"Wir lieben den Rap"

Internet-Hit zu CERN

Wer Rap hört, dem kommen normalerweise vielleicht Songtexte über Straßengangs, Gewalt und Drogen in den Sinn - aber sicher nicht über Teilchenphysik. Da muss nun wohl umgedacht werden.

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Die Illustration zeigt die Kollision von Atomkernen - fast könnte man meinen, es sei ein Screenshot aus dem zur (Rap-)Musik zuckenden Windows Media Player ...
Video: CERN-Projekt gestartet - Carsten Hädler berichtet aus Genf
Video: "Wir lieben den Rap" - Internet-Hit zu Cern
Bühne frei für den "Big Bang": Wissenschaftler simulieren wieder an der schweizer Forschungseinrichtung CERN den Urknall.
Das CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) bei Genf ist das größte physikalische Forschungszentrum der Welt. Unter anderem wurde dort bereits das World Wide Web erfunden.
Mit der größten Maschine der Welt, dem Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider), gehen die Forscher jetzt auf die Jagd nach der Dunklen Materie, dem Nicht-Stoff aus dem Schwarze Löcher "bestehen".
Das LHC ist ein 27 Kilometer langer Ringtunnel tief im schweizer Boden. In dem minus 271,3 Grad kalten Vakuum der Metallröhre werden Wasserstoff-Atomkerne auf die Reise geschickt.
Jede Sekunde drehen diese so genannten Protonen in entgegengesetzten Richtungen 11.245 Runden in dem unterirdischen Ring und legen dabei jeweils 299.780 Kilometer zurück.
Mit beinahe Lichtgeschwindigkeit rasen sie aufeinander zu und erzeugen 600 Millionen Mal pro Sekunde einen "Mini-Urknall", bei dem es 100.000 Mal heißer wird als im Zentrum der Sonne.
Der LHC ist in jeder Hinsicht rekordverdächtig. Er hat die europäischen Steuerzahler etwa drei Milliarden Euro gekostet. Während des Betriebs verdoppelt er locker den Strombedarf der benachbarten Stadt Genf.
Die Physiker des CERN erwarten vom LHC Erkenntnisse zur Dunklen Materie, zur Entstehung von Masse und zur Entwicklung des Universums.
Gegner des LHC befürchten unkontrollierbare Reaktionen bis hin zu einem Weltuntergang durch außer Kontrolle geratene Schwarze Löcher. Mehrere Klagen blieben jedoch erfolglos.
Die Physiker weisen die Bedenken zurück. Die erzeugten Schwarzen Löcher seien mikroskopisch klein und daher ungefährlich. Der Weltuntergang wird wohl abgesagt.
Ab sofort öffnet sich hingegen, fast nebenan, "ein Fenster ins Dunkle Universum", so CERN-Chef Rolf-Dieter Heuer. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein.
Am 4. Oktober 1957 schoss die Sowjetunion den Satelliten Sputnik 1 ins Weltall. Die piepsenden Funksignale konnten auf der ganzen Welt empfangen werden.
Am 3. November des gleichen Jahres schoss das kommunistische Land mit der Hündin Laika das erste Lebewesen ins All. Die Sowjetunion war mit beeindruckenden Erfolgen ins Rennen um die Vorherrschaft im All gestartet.
Aufgeschreckt von der technologischen Macht der Kommunisten ging die US-Regierung in die Aufholjagd. Am 29. Juli 1958 unterzeichnete der damalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower den "National Aeronautics and Space Act".
Es war die Geburtsstunde der NASA. Mit einem, für damalige Verhältnisse, beeindruckenden Budget von 80 Millionen Dollar und 8.000 Mitarbeitern nahm die Weltraumagentur im Oktober 1958 ihre Arbeit auf.
Nach dem "tierischen Erfolg" der Russen wollte die NASA gleich einen Menschen ins All schicken und begann mit dem Mercury-Programm. Doch erneut kam ihnen der Gegner zuvor. Am 12. April 1961 absolvierte Juri Gagarin seinen Raumflug um die Erde.
Der Amerikaner Alan B. Shepard kam wenige Wochen später als zweiter Mensch ins Weltall. Mit dem Apollo-Programm ging die NASA Anfang der 1960er Jahre in die Vollen und bereitete eine Mondlandemission vor.
Während des Apollo-Programms kam es zum bis dahin schwersten Unglück in der NASA-Geschichte. An Bord von Apollo 1 brach während eines Bodentests ein Feuer aus und tötete alle drei Astronauten.
Am 16. Juli 1969 gelang der NASA das Unglaubliche, die erste Landung von Menschen auf dem Mond. Legendär wurden Neil Armstrongs erste Worte auf dem Mond: "That's one small step for man, one giant leap for mankind."
Fünfmal kehrte die NASA mit Astronauten auf den Mond zurück, zuletzt mit der Besatzung von Apollo 17 am 7. Dezember 1972. Die Weltraumbehörde hatte den Zenit des Erfolges erreicht und die Sowjetunion technologisch überholt.
Am 14. Mai 1973 brachte die USA mit dem Skylab auch die erste Raumstation ins All. Skylab war jedoch nur für wenige Monate besetzt und verglühte nach sechs Jahren in der Erdatmosphäre.
Ein weiterer Meilenstein für die NASA war die Entwicklung der Space Shuttles in den 1970er Jahren. Am 12. April 1981 flog mit der Columbia erstmals ein wiederverwendbarer Raumgleiter ins All.
Zweimal kam es bei Shuttle-Missionen zu tragischen Unglücken. Am 28. Januar 1986 explodierte die Raumfähre Challenger während des Starts. Am 1. Februar 2003 brach die Raumfähre Columbia während des Landemanövers auseinander.
Trotz der beiden Unglücke ist das Shuttle-Programm ein großer Erfolg. Bis heute werden die Raumfähren etwa zur Versorgung der ISS eingesetzt. Dennoch sind ihre Tage gezählt. Die NASA sucht längst nach moderneren und billigeren Alternativen.
Seit Anfang der 1960er Jahre schickte die NASA auch zahlreiche unbemannte Sonden und Satelliten ins All, um Daten über die Erde, das Sonnensystem und andere Galaxien zu sammeln. Waren dies Anfangs einfache Vorbeiflugsonden wie die Mariner
so wurden diese im Laufe der Zeit immer komplexer. Sonden wie Pioneer (Jupiter, 1972), Viking (Mars, 1976), Galileo (Jupiter, 1989) oder Pathfinder (Mars, 1996) flogen an Planeten vorbei oder landeten auf ihnen.
Zudem schickte die NASA zur Weltraumforschung zahlreiche Teleskope ins All, darunter OAO (1972), COBE (1989), Hubble (1990) und Spitzer (2003).
Einen für Jedermann erfahrbaren praktischen Zweck erfüllen die seit 1990 gestarteten NAVSTAR-Satelliten. Sie ermöglichen die Positionsbestimmung an jedem Punkt der Welt und damit die Funktion der so genannten Navis für Autos, Schiffe oder Flugzeuge.
Obwohl die NASA zurzeit fast 20.000 Mitarbeiter beschäftigt und über ein Jahresbudget von 19 Milliarden Dollar verfügt, stößt sie seit jeher immer wieder an Ressourcengrenzen, muss Projekte zusammenstreichen oder ganz einstellen.
Dennoch hat die Weltraumbehörde auch für die Zukunft ehrgeizige Pläne. Bis 2024 soll auf dem Mond eine dauerhaft besetzte Basis aufgebaut werden. 2037 sollen erstmals Menschen die Marsoberfläche betreten.
Man darf gespannt sein, was die US-Weltraumbehörde in den nächsten 50 Jahren wirklich schafft. Betrachtet man die Erfolge der Vergangenheit, könnte dies eine Menge sein. Happy Birthday NASA!

