Zugriff in Köln-Bonn
Terrorverdächtige aus Flugzeug geholt
Im Morgengrauen nahm die Polizei zwei Terrorverdächtige fest, holten sie aus einer startbereiten Maschine. Die beiden waren wohl auf dem Weg nach Pakistan, gewillt, im "Heiligen Krieg" zu sterben.
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Kurz vor dem Abflug in die Niederlande sind zwei Terrorverdächtige aus Somalia am Freitag auf dem Flughafen Köln/Bonn festgenommen worden. Polizisten holten die mutmaßlichen Islamisten am Morgen aus einer startbereiten KLM-Maschine, die nach Amsterdam fliegen sollte, wie das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen mitteilte.
Zuletzt in NRW wohnhaft
Nach Erkenntnissen der Behörden wollten sich die beiden Männer an Anschlägen beteiligen und als Selbstmordattentäter im sogenannten Heiligen Krieg, dem Dschihad, sterben. Die Ermittler berichteten von entsprechenden Abschiedsbriefen, die gefunden worden seien. Bei den Verdächtigen handelt sich demnach um einen 23-jährigen Somalier und einen 24-jährigen, in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geborenen Mann mit deutscher Staatsbürgerschaft.
Welcher konkreter Vorwurf den beiden Männern gemacht wird, teilte das LKA zunächst nicht mit. Auch ob und wann sie einem Haftrichter vorgeführt werden sollen, war am Freitagnachmittag unklar. Die Verdächtigen lebten den Angaben zufolge zuletzt in Nordrhein-Westfalen und standen schon länger unter Beobachtung. Es bestehe aber nicht der Verdacht, dass sie das Flugzeug hätten entführen wollen, sagte eine Sprecherin.
Möglicherweise auf dem Weg nach Pakistan
Wie die Ermittler auf die Spur der Männer kamen, wollte das LKA ebenfalls nicht bekanntgeben. Die Behörde machte auch keine Angaben zum Reiseziel der Männer. Der Berliner "Tagesspiegel" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass sie über Amsterdam nach Pakistan hätten reisen wollen. Das Blatt identifizierte den Deutschen als Omar D. und den Somalier als Abdirazak B. Somalia ist eines der ärmsten Länder der Erde. Bei Kämpfen von Islamisten gegen die Regierung und ihre Verbündeten aus Äthiopien kamen allein in diesem Jahr Tausende Menschen ums Leben.
Die beiden Männer wurden am Freitag um 6.55 Uhr festgenommen, zehn Minuten vor dem geplanten Start des Regionalflugzeuges vom Typ Fokker 50. Der KLM-Flug 1804 startete schließlich mit Verzögerung um 8.24 Uhr. Die Festnahme lief von den übrigen Passagieren im Ankunfts- und Abflugsbereich weitgehend unbemerkt ab. Laut Flughafen war die Bundespolizei an der Festnahme beteiligt.
Keine Verbindung zu Sauerländer Zelle
Die Gesellschaft KLM erklärte, nach der Festnahme der beiden Männer hätten auch die 46 anderen Passagieren das Flugzeug verlassen müssen. Das gesamte Gepäck wurde ausgeladen und die Passagiere musste ihres identifizieren, um herauszufinden, ob die Terrorverdächtigen mit Gepäck unterwegs waren.
Laut Bundesanwaltschaft gibt es bisherigen Erkenntnissen zufolge keine Verbindung zwischen den beiden Festgenommenen zur Sauerländer Terrorzelle, die Anschläge in Deutschland geplant haben soll und im September 2007 aufgeflogen war, wie Sprecher Frank Wallenta sagte. Die Bundesanwaltschaft werde kein Ermittlungsverfahren aufnehmen.
Regierung: Unveränderte Sicherheitslage
Erst am Donnerstag wurden zwei mutmaßliche Terroristen zur öffentlichen Fahndung ausgeschrieben. Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt suchen nach Eric Breininger und Houssain Al Malla, die zum Umfeld der Sauerländer Terrorzelle zählen. Sie befinden sich möglicherweise nach einem Aufenthalt in Terrorcamps auf dem Weg zurück nach Deutschland. Die Bundesanwaltschaft erklärte, es bestehe kein Zusammenhang zwischen den beiden Festgenommenen und den beiden gesuchten Islamisten.
Die Bundesregierung sprach von einer unveränderten Sicherheitslage in Deutschland. Es gelte weiterhin, dass Deutschland im "Fadenkreuz des Terrorismus" stehe, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf lobte die Zusammenarbeit von Ländern und Bund bei der Terrorbekämpfung.
(AP, N24)
26.09.2008 16:54 Uhr







