Chinesischer Milchskandal
Verseuchte Bonbons auch in Deutschland
Auch in Deutschland wurden jetzt mit Melamin verseuchte Bonbons gefunden. In den Niederlanden tauchten Kekse mit der giftigen Chemikalie auf.
Nach dem Milchskandal in China sind in Baden-Württemberg mit der Industriechemikalie Melamin verseuchte Milchbonbons aufgetaucht. Das Verbraucherministerium in Stuttgart warnte am Mittwoch vor dem Verzehr der Weichkaramellen der Marke "White Rabbit". Der chinesische Hersteller Guanshengyuan und der niederländische Vertreiber Liroy B.V. hätten den Verkauf gestoppt und die Süßigkeit weltweit zurückgerufen. Durch die Chemikalie, die in der Industrie als Bindemittel benutzt wird, sind nach offiziellen Angaben in China mehr als 50.000 Säuglinge an Nierensteinen erkrankt. Vier Todesfälle sind bestätigt.
Nach einer ersten Risikoabschätzung bestehe beim Verzehr einzelner Bonbons keine Gesundheitsgefahr, wie dies bei Säuglingsnahrung in China der Fall war. Dennoch wurde Verbrauchern vorsorglich empfohlen, die Süßigkeit nicht zu essen. Melamin sei den Bonbons beigemischt worden, um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen, hieß es in Stuttgart. Nach Angaben der "Stuttgarter Nachrichten" wurde die betroffene Ware in einem Stuttgarter Asia-Shop entdeckt. Die Analyse habe ergeben, dass die Bonbons mit Melamin belastet sind.
Schon 20 Firmen betroffen
In China weitet sich der Milchskandal unterdessen immer weiter aus. Mindestens 20 chinesische Firmen sind nach neuesten Erkenntnissen in den Skandal verwickelt. Die Behörden in Peking benannten am Mittwoch 15 weitere Unternehmen, in deren Lebensmittelproben Rückstände der Chemikalie Melamin entdeckt worden seien. In den meisten Fällen habe es sich dabei um Molkereiprodukte für Erwachsene gehandelt. Die Konzentration des Melamins schwankte den Angaben zufolge erheblich.
In China sind mindestens vier Säuglinge an Melamin-versuchtem Milchpulver gestorben. Rund 54.000 Babys zogen sich Nierenerkrankungen zu, mehr als 13.000 von ihnen mussten stationär behandelt werden. Bislang wurde im Zusammenhang mit dem Skandal 27 Personen festgenommen.
Melamin in Keksen
In den Niederlanden wurden in importierten Keksen aus China geringe Spuren von Melamin gefunden, wie die Lebensmittelkontrollbehörde in Amsterdam mitteilte. Die beanstandeten Produkte der Marke "Koala" seien aus den Regalen genommen worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand nach dem Genuss der Kekse erkrankt sei, sei jedoch "äußerst gering", erklärte die Behörde.
Auch in Australien wurden "Koala"-Kekse vom Markt genommen - wie auch schon in den chinesischen Sonderzonen Hongkong und Macau. Zuvor waren in Australien bereits Bonbons wegen Melamin-Bestandteilen konfisziert worden. Aus demselben Grund rief das britische Unternehmen Cadbury am vergangenen Montag eine seiner Schokoladensorten zurück.
(AP, dpa, N24)
01.10.2008 18:18 Uhr