Die wunderbare Welt der Teilchenphysik und die Experimente im Teilchenbeschleuniger LHC des CERN sind auch im Internet ein Hit: Die 23-jährige US-Amerikanerin Kate McAlpine, eine Wissenschaftsautorin beim CERN, erklärt in ihrem "Large Hadron Rap" zu treibenden Beats eingängig so komplizierte Dinge wie Higgs-Teilchen, Urknall, Dunkle Materie und die Experimente in dem 27 Kilometer langen Tunnel an der schweizerisch-französischen Grenze.

"Die Dinge, die er entdeckt, die knallen voll rein", singt McAlpine, die zugibt, dass "Rap und Physik kulturell meilenweit voneinander entfernt sind". "Ich fand es amüsant, es zu versuchen, und sie zusammenzuwerfen."

"Alles ganz korrekt"

Das fanden auch andere unterhaltsam, der Wissenschafts-Rap erfreut sich im WWW größter Beliebtheit. Auch Physiker sind zufrieden mit dieser unkonventionellen Vermittlung ihres Forschungsgebiets: "Wir lieben den Rap", sagt CERN-Sprecher James Gillies - zumal wissenschaftlich alles ganz korrekt dargestellt sei. Zunächst sei er ja skeptisch gewesen, als McAlpine mit ihrer Idee gekommen sei. "Aber als ich ihre früheren Wissenschafts-Raps sah und den Text, da war ich überzeugt." Es sei die nahezu einmütige Meinung der Physiker, dass der Rap eine gelungene Sache sei.

McAlpine schrieb den Text auf ihrem 40-minütigen Weg zur Arbeit von Genf aus in öffentlichen Verkehrsmitteln. Dann überredete sie einen Freund, die Beats unterzumischen, und Freunde, mit ihr in den unterirdischen Tunneln und Höhlen zu tanzen, in denen die Experimente stattfinden werden. "Wir hatten für einige Stellen eine besondere Aufsicht dabei", berichtet die 23-Jährige. Eine Verantwortliche sei "Rappern gegenüber höchst misstrauisch" gewesen. Sie überarbeitete ihren Rap schließlich im Michigan State's National Superconducting Cyclotron Laboratory, wo sie vor früher gearbeitet hat, und stellte ihn online.

(AP, N24)

09.09.2008 15:26 Uhr

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