Mit einer Kundgebung gegen Rechtsradikalismus haben mehrere hundert Demonstranten am Sonntag im nordhessischen Treysa auf einen Überfall auf ein Zeltlager linker Jugendlicher reagiert.
Die nachmittägliche Kundgebung mit anschließender Demonstration in dem Ort verlief friedlich. Vor rund einer Woche hatten vier junge Männer am Neuenhainer See südlich von Kassel die Gruppe überfallen. Ein 19-Jähriger war in ein Zelt eingedrungen, hatte mit einem Klappspaten auf eine schlafende 13-Jährige eingeschlagen und sie lebensgefährlich verletzt. Die Täter wurden gefasst. Der 19-Jährige bekannte sich laut Staatsanwaltschaft zu einer rechtsradikalen Gesinnung. Die Staatsanwaltschaft erwägt auch eine Anklage wegen versuchten Mordes gegen den jungen Mann.
Unterdessen haben rechtsextreme Gesinnungsfreunde in Passau nach der Beisetzung eines Rechtsextremisten eine Ausländerin und einen Journalisten angegriffen und sich Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Zwei der Männer beleidigten die Mongolin nach Polizeiangaben am Samstag in der Innenstadt mit ausländerfeindlichen Parolen und schlugen ihr ins Gesicht. Zuvor hatten mehrere Neonazis am Friedhof bereits versucht, dem 35-jährigen Reporter seine Kamera zu entreißen, hatten ihn niedergeschlagen und getreten. Auch eine 18-jährige Beobachterin wurde angegriffen.
Insgesamt wurden wegen der Übergriffe und des Krawalls sieben Rechtsextremisten vorläufig festgenommen. Vier weitere waren bereits vor der Beisetzung festgenommen worden, weil sie mit Baseballschlägern und Sturmhauben angereist waren. Sie alle kamen bis Sonntag wieder auf freien Fuß.
An der Beisetzung des letzten Vorsitzenden der 1995 verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei, Friedhelm Busse, hatten den Polizeiangaben zufolge rund 90 Rechtsextremisten teilgenommen. Der angegriffene Reporter erlitt Prellungen am Rücken und im Gesicht. Er arbeitet für das «Netz gegen Nazis», ein Internetportal des Verlags der Wochenzeitung «Die Zeit».
Die Polizei nahm drei der Angreifer auf den Reporter vorläufig fest. Deren Abtransport versuchten den Polizeiangaben zufolge mehrere Neonazis durch eine Sitzblockade zu verhindern. Dabei kam es zu tätlichen Auseinandersetzungen. Die Polizei wertete das als versuchte Gefangenenbefreiung und nahm drei Personen fest. Auch nach dem späteren Angriff auf die Ausländerin konnten die beiden mutmaßlichen Täter schnell festgenommen werden.
Außerdem wurde ein Neonazi nach dem Verlassen des Friedhofs festgenommen, weil er während seiner Grabrede eine unter der Jacke mitgeführte Hakenkreuzfahne auf den Sarg warf. Gegen ihn werde ein Strafverfahren wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole eingeleitet. Laut «Netz gegen Nazis» handelt es sich um den NPD- Aktivisten Thomas Wulff.
(DPA)
27.07.2008 17:56 Uhr







