Mit dem neuen CERN-Projekt verbinden sich auch Ängste, etwa die vor Schwarzen Löchern, die die Erde verschlucken könnten. Der Physiker Wilfried Buchmüller hält das jedoch für pure Phantasterei.
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Für die einen könnte das jüngste CERN-Projekt Segen bedeuten, die anderen wittern einen Fluch. So versuchte eine private Initiative sogar, den weltgrößten Teilchenbeschleuniger LHC durch eine Beschwerde beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg zu stoppen - ohne Erfolg. Die Initiative fürchtete, die Anlage am Teilchenforschungszentrum CERN bei Genf könnte Schwarze Löcher erzeugen, die einmal die Erde verschlucken.
Im "Large Hadron Collider" (LHC) sollen Atomkerne mit bislang unerreichter Energie kollidieren, um neue Aspekte der Natur zu offenbaren. Damit Ängste zu schüren, sei "unverantwortlich", sagt indes der theoretische Physiker Prof. Wilfried Buchmüller vom Deutschen Elektronen- Synchrotron (DESY) in Hamburg im Interview.
Herr Buchmüller, wird der LHC die Erde in einem Schwarzen Loch versenken?
Buchmüller: Das ist eine wilde Spekulation. Am LHC ist nichts fundamental anders als an früheren Beschleunigern. Dieselbe Frage hätten Sie also schon bei HERA in Hamburg, beim Tevatron in den USA oder bei LEP in Genf stellen können. Die Diskussion darüber zeigt, dass am LHC hochinteressante Entdeckungen erwartet werden. Aber damit Ängste zu schüren, halte ich für unverantwortlich. Alles, was wir nicht wissen, ist dann prinzipiell gefährlich.
Buchmüller: Zunächst einmal: Es geht um sogenannte Mini Black Holes, also "Mini-Schwarze-Löcher". Das ist aber etwas ganz anderes als die Schwarzen Löcher, die wir aus der Relativitätstheorie und Astrophysik kennen. Die Bezeichnung ist leider sehr irreführend. Aber der Name macht sich eben gut, wenn man eine wissenschaftliche Veröffentlichung schreibt.
Bekannte Schwarze Löcher haben sehr große Massen, einige Dutzend bis viele Millionen Mal so viel wie die Sonne. Der hier gemeinte theoretische Quantenzustand entspricht dagegen eher einer Art Elementarteilchen. Die Idee ist übrigens nicht neu. Aber die führenden Fachleute sind sich nach wie vor nicht einig, ob sich so etwas überhaupt erzeugen lässt.
Was würde denn passieren, wenn am LHC solche Mini Black Holes entstehen?
Buchmüller: Sobald man etwas Neues macht, kann man nie mit absoluter Sicherheit sagen, was passiert - sonst wäre es ja nicht neu. Für die Mini Black Holes hat man zurzeit gar keine allgemein akzeptierte Theorie. Welche Eigenschaften sie hätten, falls es sie überhaupt gibt, weiß man nicht. Dass sie sich verhalten könnten wie Schwarze Löcher, ist lediglich eine Annahme. Aber selbst wenn die zutrifft, würden die Mini Black Holes wahrscheinlich in Sekundenbruchteilen wieder zerfallen, weil sie die Masse, die sie verschlucken, wahrscheinlich gleich als Energie wieder abstrahlen. Die Beobachtung wäre aber sehr interessant, weil die fundamentale Skala der Gravitation dann sehr viel kleiner sein müsste als gegenwärtig angenommen. Das könnte ein Hinweis auf die Existenz zusätzlicher Dimensionen sein, für die es zwar sehr ernstzunehmende theoretische Argumente, aber bislang keinen experimentellen Beleg gibt.