Das Kosovo hat sich am Sonntag zur souveränen Nation erklärt und damit für unabhängig von Serbien. «Kosovo ist eine Republik - ein unabhängiger, demokratischer und freier Staat», erklärte Parlamentspräsident Jakup Krasniqi unter dem Beifall der Abgeordneten. In Pristina feierten die Menschen auf den Straßen. Serbien und sein Verbündeter Russland lehnten die Unabhängigkeit des Kosovos ab.
"Stolz, unabhängig und frei"
Ministerpräsident Hashim Thaci erklärte in einer Rede, "von heute an ist das Kosovo stolz, unabhängig und frei". Die Menschen des Landes hätten "nie den Glauben an den Traum verloren, dass wir eines Tages zu den freien Nationen dieser Welt gehören", sagte Thaci. Das Kosovo werde nie wieder von Belgrad beherrscht und werde ein demokratischer und multiethnischer Staat sein.
Krasniqi, Thaci und Präsident Fatmir Sejdiu unterzeichneten die Unabhängigkeitserklärung. "Wir, die demokratisch gewählten Führer unserer Volks, erklären hiermit das Kosovo zum unabhängigen und souveränen Staat", heißt es darin. Sie stellten auch ein neues Wappen und die blaue Landesflagge mit einer goldenen Karte des Kosovos und sechs Sternen vor, die für die größten ethnischen Gruppen stehen.
Thaci unterzeichnete am Sonntag 192 Briefe an Regierungen in der ganzen Welt, in denen er um die Anerkennung des neuen Staates bat. Ein Brief ging an Serbien, das die geplante Abspaltung schon als ungültig und illegal verurteilte. Die USA und auch viele Staaten der Europäischen Union haben hingegen schon zu erkennen gegeben, dass sie die Unabhängigkeit anerkennen werden.
Serbien bleibt hart
Serbien bekräftigte am Sonntag, es werde die Unabhängigkeit des Kosovos niemals akzeptieren. Diese sei unilateral ausgerufen und illegal, sagte der serbische Präsident Boris Tadic in Belgrad. Er forderte internationale Organisationen auf, "diesen Akt, der die Grundprinzipien des Völkerrechts bricht, zu annullieren". Tadic bekräftigte, Serbien werde keine Gewalt einsetzen.
Das russische Außenministerium forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Russland unterstütze Serbiens "gerechte Forderung, die territoriale Integrität des Landes wiederherzustellen", hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Der Sicherheitsrat solle sich daher erneut darum bemühen, eine einmütige Einigung zum Status des Kosovos zu erzielen. EU Und NATO mit rufen zu Gewaltlosigkeit auf
Die Europäische Union und die NATO riefen zur Ruhe auf dem Balkan auf. Die internationale Gemeinschaft werde Gewaltaktionen im Kosovo nicht tolerieren, sagte EU-Sprecher Jens Mester.
Steinmeier appelliert an Vernunft
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief alle beteiligten Kräfte in der Region zur Besonnenheit auf. Die Wahrung der Stabilität genieße nun höchste Priorität, erklärte der SPD-Politiker am Sonntag nach Telefonaten mit den Außenministern Sloweniens und Serbiens, Dimitrij Rupel und Vuc Jeremic. Ausdrücklich lehnten die drei Minister jede Form von Gewalt ab, wie es in einer Mitteilung des Auswärtigen Amts in Berlin hieß.
Am Montag werden die EU-Außenminister darüber beraten, wie mit der neuen Lage umzugehen ist. Steinmeier vermied eine Festlegung, ob Deutschland die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen wird. Er erklärte lediglich, dass es darauf ankomme, "die europäische Geschlossenheit zu wahren".
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"Akt der Tyrannei"
Die albanische Bevölkerungsmehrheit feierte die bevorstehende Unabhängigkeit von Serbien schon seit der Nacht zum Samstag. Zahlreiche Menschen versammelten sich in den Außenbezirken der Hauptstadt Pristina und tanzten. "Wir sind sehr, sehr glücklich, dass es jetzt wahr wird", sagte ein Kosovo-Albaner in der Stadt Lipljane. "Wir haben ein Jahrhundert lang darauf gewartet." In Belgrad demonstrierten am Samstag mehr als 1.000 Menschen gegen die Abspaltung der Provinz. «Kosovo ist das Herz Serbiens», skandierten sie und sprachen von einem "Akt der Tyrannei".
USA wollen Gewalt verhindern
Die USA wollen in Zusammenarbeit mit ihren Verbündeten gewalttätige Ausschreitungen nach einer Unabhängigkeitserklärung des Kosovos verhindern. Das erklärte US-Präsident George W. Bush am Sonntag auf einer Pressekonferenz in der tansanischen Hauptstadt Daressalam. Washington sei von der Absichtserklärung der albanisch-kosovarischen Regierung ermutigt, dass sie die Rechte der serbischen Minderheit im Kosovo respektieren werde. Die USA setzten zudem darauf, dass es im serbischen Interesse sei, mit dem Rest Europas verbunden zu sein.
Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats
Wegen der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo kommt der UN-Sicherheitsrat noch am Sonntag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Dies verlautete aus Diplomatenkreisen in New York.
(AP, AFP)
17.02.2008 19:30 Uhr









