meinte Bremer. Auch seine Zeitfahr-Qualitäten habe Klöden zumeist nur bei großen Rundfahrten gezeigt. "Zum Beispiel bei der WM vor zwei Jahren in Salzburg hat er nicht überzeugt", sagte Bremer in Anspielung auf Klödens 27. Platz.
Ohne Klöden auf der sicheren Seite
Mit der Nicht-Nominierung des zweimaligen Tour-Zweiten bewahrte sich der BDR wohl auch vor drohenden Diskussionen. Denn die Untersuchungs-Kommission der Uni-Freiburg, die Unregelmäßigkeiten in der sportmedizinischen Abteilung zu T-Mobile-Zeiten untersucht, hatte Klöden eine mysteriöse Medikamenten-Lieferung nachgewiesen.
Zudem dürfte sich Klöden Ende Mai mit einem Interview in der "Gazzetta dello Sport" wenig Freunde im BDR gemacht haben. In einem verbalen Rundumschlag hatte er sich über die "radsportfeindliche Stimmung" in seinem Heimatland beschwert. Zugleich soll er seinen Olympia-Start für Deutschland ausgeschlossen haben, was er wenige Stunden später dementieren ließ. Genützt hat ihm dies letztendlich aber wenig.
(dpa, N24)
30.06.2008 17:44 Uhr







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