Elbtal und Elbflorenz

Dresden lockt mit Barock

67 Meter hoch ist die Frauenkirche in Dresden. Die Aussicht ist dementsprechend atemberaubend - auch wegen des Zwingers und der Semper-Oper. Dresden ("Elbflorenz") ist immer eine Reise wert.

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Stadtbild mit Dampfer und Frauenkirche - mit den Schiffen der "Weißen Flotte" lässt sich Dresden noch einmal aus einer anderen Perspektive erleben
Im Wirtschaftsranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sind Gewinner und Verlierer gekürt. Die Bundeshauptstadt Berlin, auf Platz 50, bildet das Schlusslicht
Dicht gefolgt von Aachen auf Platz 49. Hier ein Blick auf den Kaiserdom. Der Aachener Dom wurde 1978 als erste deutsche Stätte in die Welterbeliste eingetragen.
Platz 48 geht an Gelsenkirchen. Das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen steht wie die Wirtschaft in einem harten Konkurrenzkampf der Ruhr-Musiktheater.
Die Marzipan-Stadt Lübeck landet auf Platz 47. Das Holstentor ist das Wahrzeichen der Hansestadt.
Platz 46: Wuppertal, die Heimstatt der Schwebebahn. Um 1900 von MAN gebaut, gilt sie seit mehr als 100 Jahren als das sicherste Massenverkehrsmittel der Welt.
Platz 45 geht an Oberhausen. Die Stadt hatte schon immer eine wirtschaftlich wechselvolle Geschichte. Rund 250 Jahre nach dem Produktionsstart der ersten Eisenhütte im Revier, ist jetzt nur noch ein Museum übrig.
Platz 44 für Herne. Nun gut: Wirtschaftlicher Erfolg ist nicht alles. Immerhin wird hier das größte Volksfest des Ruhrgebietes, die Cranger Kirmes, gefeiert.
Halle tröstet sich auf einem der hinteren Plätze, Platz 43, mit den äußerst leckeren und erfolgreichen Hallorenkugeln.
Platz 42: Auch Mönchengladbach punktet wirtschaftlich nicht, hat aber dafür die "Jahrhundertelf" mit den ehemaligen Fußballspielern von Borussia Möchengladbach, Herbert "Hacki" Wimmer (l-r), Berti Vogts und Günter Netzer, in Bronze gegossen.
Platz 41: Hamm. Die ham’s schwer mit der Zeche Bergwerk Ost. 2018 ist hier endgültig Schicht im Schacht.
Platz 40: Auf der Warnow Werft in Rostock werden zwar die größten Schiffe gebaut, aber so richtig bringt das die Hansestadt auch nicht an die Spitze.
Platz 39: Erfurt ist eine der schönsten Städte Deutschlands, wirtschaftlich aber eher bedeutungslos. Dennoch: Die Domstufen-Festspiele sind ein echtes Highlight.
Hagen, auf Platz 38, hat gleich zwei glühende Verehrerinnen: Ricarda und Anemone (l-r). Beide essen gerne Eis vor der historischen, spätgotischen St. Martinuskirche. Den Teutoburger Wald, als malerische Kulisse, gibt es gratis mit dazu.
Platz 37: Duisburg hat den größten Binnenhafen Europas und der glänzt vor allem bei Nacht.
Platz 36: In Magdeburg ist bestimmt nicht alles heiße Luft, aber hier gehen gerade die 10.Magdeburger Ballon-Magie-Tage zu Ende.
Platz 35: Der Umbau des Bielefelder Hauptbahnhofs - seit Jahren eine einzige große Baustelle - ist beinahe abgeschlossen. Und vielleicht bringt er die Stadt das nächste Mal auf einen der vorderen Ränge.
Platz 34: Essen gehört zu den gebeutelten Ruhrmetropolen. Ehemalige Zechen erstaunen nur noch Museumsbesucher, wie hier in der Zeche Zollverein.
Die "Kieler Woche" ist eine sportliche und touristische Attraktion. Jedes Jahr nehmen mehr als hundert Traditionssegler daran teil. In der Bewertung seiner wirtschaftlichen Dynamik gelingt Kiel nur der Sprung auf Platz 33.
Platz 32: Bremen veranstaltet jedes Jahr den kleinen Bruder der "Kieler Woche", die "Lütte Sail".
Platz 31: Oldenburg feiert dieser Tage seinen 900. Geburtstag. Im Ranking hat es die Stadt leider nicht weit gebracht.
Platz 30: Auch Bochum zeichnet sich nicht mehr durch eine florierende Wirtschaft aus. Wie überall im Pott kann man auch hier, im weltweit größten deutschen Bergbaumuseum, nur alten und besseren Zeiten nachtrauern.
