In Krisenzeiten

Anleger suchen Schutz bei der Sparkasse

Run auf die Sparkassen: Viele verunsicherte Anleger bringen ihr Geld zu den nicht-privaten Geldinstituten. Die Einlagen sind seit Ende September um mehr als eine Milliarde Euro gestiegen.

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In Krisenzeiten vertrauen Anleger auf die Sparkasse. Die Einlagen sind um mehr als eine Milliarde Euro gestiegen.
Video: Wegen Finanzkrise - Starker Zulauf bei Sparkassen
Bei der globalen Finanzkrise haben sich Dutzende Banken gnadenlos verzockt. Hier die größten "Milliardengräber":
Zwar wurden für die Münchner Hypo Real Estate ein Milliarden-Hilfspaket geschnürt, abschreiben musste der im DAX gelistete Hypothekenfinanzierer bisher aber lediglich 1,2 Milliarden Dollar.
Die Commerzbank verbuchte bisher Abschreibungen von 2,3 Milliarden Dollar.
Die Landesbank Sachsen, ehemals Sachsen LB, musste aufgrund der Finanzkrise und der Verwicklung ihrer irischen Zweckgesellschaften in diese 2,6 Milliarden Dollar abschreiben.
Bei der DZ Bank sind es bisher 2,7 Milliarden Dollar.
Bei der HSH Nordbank, einer Landesbank und Namensgeber der Hamburger Fußball-Arena, summieren sich die Abschreibungen auf 3,6 Milliarden Dollar.
Die von der Commerzbank übernommene Dresdner Bank ist mit Abschreibungen von 4,0 Milliarden Dollar in die globale Finanzkrise verwickelt.
Die Düsseldorfer WestLB ist derzeit auf Partnersuche, weil sie allein die finanzielle Krise wohl nicht überwinden kann. Einer der Auslöser der kostenintensiven Turbulenzen: Abschreibungen von 4,6 Milliarden Dollar.
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) "verbrannte" aufgrund der Finanzkrise 4,8 Milliarden Dollar.
Lediglich bei der BayernLB schlagen unter den deutschen Landesbanken mit bisher 7,0 Milliarden Dollar noch höhere Abschreibungen ins Kontor.
Bei der belgisch-niederländischen Fortis sind die Gläser längst leer: Das Finanzinstitut kam auf Abschreibungen von 7,2 Milliarden Dollar und wurde mittlerweile verstaatlicht bzw. zu Teilen verkauft..
Das britische Finanzinstitut Barclays, das Teile der insolventen Investmentbank Lehman Brothers geschluckt hat, kommt bisher auf Abschreibungen von 7,8 Milliarden Dollar.
9,0 Milliarden Dollar an Abschreibungen stehen bei der französischen Großbank Credit Agricole zu Buche.
Die US-Bank Wells Fargo kämpft derzeit mit der Citigroup um den Konkurrenten Wachovia. 60 Milliarden Dollar sind als Übernahmepreis im Gespräch. Abschreibungen wegen der Finanzkrise von 10,0 Milliarden Dollar sind da fast "Peanuts".
Credit Suisse: 10,5 Milliarden Dollar
Deutschlands Branchenprimus Deutsche Bank, mittlerweile bei der Postbank eingestiegen, schrieb bisher in der seit mehr als einem Jahr dauernden Finanzkrise ebenfalls 10,5 Milliarden Dollar ab.
158 Jahre Banken-Tradition für die Katz: Das US-Investmenthaus Lehman gehört zu den Instituten, die nicht gerettet wurden. 18,8 Milliarden Dollar an Abschreibungen muten bei einem angeblichen Schuldenstand von rund 700 Milliarden Dollar recht niedrig an.
Großbritannien hat mittlerweile die Staatsschatulle aufgemacht und greift den größten Banken des Landes mit Milliarden-Krediten unter die Arme. Die Royal Bank of Scotland ist auch darunter. Ihre Abschreibungen belaufen sich auf 13,8 Milliarden Dollar.
Und nun in die Top Ten: Die Düsseldorfer IKB erwischte die Finanzkrise als eine der ersten deutschen Banken. Bis heute schrieb die Mittelstandsbank 15 Milliarden Dollar ab - soviel wie kein anderes deutsches Institut.
Auf immerhin 15,7 Milliarden Dollar bringt es die US-Investmentbank Morgan Stanley.
Trotz Abschreibungen von 18,8 Milliarden Dollar ist das US-Institut J.P. Morgan Chase einer der wenigen Gewinner der Finanzkrise: Gekauft wurden zu Schnäppchenpreisen unter anderem Bear Stearns und weite Teile der größten US-Sparkasse Washington Mutual.
Ähnliches hat auch die Bank of America gemacht - trotz abgeschriebenen, also wertberichtigten 21,2 Milliarden Dollar. BoA ist Eigentümer der Investmentbank Merrill Lynch. Der Kaufpreis: geschätzte 50 Milliarden Dollar.
Zu den Verlierern zählt Wachovia. Die US-Bank wird ihre Selbstständigkeit einbüßen und entweder bald zur Citigroup oder zu Wells Fargo gehören. Abschreibungen: 22,7 Milliarden Dollar.
Großbritanniens größtes Finanzinstitut HSBC - eine der größten Banken weltweit - meldete bisher Abschreibungen von 27,4 Milliarden Dollar.
Mit Abschreibungen von 44,2 Milliarden Dollar hat die Schweizer UBS zu kämpfen.
Und nun zu den drei größten Miliarden-Verzockern in der Finanzkrise: Rang drei belegt Washington Mutual (USA) mit 45,6 Milliarden Dollar.
Platz zwei geht an Merrill Lynch mit 52,2 Milliarden Dollar, und ...
... die höchsten Wertberichtigungen weist bisher die US-Bank Citigroup mit 55,1 Milliarden Dollar auf.
Video: Investieren in Gold - Worauf Sie achten müssen

