Nuklearer "Wunderglaube"

Experten sehen in Atomkraft keine Lösung

Die Ergebnisse des G-8-Gipfels in Japan werden von Experten unterschiedlich bewertet. Einig sind sie sich aber darin, dass die Atomkraft keine dauerhafte Lösung des Klima-Problems darstellt.

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Das Kernkraftwerk Grohnde an der Weser in der Gemeinde Emmerthal (Landkreis Hameln-Pyrmont): Experten bezweifeln, dass Atomkraftwerke die Lösung für das Klima-Problem sind.
Video: N24 Klartext - Ende der Atom-Euphorie?

Die Beschlüsse des G-8 Gipfels von Toyako sind laut Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber ein "großer Schritt nach vorn". Das Ziel, den CO-2-Ausstoß weltweit bis zum Jahr 2050 zu halbieren, gehe weit über die Festlegungen des letztjährigen Gipfels von Heiligendamm hinaus, sagte Schellnhuber der "Frankfurter Rundschau". Völkerrechtlich für alle verbindliche Regelungen zum Klimaschutz könnten aber nur im UN-Rahmen beschlossen werden: "Die Acht haben zwar nicht das Maximum erreicht, aber immerhin getan, was in ihrem beschränkten Rahmen möglich war."

Der Leiter des Potsdamer Klimaforschungsinstituts, der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel berät, bemängelte allerdings, dass es auf der Konferenz weder gelungen sei, für das Halbierungsziel das Basisjahr 1990 festzuschreiben, noch sich Zwischenziele zu setzen. Für die EU verstärke sich jetzt die Notwendigkeit, sich bereits für das Jahr 2020 "ehrgeizige" Reduktionsverpflichtungen aufzuerlegen.

Atomkraft keine Lösung

Als "eine Art Wunderglaube" bezeichnete er Erwartungen, die jetzt auch in Deutschland in eine Renaissance der Kernkraft gesetzt würden: "Selbst der massenhafte Ausbau der Kernenergie würde nicht ausreichen, das weltweite Klimaproblem zu lösen", sagte er. Allenfalls könne für besonders sichere Meiler eine Laufzeitverlängerung ins Auge gefasst werden. Damit verbundene Gewinne sollten aber einem Klimafonds zugutekommen, mit dem Investitionen in erneuerbare Energien vorangetrieben werden sollten. "Für einen Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland sehe ich weder eine Notwendigkeit noch eine Berechtigung", sagte Schellnhuber.

Töpfer von Ergebnissen enttäuscht

Klaus Töpfer sieht die Ergebnisse des G-8-Gipfels in einem anderen Licht. Der frühere Direktor des UN-Umweltprogramms hat das Abkommen zum Klimaschutz kritisiert. "Für den Klimaschutz hat sich in Toyako nicht viel getan", sagte der CDU-Politiker der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Mehr als ein zartes Bekenntnis zum Klimaschutz sei das nicht. Nötig seien wesentlich schnellere Weichenstellungen als jetzt beim G8-Gipfel vorgezeichnet.

Von der UN-Klimaschutzkonferenz im nächsten Jahr in Kopenhagen erwarte er ein Abkommen mit konkreten Minderungszielen bis 2050 samt verbindlicher Zwischenziele und Überprüfungsmechanismen. Um Schwellenländer wie Indien und China auf konkrete Klimaziele zu verpflichten, benötigten diese Länder konkrete Hilfen. Dafür seien Vereinbarungen zur technologischen Zusammenarbeit notwendig. Langfristig müssten gleiche Emissionsrechte für jedes Land das Ziel sein, abhängig von der jeweiligen Bevölkerungszahl.

Auch Töpfer erteilte der Atomenergie eine deutliche Absage. "Für das Klimaproblem wird die Kernenergie ohne jeden Zweifel nicht die Lösung sein", sagte er. Höchstens für eine Übergangszeit könne die Kernenergie als ergänzende Option eine Rolle spielen. "Um überhaupt etwas für den Klimaschutz zu erreichen, müssten weltweit schon Tausende Kernkraftwerke zusätzlich gebaut werden. Das ist nicht realistisch und würde die Gefahr vergrößern, dass nukleares Material in die falschen Hände gerät."

(AP, N24)

10.07.2008 09:43 Uhr

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