Krefeld liegt im Städte-Ranking zwar nur auf Platz 29: Aber immerhin kann man hier die Orang-Utan-Dame "Sita" bewundern. Alle drei Wochen wird Sitas Gehege zum Atelier. Dann bekommt sie Papier und Farbstifte und lässt ihrer Kreativität freien Lauf.
Freiburg, Platz 28, hat eines der umstrittensten Theater Deutschlands zu bieten. Ursprünglich in einem besetzten Haus enstanden, wollte das KTS mit Volksküche, Konzerten und politischen Diskussionen einen Gegenpol zu kommerzialisierter Kultur bilden.
Platz 27: Das Chemnitzer Karl-Marx-Monument ist seit dieser Woche komplett mit weißen Stoffbahnen verhüllt. Vielleicht sollte während der möglichen Umrundung des Riesenkopfes aus dem "Kapital" vorgelesen werden.
Platz 26: Dortmund war in diesem Jahr die Stadt der Liebe. Unter dem Motto: "Highway to Love" rollte die Loveparade durch die Stadt. Ein wirtschaftlicher Erfolg?
Platz 25: Mainz hat sein Motto von Andreu Alfaro in Kunst gießen lassen: "Lebenskraft".
Nicht gerade wie in einem Märchen der Gebrüder Grimm: Kassel landet im Ranking nur im Mittelfeld, auf Platz 24.
Platz 23: Leipzig rückt Jahr für Jahr ein Stück nach oben. Die Einkaufspromenade im Leipziger Hauptbahnhof wurde bereits 2004 für ihren Beitrag zur Wiederbelebung der Innenstadt ausgezeichnet.
Platz 22: Geht an Leverkusen. Was kann man da noch sagen? Pharma-Konzern Bayer!
Platz 21: Die Sonne ist in Ludwigshafen noch nicht aufgegangen, aber der Mond über dem Werksgelände des weltgrößten Chemiekonzerns BASF.
Platz 20: Solingen, die Stadt der Klingen. Deren Geschichte ist auf 2000 Quadratmetern im Deutschen Klingenmuseum eindrucksvoll nachgestellt.
Auf Platz 19 landet die Rhein-Metropole Köln. Und als hätte man es geahnt, stand das Rhein-Feuerwerk unter dem Titel "Zeitreise".
Mühlheim an der Ruhr schaffte es immerhin auf den 18.Rang.
Platz 17: Kaiser Augustus wies Augsburg vor Jahrhunderten den Weg. Heute nur noch als monumentale Bronze-Figur.
Platz 16 geht an Osnabrück. Hier im Bild der Dom, Anziehungspunkt für kunsthistorisch Interessierte aus aller Welt.
Platz 15: Hannover punktet nicht nur wirtschaftlich, sondern hat auch einen ausgesprochen innovativen Bahnhof. Gebäudeteile des Nordstadt-Bahnhofs wurden mit blauen Glasbausteinen bestückt, die die Gänge in magisches blaues Licht hüllen.
Platz 14 geht an Saarbrücken, dessen Wahrzeichen die St. Johann-Basilika in der Altstadt ist.
Nürnberg, auf Platz 13, punktet nicht nur mit schicken Fachwerkhäusern und einem gut erhaltenen historischen Stadtkern.
Platz 12: Hamburg hat neben wirtschaftlichem Erfolg auch die Alster, auf der sich die Schwäne in der Dämmerung tummeln.
Platz 11 ist für Bonn reserviert. Hier ein Blick auf das Dach der Bundeskunsthalle.
Platz 10: Braunschweig zeigt sich innovativ. Hier wurde beispielsweise der Burgplatz in eine Gartenlandschaft verwandelt.
Dresden, Platz 9, ist die erfolgreichste Metropole des Ostens. Und das liegt sicher auch an den wunderschönen Elbterrassen.
Platz 8: Wiesbaden ist erfolgreich und hat eine wunderbare Altstadt.
Mannheim liegt auf Platz 7. Hier ein Blick auf das Schloss.
Platz 6: Stuttgart in der Bundesliga an der Spitze und im Wirtschafts-Ranking auch. Hier das Staatstheater.
Platz 5 geht an Düsseldorf. Eine Stadt mit schiefen Häusern, aber klaren Wirtschaftsvorgaben.
Platz 4 steht Karlsruhe zu. Hier spiegelt sich das Schloss, bei der 9. Museumsnacht, im Wasserbecken eines Brunnens.
Die Bankenmetropole Frankfurt platziert sich auf dem 3. Rang.
Und Münster, auf Platz 2, punktet nicht nur mit seinem Prinzipalmarkt.
Und der strahlende Sieger ist München! Laut INSM-Studie die Stadt in Deutschland mit der höchsten Kaufkraft und den meisten Jobs. Herzlichen Glückwunsch!

