Ölpreis zieht weiter an

Europäische Kommission sieht Konjunkturtrübung

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Weltweiter Öldurst bremst Konjunktur.

Der Ölpreis ist den zweiten Tag in Folge auf ein Rekordhoch gestiegen. Auslöser des Preisschubs auf 101,32 Dollar in der Nacht zum Donnerstag war die Senkung der Wachstumsprognose durch die US-Zentralbank. Die Händler sehen darin ein Signal für eine weitere Senkung der Leitzinsen, was den Dollar weiter unter Druck setzen und zugleich den Preisauftrieb in den USA beschleunigen könnte. Großanleger wie Fonds schichteten daraufhin Vermögen vom Dollar in das wertbeständigere Öl.

Auch die Preise für Gold und Silber zogen an. Am Donnerstagmorgen gab der Ölpreis wieder leicht nach auf 99,28 Dollar pro Barrel (159 Liter).

Am Dienstag war Ölpreis an der Rohstoffbörse in New York erstmals seit dem 3. Januar wieder auf mehr als 100 Dollar pro Barrel geklettert. Die Händler machen sich auch Sorgen, dass die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ihre Produktion im März drosseln könnte: Das Frühjahr ist traditionell die Zeit der schwächsten Ölnachfrage. Die Heizperiode ist vorbei, aber der Sommer-Reiseverkehr hat noch nicht eingesetzt.

Fachleute fürchten daher, die OPEC könnte ihre Förderung nach einem Treffen am 5. März drosseln, um bei einem Nachfrageeinbruch die Preise stabil zu halten. In der Tat halten Fachleute die Ölmärkte weltweit für gut versorgt. Ein Einbruch der Nachfrage etwa wegen einer Wirtschaftsschwäche könnte den Preis schnell wieder fallen lassen.

Der Ölpreis wird seit Jahren vom steigenden weltweiten Verbrauch in die Höhe getrieben, vor allem der Boom in China sorgt dort für kräftigen Öldurst. Gleichzeitig stützen viele geopolitische Sorgen den hohen Ölpreis: Spannungen zwischen dem Westen und dem Groß-Förderer Iran, Unruhen und Attentate im ölreichen Irak, Rebellenangriffe auf Pumpanlagen in Nigeria, der Streit zwischen Venezuela und den USA.

Weniger Öl und Gas aus Deutschland

Immer weniger Öl und Erdgas sprudeln unterdessen aus Quellen in Deutschland: Beim Erdöl sank die heimische Produktion im Jahr 2007 um 3 Prozent auf 3,4 Millionen Tonnen. Beim Gas betrug der Rückgang 8 Prozent auf 17 Milliarden Kubikmeter. Das teilte der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) in Hamburg mit. Der Umsatzrückgang ist mit 16 Prozent noch deutlicher. Laut WEG gelang es den Herstellern nicht, höhere Preise durchzusetzen.

Beim Erdgas stammen trotzdem immer noch rund 20 Prozent des deutschen Bedarfs aus heimischer Produktion. Zehn Millionen Haushalte könnten laut WEG damit versorgt werden. Beim Öl wären es 700.000 Haushalte.

Den Rückgang der Erdgasproduktion in Deutschland führte die WEG auf zwei Ursachen zurück: Einerseits sei die Nachfrage in Folge des milden Winters rückläufig gewesen. Andererseits hätten sich die Standortbedingungen für die Erdöl- und Erdgasproduktion in Deutschland verschlechtert. "Höhere Kosten, steigende staatliche Abgaben und Behinderungen beim Zugang zu den Lagerstätten erschweren die Erschließung neuer Vorkommen in Deutschland", sagte WEG-Vorsitzender Gernot Kalkoffen. An Förderabgaben wurden fast eine Milliarde Euro an den Staat abgeführt.

Allerdings machen die hohen Erdölpreise der Branche Mut, auch in Zukunft in Deutschland nach Gas und Öl zu suchen: So erkundet RWE-Dea zur Zeit im Wattenmeer vor Cuxhaven mögliche Lagerstätten. Ein Bohrantrag wurde aber noch nicht gestellt.

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Auswirkungen auf Konjunktur

Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognose für die Eurozone und Deutschland erneut gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im laufenden Jahr um 1,8 Prozent steigen, teilte die Behörde in ihrer Frühjahrsprognose mit. In der im November vorgestellten Herbstprognose war die Kommission noch von einem Wachstum von 2,2 Prozent ausgegangen. Im Frühjahr 2007 hatte die Kommission für 2008 noch ein Wachstum von 2,5 Prozent prognostiziert.

Geringeres Wachstum, höhere Inflation

Für Deutschland senkt die Kommission die Wachstumsprognose von 2,1 auf 1,6 Prozent. Bei der Einschätzung der Inflationsentwicklung für 2008 hob die Behörde ihre Prognose an. Im laufenden Jahr sei mit einer Teuerungsrate in der Eurozone von 2,6 Prozent zu rechnen, hieß es. In der Herbstprognose war noch ein Wert von 2,1 Prozent genannt worden. In Deutschland erwartet die Kommission eine Inflationsrate von 2,3 nach bisher 2,0 Prozent.

Globale Situation unsicher

Die globale Situation der Wirtschaft und deren Aussichten blieben zu Beginn des laufenden Jahres unsicher, hieß es weiter. Die Gegebenheiten des internationalen Finanzsystems seien weiter zerbrechlich. Die europäischen Volkswirtschaften hätten sich zwar generell den jüngsten Turbulenzen entziehen können.

Die Daten des vierten Quartals 2007 deuteten aber darauf hin, dass sich die Aktivitäten wegen einer Einengung der Kreditkonditionen und der Wachstumsabschwächung in den USA moderater entwickelten. Die hohen Preise für Öl und andere Rohstoffe spielten auch eine Rolle. Zu diesem Zeitpunkt seien Umfrage-Indikatoren ungewöhnlich wichtig.

Hoffnung auf Wachtstumsbeschleunigung im zweiten Quartal

Der Rückgang der Wachstumsdynamik könnte in den sieben größten Volkswirtschaften der Europäischen Union allerdings von nur geringer Dauer sein. Die Quartalsprognosen deuteten auf eine spürbare Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte 2008. Unterstellt sei hierbei ein durch die deutlichen fiskal- und geldpolitischen Erleichterungen ausgelöster kräftiger Aufschwung in den USA. Zudem dürften sich die Finanzmärkte schrittweise beruhigen.

(dpa, AP, N24)

21.02.2008 16:26 Uhr

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