Die deutschen Sparkassen profitieren anscheinend von der weltweiten Finanzmarktkrise. Wie die "Bild"-Zeitung vorab unter Berufung auf eine Umfrage bei mehreren großen Instituten berichtet, sind die Einlagen bei den Sparkassen seit Ende September um mehr als eine Milliarde Euro gestiegen.

Allein die Hamburger Sparkasse habe ein Plus um 500 Millionen Euro verzeichnet, sagte Firmenchef Harald Vogelsang dem Blatt. Das Geld stamme von Alt- und Neukunden. "Allein seit Montag haben wir mehr als 500 neue Kunden gewonnen", sagte Vogelsang. Besonders Sparkonten und Termineinlagen seien gefragt.

Auch die Sparkassen in anderen großen Städten verwalten dem Blatt zufolge immer mehr Geld. Bei der Sparkasse Köln stiegen die Einlagen um 355 Millionen Euro. Bei der Düsseldorfer Sparkasse beträgt das Plus innerhalb der vergangenen zwei Wochen 200 Millionen Euro. Ein Banksprecher sagte der Zeitung, damit seien die Einlagen in nur zwei Wochen so stark gestiegen wie im gesamten Jahr 2006. Die Sparkasse München verwalte 149 Millionen Euro mehr als Ende September, die Sparkasse Frankfurt/Main 51 Millionen Euro, schrieb das Blatt.

Auch die Institute Berlin und Leipzig hätten nach eigenen Angaben Zuwächse bei den Einlagen registriert. Der Präsident des Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverbandes, Thomas Mang, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Sparkassen in Deutschland verzeichneten seit Tagen spürbare Einlagenzuwächse. Mang wertete dieses Kundenverhalten als Vertrauensbeweis und warnte vor Panik. Allerdings könne eine leichte Verteuerung der Kredite als Folge der Finanzkrise nicht ausgeschlossen werden.

(ddp, N24)

10.10.2008 07:23 Uhr

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