Stolz «wie Oscar» dürfen neben Hollywood diesmal ungewöhnlich viele europäische Stars und ein wenig auch wieder Deutschland sein.
Der brutale US-Westernthriller «No Country for Old Men» war bei der glitzernden 80. Oscar-Gala in Hollywood in der Nacht zum Montag der große Sieger - mit gleich vier Trophäen, darunter als bester Film und für die beste Regie. Insgesamt hatten aber Schauspieler und Kreative aus Europa in vielen Kategorien die Nase ganz weit vorn. Den Auslands-Oscar gewann das deutsch-österreichische KZ-Drama «Die Fälscher» des österreichischen Regisseurs Stefan Ruzowitzky (46), nachdem im vergangenen Jahr der deutsche Stasi-Film «Das Leben der Anderen» in dieser Kategorie triumphiert hatte.
Ebenfalls mit einem Oscar geehrt wurden die ZDF/ARTE-Produktionen «Taxi to The Dark Side /Taxi zur Hölle» als bester Dokumentarfilm und «Peter und der Wolf» in der Kategorie animierter Kurzfilm.
Als Sieger des Abends konnten sich die amerikanischen Autorenfilmer Joel und Ethan Coen freuen. Ihr Streifen «No Country for Old Men» bekam auch den Oscar als bestes Drehbuch nach einer Romanvorlage, und der Spanier Javier Bardem wurde als bester Nebendarsteller geehrt. Der 38-Jährige brilliert hier als psychopathischer Killer, der seine Opfer am liebsten mit einem Bolzenschussgerät zur Strecke bringt. Für Buch und Regie hatten die Brüder Coen bereits 1997 mit «Fargo» Oscars gewonnen.
Ruzowitzky holte mit den «Fälschern» den ersten Oscar überhaupt in die Alpenrepublik. In seiner Dankesrede meinte er: «Hier in Hollywood haben so viele großartige österreichische Filmemacher gearbeitet, ich denke an Billy Wilder, Fred Zinnemann, Otto Preminger. Die meisten von ihnen mussten mein Land wegen der Nazis verlassen, darum macht es Sinn, dass der erste österreichische Film, der einen Oscar gewinnt, von den Verbrechen der Nazis handelt.» «Die Fälscher» sind je zur Hälfte von Deutschland und Österreich finanziert.
Studio Babelsberg, wo der Film gedreht wurde, gratulierte sich selbst mit dem Satz: «And the Oscar goes to ... Babelsberg.». Der Oscar ist nach Ansicht der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten auch eine Auszeichnung für das Lebenswerk des KZ-Überlebenden Adolf Burger. Der 90-Jährige, auf dessen Erinnerungen der Film basiert, sei bis heute unermüdlich als Zeitzeuge unterwegs, um Jugendlichen seine Lebensgeschichte zu erzählen, sagte Stiftungssprecher Horst Seferens.
Burger und rund 140 weitere jüdische Häftlinge mussten während des Zweiten Weltkrieges für die Nazis im KZ Sachsenhausen bei Berlin über 130 Millionen falsche englische Pfund- Noten, Briefmarken, Reisepässe und einige Dollarnoten herstellen. Mit den «Blüten» sollte die Wirtschaft des deutschen Kriegsgegners geschwächt werden. Am 9. März ist in der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg eine Veranstaltung zur Oscar-Verleihung geplant. Dann soll der Film, der bereits vor einem Jahr auf der Berlinale präsentiert wurde und seitdem in Deutschland lediglich 60 000 Kinobesucher anlockte, erneut gezeigt und der Originalschauplatz besichtigt werden.
Sämtliche Darsteller-Oscars wanderten in die Hände von Europäern: Der in Irland lebende Brite Daniel Day-Lewis (50) wurde erwartungsgemäß für die Hauptrolle in dem Drama «There Will Be Blood» geehrt. Für ihn ist es nach der Auszeichnung 1990 für «Mein linker Fuß» der zweite Oscar seiner Karriere. Die Französin Marion Cotillard konnte zwei Tage nach dem französischen César überraschend auch noch den Oscar als beste Schauspielerin in Empfang nehmen. Die 32-Jährige verkörpert in dem Film «La vie en rose» die legendäre Sängerin Edith Piaf. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy gratulierte zur «meisterhaften» Interpretation der Rolle. «Ich hatte schon immer davon geträumt, große Rollen zu spielen, und diese war gewaltig», sagte Cotillard. Die Britin Tilda Swinton (47) erhielt den «Goldjungen» als beste Nebendarstellerin in dem Thriller «Michael Clayton». Seit 1965 seien die US-Stars bei den Oscars nicht dermaßen leer ausgegangen, bemerkte das Branchenblatt «Hollywood Reporter».
Auch viele andere Kreativpreise würdigten europäische Künstler. Der beste Song kommt aus dem irischen Straßenmusikfilm «Once», der Dubliner Glen Hasard und die Tschechin Marketa Irglova sangen ihn auf der Bühne. Soundtrack, Make-up und Ausstattung gehörten zu anderen europäischen Domänen.
Zum besten Animationsfilm des Jahres kürten die Mitglieder der Filmkunst-Akademie den in Frankreich spielenden Kinohit «Ratatouille», eine Disney-Produktion.
Rein zahlenmäßig schnitt auch «Das Bourne Ultimatum» hervorragend ab: Der Action-Thriller sammelte drei Preise für Filmschnitt, Tonschnitt und Tonmischung. Für die besten Spezialeffekte wurde der Fantasy-Film «Der Goldene Kompass» ausgezeichnet.
Zu den Verlierern des Abends gehörte der amerikanische Regisseur Paul Thomas Anderson, dessen düsteres Drama «There Will Be Blood» nach acht Nominierungen nur zwei Oscars holte. Für die beiden gleich sieben Mal nominierten Produktionen «Michael Clayton» mit George Clooney und «Abbitte» blieb am Ende jeweils nur ein Gewinn.
Bei der Party des österreichischen Konsuls Martin Weiss in Los Angeles nach der Oscar-Vergabe versicherte Ruzowitzkys Frau, dass die Familie mit ihren beiden Kindern nicht von Wien nach Hollywood umziehen werde: «Beruflich wird es Stefan natürlich Türen öffnen, die sich sonst nie geöffnet hätten. Aber wir haben nicht etwa vor auszuwandern, das bleibt alles beim Alten, ganz "Down to Earth"».
(DPA)
25.02.2008 15:37 Uhr








