Streubomben eingesetzt?

Schwere Vorwürfe gegen Russland

Nach Informationen von Human Rights Watch wurden im Kaukasus-Konflikt durch Russland Streubomben eingesetzt. Mindestens elf Menschen sind durch die weltweit geächtete Waffe ums Leben gekommen.

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Streubomben zählen zu den gefährlichsten Waffenarten der Welt, weil sie eine Vielzahl kleinerer Bomben enthalten.
Eine Streubombe (engl. cluster) besteht aus einem Behälte, der zwischen drei und über 2000 so genannter Bomblets oder Submunitionen enthält und diese bei der Aktivierung freisetzt.
Das gefährliche an einer Streubombe ist ihr Inhalt, die Bomblets. Sie können als Explosions-, Brand-oder Splitterbomben daherkommen, die in großen Mengen aus der Luft abgeworfen werden und sich über weite Flächen verteilen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Sprengbombe zum ersten Mal von deutscher Seite eingesetzt. In der Zeit des kalten Krieges wurde die Technologie durch die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion weiterentwickelt.
In großen Mengen wurden Streubomben in den Kriegen in Korea, Vietnam, Afghanistan, sowie im Kosovo und im Libanon eingesetzt.
Die Bomblets einer Streubombe detonieren nach dem Aufschlag nicht alle und hinterlassen eine Vielzahl von Blindgängern. Diese sorgen noch lange nach dem Ende eines Konfliktes für Tote und Verletzte.
Etwa 100.000 Opfer hat Streumunition bis heute gefordert: 98 Prozent der registrierten Opfer stammen aus der Zivilbevölkerung, 27 Prozent davon sind Kinder.
Darüber, wie viele Menschen insgesamt Streumunitionen zum Opfer gefallen sind, gibt es nur Schätzungen. Zwischen 1965 und 2006 liegt die Zahl der Opfer von Streumunition bei 55.000.
In Afghanistan wurden während des Kriegs 2001/02 sieben der zehn am dichtesten besiedelten Gebiete mit Streumunition bombardiert.
In Kriegsgebieten in denen Streubomben eingesetzt wurden suchen bis heute, wie hier im Libanon, UN-Soldaten nach den Blindgängern.
Aber auch die UN-Soldaten sind nicht vor der gefährlichen Wirkweise der Blindgänger geschützt. Da der Explosionsteppich mehrere Hektar abdecken kann, sind sie bei der Suche ständigen Gefahren ausgesetzt.
Im März 2007 wird ein belgischer UN-Soldat durch den Blindgänger einer Streubombe getötet. Er ist nur eines von vielen Opfern, die bei ihrem Einsatz in der Friedenstruppe durch Bomblets ums Leben kommen.
Die Perversion geht weiter. Neuentwickelte Streumunition, wie sie in von der US Air Force eingesetzten wird, sollen über Selbstzerstörungsmechanismen verfügen, die die Gefährdung der Zivilbevölkerung durch nicht detonierte Bomblets reduzieren.
Der Anwendung dieser Waffen stellen sich viele Menschenrechtsorganisationen entschieden entgegen. In der Cluster Munition Coalition (CMC) haben sich über 150 Organisationen weltweit gegen den Einsatz von Streumunition zusammengeschlossen.

Im Kaukasus-Konflikt mit Georgien hat Russland nach Informationen von Human Rights Watch (HRW) Streubomben eingesetzt. Wie die Menschenrechtsorganisation mitteilte, sollen Bomben des Typs RBK-250 am 12. August auf die georgische Stadt Gori und deren Umland abgeworfen worden sein. Zu diesem Schluss sei HRW durch Interviews mit Opfern, Medizinern und der georgischen Armee gekommen.

Videos und Fotos als Beweis

Hinweise lieferten demnach auch Videos, die während des Abwurfs der Bomben gedreht wurden, sowie Fotos von den Einschlägen. Das russische Verteidigungsministerium bezog zu den Vorwürfen zunächst nicht Stellung. Laut HRW wurden durch die Bomben mindestens elf Menschen getötet und zahlreiche andere verletzt. In dem Ort Ruisi in der Nähe von Gori kamen demnach drei Menschen ums Leben, in Gori selbst seien mindestens acht Menschen durch Streubomben getötet worden, darunter auch ein niederländischer Journalist.

Gefährlichste Waffen der Welt

Gori liegt unweit der abtrünnigen georgischen Provinz Südossetien. Streubomben zählen zu den gefährlichsten Waffenarten der Welt, weil sie eine Vielzahl kleinerer Bomben enthalten. Viele dieser Mini-Bomben gehen beim Aufprall auf dem Erdboden nicht sofort hoch, sondern liegen jahrelang als unentdeckte Gefahr im Gelände. Russland zählt nicht zu den Ländern, die Ende Mai in Dublin ein Abkommen zum Verbot von Streumunition vereinbart haben.

(AFP, N24)

15.08.2008 11:01 Uhr

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