Radikaler Kahlschlag

Siemens streicht tausende Jobs

Siemens nennt endlich genaue Zahlen: Der Konzern streicht weltweit 16.750 Jobs, davon bundesweit 5.250. Mitarbeiter der deutschen Standorte und Politiker sind empört, da die Auftragsbücher voll sind.

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Video: Stellenabbau bei Siemens - Gewerkschaft droht mit Arbeitskampf
Video: "Nicht akzeptabel" - IG Metall droht Siemens mit Widerstand
Der Elektrokonzern Siemens hat offiziell bekannt gegeben, dass er weltweit 16.750 und deutschlandweit 5.250 Stellen abbaut.

In verwaltungsnahen Funktionen würden weltweit 12.600 Arbeitsplätze abgebaut, davon in Deutschland rund 3.500. Das teilte Siemens mit. In der Industriesparte sollen in Deutschland 1.350 Stellen wegfallen, im Energiebereich 650 und im Gesundheitsbereich 350. Außerdem sollen im IT-Bereich Siemens Solutions and Services (SIS) 300 Stellen wegfallen.

"Die Geschwindigkeit mit der sich das Geschäft weltweit verändert, hat erheblich zugenommen. Wir stellen Siemens darauf ein", begründete Konzernchef Peter Löscher die Pläne. "Auch vor dem Hintergrund einer sich eintrübenden Konjunktur müssen wir effizienter werden", fügte er hinzu.

Der massive Stellenabbau soll nach Worten von Personalvorstand Siegfried Russwurm "so sozialverträglich wie möglich" erfolgen. Dazu wolle die Unternehmensführung nun rasch mit den Arbeitnehmervertretern Verhandlungen aufnehmen, sagte Russwurm. Betriebsbedingte Kündigungen schloss er aber nicht völlig aus.

Diese könnten aber nur "das allerletzte Mittel sein", erklärte Russwurm. Man werde "das gesamte uns zur Verfügung stehende Instrumentarium wie beispielsweise Transfergesellschaften oder auch Altersteilzeitregelungen durchsprechen".

Über eine Milliarde einsparen

Bis 2010 sollen unter anderem durch den Personalabbau Kosten in Höhe von 1,2 Milliarden Euro eingespart werden. Weitere Punkte für diesen Sparplan seien Einsparungen bei der IT-Infrastruktur und bei Beraterverträgen. Damit nannte Siemens erstmals genaue Zahlen zum geplanten Stellenabbau. In Medienberichten war seit Wochen von einem weltweiten Abbau von rund 17.000 Stellen die Rede gewesen, davon 6.400 in Deutschland.

Frust wegen voller Auftragbücher

Mit Empörung und Unverständnis haben Arbeitnehmervertreter und Kommunalpolitiker am Dienstag an den großen Siemens-Standorten in Erlangen und Nürnberg auf den angekündigten Stellenabbau reagiert. "Das ist inakzeptabel für ein Unternehmen mit Milliardenergebnissen und überfüllten Auftragsbüchern", sagte der Erlanger IG-Metall-Chef Wolfgang Niclas. Erlangens Wirtschaftsreferent Konrad Beugel (CSU) äußerte sich ebenfalls besorgt.

Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Sektors Medizintechnik in Erlangen, Christa Gerdes, sprach von großer Verunsicherung unter den Beschäftigten. Die Sparte habe volle Auftragsbücher und erreiche die Ergebnisziele. "Wir können es nicht verstehen", sagte Gerdes. Der Nürnberger IG Metall-Sekretär Rudi Lutz sagte: "Es herrscht sehr viel Frust." Siemens beschäftigt in Erlangen mehr als 22.000 Menschen, in Nürnberg mehr als 9.000.

(AFP, dpa, N24)

08.07.2008 13:24 Uhr

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