Mit einem stärkeren militärischen Engagement Deutschlands rechnet der afghanische Präsident Hamid Karsai. Ein afghanischer Regierungssprecher teilte am Dienstag in Kabul mit, die deutschen Truppen seien bereit, «an Operationen gegen Terroristen und zur Zusammenarbeit mit anderen internationalen Truppen in allen Landesteilen» teilzunehmen. Zuvor war Karsai mit Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung zusammengetroffen, der überraschend zu einem nicht angekündigten Besuch nach Kabul gekommen war. Außerdem sprach der CDU-Politiker mit seinem afghanischen Ressortkollegen Abdul Rahim Wardak.
250 Soldaten für Schnelle Eingreiftruppe
Offiziell sei die Bundesregierung von der NATO um die Bereitstellung weiterer 250 Soldaten im Norden Afghanistans gebeten worden, bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Soldaten sollen als Teil der so genannten Schnellen Eingreiftruppe (Quick Reaction Force ) für die Sicherheit der ISAF-Einheiten sorgen. Die Bundesregierung will Anfang Februar über die NATO-Anfrage entscheiden. Der Einsatz würde im Sommer beginnen, wenn Norwegen seine Soldaten der schnellen Eingreiftruppe abzieht.
Im Norden Afghanistan sind mehr als 3.000 deutsche Soldaten stationiert. Insgesamt sind in Afghanistan rund 42.000 Soldaten unter dem Kommando der NATO im Einsatz. Am Montag hatte Kanada damit gedroht, den Einsatz seiner rund 2.500 Soldaten nur dann zu verlängern, wenn andere NATO-Partner mindestens 1.000 zusätzliche Soldaten in den umkämpften Süden des Landes entsenden. Der kanadische Ministerpräsident Stephen Harper hatte am Vortag in Toronto mitgeteilt, dass er noch vor dem nächsten NATO-Gipfel im April mit den Partnern über Verstärkungen verhandeln wolle.
Stationierung in Kandahar
Die zusätzlichen Truppen sollten wie die kanadischen in Kandahar stationiert werden. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes kamen 78 kanadische Soldaten ums Leben. Die USA, Kanada, Großbritannien und die Niederlande haben Soldaten in den gefährlichen Provinzen des Südens. Andere europäische NATO-Staaten, darunter Deutschland, haben sich bisher wiederholt Forderungen verweigert, Soldaten in den Süden und Südosten des Landes zu schicken.
Die schnelle Eingreiftruppe Quick Reaction Force (QRF) im Norden Afghanistans ist eine Einheit zum Schutz der dort stationierten Internationalen Schutztruppe ISAF. Die taktische Reserve des Regionalkommandeurs ist Teil der NATO-geführten ISAF- Mission. QRF-Soldaten sollen immer dann eingreifen, wenn Wiederaufbauteams in den Nordprovinzen des Landes militärisch unter Druck geraten. Der Kampfverband kann auch gegen Terroristen vorgehen und mögliche Evakuierungen absichern. In der Vergangenheit stellte die Eingreiftruppe zudem den Begleitschutz von Konvois und schützte die Übergabe einer unter ISAF-Regie gebauten Brücke.
Seit dem Frühjahr 2006 stellt Norwegen die etwa 240 Soldaten starke Einheit im deutschen ISAF-Verantwortungsbereich in Mazar-i-Sharif. Die Skandinavier wollen ihre Einheit im Sommer aus Nordafghanistan abziehen. Schnelle Eingreiftruppen der NATO verfügen in der Regel über Fahrzeuge mit leichter und schwerer Bewaffnung wie Maschinengewehre, Mörsergranaten und Raketenwerfer. Zudem haben sie eigene Sanitäts- und Logistikeinheiten.
(dpa/AP/N24)
29.01.2008 13:08 Uhr









