Die US-Regierung hat dem Versicherer American International Group als Nothilfe einen Milliardenkredit gewährt. Im Gegenzug übernimmt diese rund 80 Prozent der AIG-Anteile.
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Silberstreif am Horizont der amerikanischen Finanzmärkte: In einer dramatischen Wende sagte die US-Notenbank am Dienstagabend dem schwer angeschlagenen Versicherungsriesen AIG einen dringend benötigten Kredit von 85 Milliarden Dollar (60 Mrd Euro) zu. Die Notenbank übernimmt im Gegenzug für den Kredit 79,9 Prozent der Anteile des Versicherers, hieß es in der Mitteilung der Fed.
Mit der überraschenden staatlichen Rettungsaktion wollen US-Regierung und Notenbank die auch ein Jahr nach ihrem Beginn nicht nachlassende Finanzkrise eindämmen. Die drohende Pleite des zu den weltgrößten Versicherern zählenden AIG-Konzerns hätte die globalen Finanzmärkte in weitere schwere Turbulenzen gestürzt. AIG (American International Group) war wegen Milliardenverlusten im Zuge der Kreditkrise in akute Kapitalnot geraten. Die Aktie des Versicherers verlor seit Jahresbeginn mehr als 90 Prozent ihres Werts.
Allianz wollte einsteigen
Laut der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg ist die US-Regierung mit ihrer Rettungsaktion einem Einstieg des deutschen Versicherungskonzerns Allianz bei dem taumelnden US-Rivalen zuvorgekommen. Zwei Tage bevor AIG vom Staat aufgefangen wurde, habe die Allianz ihr Angebot unterbreitet, schreibt Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf zwei eingeweihte Personen. Die Deutschen hätten sich dazu mit dem US-Finanzinvestor J.C. Flowers verbündet. Finanzielle Details nannte Bloomberg nicht.
Allianz-Chef Michael Diekmann sagte am Dienstag in Bratislava: "Die AIG braucht Kapital. Dafür hat sie bestimmte Aktivitäten zur Disposition gestellt." Dies sei zum Beispiel das Rückversicherungs- oder Leasinggeschäft. Beides sei für die Allianz nicht von Interesse. Sollten andere Bereiche zum Verkauf stehen, müsse dies zunächst in Ruhe angesehen werden.
Morgan Stanley präsentiert Geschäftszahlen
Regierung und Notenbank hatten bis zuletzt staatliche Hilfen für AIG immer wieder ausgeschlossen. Eine konzertierte Rettungsaktion innerhalb der Branche durch andere Versicherer und Banken sei aber nicht zustande gekommen, berichtete etwa die "New York Times" unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen. Schon kurz vorher hatten US-Medienberichte über mögliche staatliche Hilfen für positive Reaktionen an den Finanzmärkten gesorgt.
Für weitere Aufhellung sorgte die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley, die nach Börsenschluss vergleichsweise gute Zahlen vorlegte. Der Überschuss lag im Ende August abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal bei 1,4 Milliarden Dollar und damit vergleichsweise nur acht Prozent unter dem Vorjahr. Die Bekanntgabe der Zahlen war eigentlich erst für Mittwoch geplant. Angesichts der jüngsten Turbulenzen bei Wettbewerbern wie Lehman Brothers und Merrill Lynch hatte sich die Bank aber zur früheren Veröffentlichung entschlossen.
Aufatmen an den Börsen
Nach dem "schwarzen Montag" an den internationalen Finanzmärkten infolge der Bankenkrise in den USA erholten sich die Börsen bis Mittwochmorgen von ihren anfänglichen Verlusten. Die amerikanischen Börsen schlossen nach einer wilden Achterbahnfahrt im Plus. Der Dow-Jones-Index stieg um 1,30 Prozent auf 11.059,02 Punkte.
Nach den lateinamerikanischen Finanzmärkten, die schon am Dienstagabend etwas Aufwind registriert hatten, zogen am Morgen auch die asiatischen Börsen nach oben. Unter anderem notierte in Tokio der Nikkei für 225 führende Werte zur Halbzeit einen deutlichen Aufschlag von 241,06 Punkten oder 2,08 Prozent beim Zwischenstand von 11.850,78 Punkten.
Japanische Zentralbank pumpt erneut Milliarden in den Markt
Zuvor hatte die japanische Zentralbank zur Stabilisierung der Märkte erneut eingegriffen. Die Bank of Japan pumpte am Mittwoch weitere zwei Billionen Yen, umgerechnet 13,2 Milliarden Euro, in den Geldmarkt des Landes. Bereits am Vortag hatte die Notenbank dem Markt in zwei Schritten insgesamt 2,5 Billionen Yen, umgerechnet 16,5 Milliarden Euro, zugeführt.
Ökonomen in Tokio erwarten unterdessen, dass Japans Zentralbank am selben Tag entscheiden wird, den Zinssatz von 0,5 Prozent vorerst nicht zu verändern. Auch die US-Notenbank hatte am Vortag ungeachtet der schweren Turbulenzen an der Wall Street den Leitzins zum dritten Mal in Folge bei 2,00 Prozent belassen.