Um die mögliche Ausweitung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan wird weiter kräftig diskutiert. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, Hans-Ulrich Klose (SPD), sagte er «Bild»: «Deutschland sollte die Quick Reaction Force übernehmen und sie stark genug machen, dass sie im Notfall in ganz Afghanistan eingesetzt werden kann - auch im Süden.»
Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Andreas Schockenhoff unterstützte ebenfalls die Aufstellung eines entsprechenden Kampfverbandes, möchte den Einsatz aber wie bisher auf den relativ ruhigen Norden des Landes beschränkt sehen. Der «Berliner Zeitung» sagte er, nur so könne eine Überforderung der Bundeswehr ausgeschlossen werden.
Linke: Bundeswehr abziehen
Die Linke verlangte hingegen den kompletten Abzug der Truppe. Im ARD-Morgenmagazin sagte der verteidigungspolitische Sprecher Paul Schäfer, die Sicherheitslage in Afghanistan sei immer schwieriger geworden. «Unter anderem auch deshalb, weil zu dieser Realität gehört, dass die NATO-Truppen Warlord-Herrschaft schützen und Korruption stabilisieren helfen.» Die Strategie, die dort verfolgt werde, sei perspektivlos. Es wäre am besten, wenn Deutschland nur noch mit zivilen Hilfskräften in Afghanistan vertreten sei.
Klose sagte hingegen: «Es kann durchaus Situationen geben, in denen es unvermeidbar ist, zu kämpfen.» Die NATO sei eine Allianz, die auf Solidarität baue. «Das bedeutet: Jeder trägt das gleiche Risiko», meinte er.
Mobil und reaktionsschnell
Die NATO hat Deutschland offiziell um die Entsendung von 250 Mann für die Quick Reaction Force im Norden Afghanistans gebeten, die die ISAF-Stabilisierungstruppe absichert. Der Grund: Norwegen will sich ab Sommer nicht länger an der schnellen Eingreiftruppe beteiligen. Die Einheit ist mobil, reaktionsschnell und bildet für ganz Afghanistan eine Art «Feuerwehr für Notfälle».
In den vergangenen Tagen hat zudem die Forderung der USA für Aufsehen gesorgt, die mehr Truppen der NATO-Partner für Einsätze in Süd-Afghanistan verlangen. Auch NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sprach sich für eine Ausdehnung des Bundeswehr-Engagements aus. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat eine Entsendung deutscher Truppen in den umkämpften Süden aber bereits mehrfach abgelehnt.
(AP, N24)
04.02.2008 11:38 Uhr








