Lufthansa-Streik

Bereits jeder zehnte Flug gestrichen

Die Folgen des Lufthansa-Ausstands werden am dritten Streiktag an deutschen Flughäfen immer deutlicher. Inzwischen muss bereits jeder zehnte Deutschland- und Europa-Flug ausfallen.

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Mehr als 1200 Streikende der Lufthansa TechnikWerft fordern am Mittwoch auf dem Flughafen in Hamburg höhere Gehälter.
Video: Lufthansa-Streik - Erste Ausfälle auf der Langstrecke

Die Streiks bei der Lufthansa zeigen immer mehr Wirkung: Für die nächsten fünf Tage würden zehn Prozent aller Deutschland- und Europaflüge gestrichen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt mit. Für die Interkontinentalflüge solle in Kürze ebenfalls ein Sonderflugplan vorgelegt werden. "Damit finden rund 90 Prozent aller Lufthansa-Kontinentalflüge statt", hieß es in einer Mitteilung.

Bislang hatte die Lufthansa am Mittwoch bereits 70 Kurzstreckenflüge und 12 Flüge auf Langstrecken gestrichen. Damit waren laut Unternehmen insgesamt gut vier Prozent aller geplanten Flüge ausgefallen. Der Sonderflugplan diene dazu, den Passagieren Planungssicherheit zu geben. "Durch diese Vorsorgermaßnahme stabilisiert Lufthansa zusätzlich den Flugplan", hieß es. Der Sonderflugplan ist im Internet abrufbar. Zudem gibt es Auskünfte unter der Telefonnummer 0800 - 850 60 70.

Ver.di plant weitere Ausweitung

Am dritten Tag des Arbeitskampfes der Gewerkschaft ver.di musste das Unternehmen erstmals auch Flüge auf der Langstrecke streichen. Sechs Maschinen nach Amerika, Indien und Dubai konnten am Mittwoch in Frankfurt und München nicht abheben, auch die Rückflüge mussten gestrichen werden. Zudem wurden wie am Vortag rund 70 Kurzstreckenflüge aus dem Flugplan genommen, wie das Unternehmen mitteilte. Die Fluggesellschaft versuchte, die betroffenen Passagiere auf andere Maschinen oder die Bahn umzubuchen.

Bei einer Kundgebung vor der Lufthansa-Zentrale in Frankfurt erklärte ver.di-Verhandlungsführer Erhard Ott, eine Rückkehr an den Verhandlungstisch könne es nur bei einem verbesserten Angebot geben. Nach Angaben von ver.di soll der Streik am Donnerstag fortgesetzt werden. Besondere weitere Aktionen seien nicht notwendig, weil die Auswirkungen des Streiks sich von Tag zu Tag steigerten, hieß es in Frankfurt.

Für Berlin kündigte ver.di dagegen eine Ausweitung des Arbeitskampfes an. Die Gewerkschaft bestreikt unter anderem die Wartung von Flugzeugen, so dass die Lufthansa Maschinen außer Betrieb stellen musste. An den ersten beiden Tagen des Streiks beteiligten sich laut ver.di jeweils rund 5000 Mitarbeiter.

Wartung ins Ausland verlegt

Die Gewerkschaft verlangt für rund 50 000 Lufthansa-Beschäftigte am Boden und in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld. Lufthansa hatte zuletzt gestaffelt 6,7 Prozent bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung angeboten. ver.di will auch für die Mitarbeiter in der Kabine verhandeln, hat dort aber deutlich weniger Mitglieder als die konkurrierende Unabhängige Flugbegleiter Organisation UFO.

Diese Spezialgewerkschaft hat bereits angekündigt, im kommenden Jahr eine Tariferhöhung um 15 Prozent durchsetzen zu wollen. Sie beteiligt sich nicht am derzeitigen Arbeitskampf. Es sei "sehr wahrscheinlich", dass ein Arbeitskampf nötig sei, sagte der Leiter Tarifpolitik und Recht bei UFO, Joachim Müller, der "Frankfurter Rundschau" (Mittwoch). "Wir sind darauf vorbereitet." Die 1992 gegründete Organisation hat noch nie einen Ausstand organisiert. Dies habe auch Vorteile, sagte Müller: "Die Kassen sind voll". UFO sei straff organisiert und vertrete "Funktionseliten": Ohne Flugbegleiter könne keine Maschine starten.

Fluggäste weitgehend umgebucht

Wegen des Streiks hat die Lufthansa nach einem Bericht der "Bild"- Zeitung (Mittwoch) die Wartung ihrer Flugzeugflotte zu Teilen ins Ausland verlegt. Der Flugplan werde in vielen Fällen so abgestimmt, dass zur Wartung anstehende Lufthansa-Maschinen bestimmte Flugrouten ins Ausland übernähmen, um anschließend vor Ort gewartet zu werden.

Bei der Vorlage von Quartalszahlen verteidigte Lufthansa- Finanzchef Stephan Gemkow das Angebot an ver.di. "Wir sind ganz klar an der Schmerzgrenze." Frühere Rekordgewinne seien angesichts weiter gestiegener Ölpreise und der Abschwächung der Wirtschaftslage kein Argument.

Bei den gestrichenen Langstreckenflügen handelte es sich nach Angaben der Lufthansa um Strecken, die mehrfach am Tag von der Lufthansa oder ihren Partnern in der Star Alliance geflogen werden. Daher könne man die Fluggäste auf andere Maschinen umbuchen. Die Gesamtzahl von 82 gestrichenen Flügen entspreche gut vier Prozent des geplanten Angebots. Die Kurzstreckenflüge fielen aus, weil neun Kurzstreckenmaschinen wegen des Streiks von Technikern nicht gewartet werden konnten. Eine Zahl der nicht gewarteten Langstreckenflieger konnte das Unternehmen zunächst nicht nennen.

(AFP, dpa, N24)

30.07.2008 18:17 Uhr

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