Auch für den schönsten Blick über Dresden, die Aussicht von der 67 Meter hohen Kuppel der Frauenkirche, gilt der Satz: Es wird einem nichts geschenkt. Gemeint ist nicht der stolze Eintrittspreis von acht Euro, sondern der Aufstieg in die Höhe. Untrainierte bringt er ganz schön aus der Puste. Die erste Etappe ist noch bequem. Ein auf Hochglanz polierter Aufzug hebt das Publikum mit sanftem Schwung nach oben. Doch leider nur bis auf 24 Meter. Der Rest muss über drei enge Treppen bewältigt werden und über einen steilen Wendelgang, der zweieinhalb Mal im Kreis um die Kuppel herumführt.

Nicht grundlos heißt er "Eselsgang", die Kirche empfiehlt "festes Schuhwerk". Aber oben, auf der Plattform, herrscht dann Zufriedenheit. Die Mühe des Aufstiegs hat sich gelohnt, an das Hinweisschild, das den Aufenthalt auf 15 Minuten begrenzt wissen will, mag man sich gar nicht halten. Zu schön glitzert die Elbe in der herbstlichen Sonne, ihrem Lauf kann man fast bis zum großen Biergarten am Waldschlösschen folgen, wo die umstrittene Brücke gebaut wird. Sie wird das Dresdner Elbtal im kommenden Jahr möglicherweise den Status als Weltkulturerbe kosten.

Auch Zwinger und Semperoper, die Brühlsche Terrasse mit den Dampfschiffen der «Weißen Flotte» und die "Zitronenpresse" genannte Kuppel der Kunstakademie liegen direkt vor einem. Falls es noch Zweifel gab: Doch, Dresden ist schön. Und es soll noch schöner werden, denn das lockt Touristen, und darin liegt die Zukunft. Überall stehen Kräne, der Neumarkt zu Füßen der Frauenkirche ist eine große Baustelle. Fast ein Dutzend weitere Hotels sind in Planung oder im Bau, darunter zwei Fünf-Sterne-Häuser. Anders als die meisten ostdeutschen Städte verzeichnet Dresden keine Abwanderung, sondern einen Zuwachs auf inzwischen mehr als 500.000 Einwohner.

Auf Platz sechs unter den beliebtesten deutschen Städtezielen hat es die Elbmetropole ebenfalls schon geschafft. Trotzdem fragt man sich angesichts all der barocken Pracht: nur Platz sechs? Es fehlt vor allem immer noch an direkten Verkehrsanbindungen. Aus vielen Ecken Deutschlands ist die Anreise ziemlich zeitaufwendig. "Immerhin haben wir einen internationalen Flughafen", klärt auf der Aussichtsplattform eine Dresdnerin ihre Besucher auf. "Man kann nach Mallorca und nach Griechenland fliegen und…" - kleine Pause - "...nach Köln/Bonn." Da muss die gute Frau selbst lachen, das klingt nicht gerade nach einem global bedeutenden Drehkreuz.

"Dabei liegen wir mitten im Herzen Europas", sagt dazu später Heinz Diedrichsen, Vorsitzender des Tourismusvereins der Stadt. Seiner Meinung nach ist das Potenzial längst nicht ausgeschöpft, besonders die Bahnverbindungen auf den Hauptstrecken müssten verbessert werden: "zu den Metropolen im Westen Deutschlands, ins Ruhrgebiet, aber auch nach Polen und Tschechien".

Zu sehen gibt es schließlich mehr als genug - und zu erleben auch. Wie lebendig Dresden ist, spürt man nirgendwo so gut wie in der Äußeren Neustadt am anderen Elbufer, 20 Minuten zu Fuß vom Zwinger entfernt. Die "Szene" ist wohl kaum mehr da, wenn bereits Schilder für Touristen darauf hinweisen. Doch so oder so hat sich das Gründerzeitviertel hinter dem Albertplatz einen unbeugsamen Charme erhalten wie eine Mischung aus Hamburgs St. Pauli und dem früheren Prenzlauer Berg in Berlin.

Links und rechts der Alaunstraße lässt man es sich gutgehen, pflegt fast mediterrane Lebenslust in Cafés, Biergärten und Kneipen. Es gibt kleine Läden, Second-Hand-Shops, die zum Beispiel "Chic-Saal" heißen, und liebenswerte Traditionsgeschäfte wie den Milchladen "Pfunds Molkerei" an der Bautzner Straße. Der Ton ist rau, aber sächsisch-herzlich. Und vielleicht hat der Witzbold gar nicht so unrecht, dessen schwarzes T-Shirt bedruckt ist mit dem selbstbewussten Satz: "Das wahre Weltkulturerbe: Dresden-Neuststadt".

(dpa, N24)

12.09.2008 11:16 Uhr

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