Tod bei Autounfall

Österreich trauert um Jörg Haider

Politiker und Landsleute haben auf den Tod des österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider betroffen reagiert. Vor seinem Amtssitz in Kärnten legten Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

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Mit tiefer Betroffenheit hat die Kärntner Bevölkerung auf den Unfalltod von Jörg Haider reagiert. Die Menschen legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an.
Video: Unfalltod - Jörg Haider stirbt in seinem Wagen
Video: Jörg Haider verunglückt - Am Telefon: Friedrich Hrast, Polizei Klagenfurt
Rechtspopulist, knallharter Taktiker und äußerst umstrittener Politiker: Der Kärntner Landeshauptmann und frühere Vorsitzende der rechtsgerichteten Partei FPÖ Jörg Haider hat die politische Rechte in Österreich salonfähig gemacht.
In der Nacht vom 11. Oktober 2008 kam er bei einem Autounfall ums Leben. Haider war allein in seinem Dienstwagen unterwegs, als er in der Nähe von Klagenfurt beim Überholen von der Straße abkam…
… und gegen einen Betonpfeiler prallte. Anschließend überschlug sich das Auto. Haider erlitt schwerste Verletzungen im Kopf- und Brustbereich und starb noch am Unfallort. Nach Polizeiangaben hatte er keine Überlebenschance.
Der 58-Jährige, der neben seiner Frau Claudia zwei erwachsene Töchter hinterlässt, war auf dem Weg nach Hause ins Bärental in der Gemeinde Feistritz. Dort war eine große Familienfeier anlässlich des 90. Geburtstages seiner Mutter geplant.
Über Jahrzehnte hat der stets braun gebrannte und smarte Politiker das politische Bild der Alpenrepublik mitgeprägt – und ihr seinen rechten Stempel aufgedrückt.
Seine politischen Äußerungen - vom Lob der NS-Beschäftigungspolitik bis zur Forderung nach elektronischen Fußfesseln für Asylbewerber – sorgten regelmäßig für Empörung. Und das weit über die Grenzen Österreichs hinaus.
In den vergangen Jahren war Haider als Landehauptmann (entspricht dem Ministerpräsidentenamt) von Kärnten tätig. Damit hatte er sich weitgehend aus der österreichischen Bundespolitik zurückgezogen.
Stoff für Schlagzeilen hatte er aber immer wieder geliefert: Etwa durch ein Bauverbot für Moscheen mit Minaretten oder durch die eigenmächtige Ausweisung von Asylbewerbern in die benachbarten Bundesländer.
Bei der Parlamentswahl Ende September war er dann wieder in Erscheinung getreten: Als Spitzenkandidat seiner bislang eher erfolglosen Partei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) fuhr er rund elf Prozent ein …
… und verdoppelte damit das Ergebnis seiner Partei. Geprägt hat er das politische Österreich aber als Vorsitzender der rechten Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ).
1999 holte der damalige Kanzler Wolfgang Schüssel von der konservativen Volkspartei (ÖVP) die FPÖ in eine Koalitionsregierung, …
… was erstmals in der Geschichte der Europäischen Union Sanktionen der EU-Partnerländer gegen einen Mitgliedsstaat auslöste und vorübergehend zur politischen Isolation Österreichs führte.
Haider übernahm damals aber kein Amt in der Regierung und agierte als Strippenzieher im Hintergrund, hier auf einer Pressekonferenz 1995 mit dem Pressesprecher der Partei, Peter Westenthaler (l).
Dennoch löste die Mitregierung der FPÖ in der Öffentlichkeit des eigenen Landes heftige Protest aus, wie hier bei einer anti-rassistischen Demonstration der FPÖ-Gegner 1999 in Wien …
… oder im österreichischen Nachrichtenmagazin „News“: Es verglich Haider 2000 auf seinem Cover mit Adolf Hitler.
Nach einem internen Parteistreit und Auseinandersetzungen mit seinem politischen Ziehsohn Heinz-Christian Strache (r.) löste sich Haider von der FPÖ und ging eigene Wege mit der Gründung des BZÖ.
Seit 1977, als er als FPÖ-Landesparteisekretär hauptberuflich in die Politik einstieg, hat Jörg Haider eine steile Karriere hingelegt.
Politische Beobachter schätzen ihn als gewieften Taktiker und erfahrenen Populisten ein, der in seinem Handeln aber oft auch als völlig unberechenbar galt.
Immer wieder brach er mit seinen Äußerungen Tabus und sicherte sich so auch die extrem rechte Wählergunst.
Seine Kritik an der Regierungspartei 1991 lautete beispielsweise: "Im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal ihre Regierung in Wien zusammenbringt."
Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider kam bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben.

Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider ist tot. Der 58-jährige Kärntner Landeshauptmann (Ministerpräsident) und Chef der rechten Partei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) kam in der Nacht zum Samstag mit seinem Dienstwagen in Klagenfurt von der Straße ab und überschlug sich mehrmals. Er starb noch am Unfallort.

Die Ursache des Verkehrsunfalls war nach Polizeiangaben zunächst nicht klar. Politiker aller Couleur trauerten in Österreich um Haider und sprachen der Familie ihr Beileid aus.

Haider war kurz nach ein Uhr morgens allein auf der Heimfahrt von einer Feier, als er nach dem Überholen eines anderen Fahrzeugs mit seiner Dienstlimousine von der Straße abkam. Der Wagen prallte gegen mehrere Hindernisse, überschlug sich und kam völlig zerstört wieder auf der Straße zum Stehen. Haider hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter.

Fuhr Haider zu schnell?

Nach ersten Einschätzungen von Polizisten war Haider mit seinem Wagen deutlich schneller unterwegs als die auf der Strecke erlaubten 70 Stundenkilometer. Er sei zum Zeitpunkt des Unfalls angeschnallt gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

Der medizinische Direktor des Landeskrankenhauses Klagenfurt, Thomas Koperna, sagte, der Politiker habe schwerste Verletzungen erlitten, darunter einen Bruch der Halswirbelsäule. Die Ärzte hätten ihm nicht mehr helfen können.

Haiders Leiche soll obduziert werden, die Ergebnisse werden für den Sonntag erwartet, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Auch aus der Untersuchung des Autowracks konnten Experten am Samstagabend noch keine Schlüsse ziehen.

Haider: Taktiker und Stimmungsmacher

Der Rechtspopulist hatte die Politik in Österreich und auch das Bild des Landes im Ausland in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend geprägt. Er galt als gewiefter Taktiker und Stimmungsmacher und provozierte immer wieder mit rechten Äußerungen.

Zuletzt hatte er bei der österreichischen Parlamentswahl am 28. September mit seinem BZÖ Erfolge gefeiert: Als Spitzenkandidat holte Haider für seine von der Freiheitlichen Partei (FPÖ) abgespaltene Partei starke Zuwächse und kam auf rund 11 Prozent.

Haider sei ein Politiker mit Begabungen und großen Talenten gewesen, auch wenn er nicht unumstritten gewesen sei, sagte Bundespräsident Heinz Fischer.

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer von der sozialdemokratischen SPÖ erklärte: "Als langjähriger Landeshauptmann hat Jörg Haider nicht nur die Kärntner Politik entscheidend beeinflusst, sondern auch die gesamte österreichische innenpolitische Landschaft über Jahrzehnte hinweg geprägt."

Trauer und Tränen

Haiders Vize im Parteivorsitz, Stefan Petzner, brach mehrfach öffentlich in Tränen aus und sprach von einem "Weltuntergang". Haider sei mit ihm am Freitagabend noch bei einer Feier gewesen und habe sich dann auf den Heimweg in die Gemeinde Freistritz gemacht.

Dort habe er am Wochenende mit seiner ganzen Familie den 90. Geburtstag seiner Mutter nachfeiern wollen. Haiders Stellvertreter als Landeshauptmann, Gerhard Dörfler, sagte, die Sonne sei in Kärnten "vom Himmel gefallen".

Vor Haiders Amtssitz in Kärnten legten Menschen Blumen und Briefe nieder und zündeten Kerzen an. In dem Bundesland wurde Trauerbeflaggung angeordnet. Die Kärntner Landesregierung kam am Nachmittag zu einer Trauersitzung zusammen, für Sonntagabend ist ein öffentlicher Gottesdienst für Haider im Klagenfurter Dom angekündigt.

Europas Rechte nimmt Anteil

Auch rechtsgerichtete Kräfte im Ausland reagierten auf den Tod Haiders: In Belgien bezeichneten Politiker der offen ausländerfeindlichen Flamenpartei Vlaams Belang (VB) Haider als Vorbild und Modell eines modernen, zeitgenössischen erfolgreichen rechtsnationalen Politikers. Er habe wie kein anderer einer schweigenden Mehrheit in der Bevölkerung eine Stimme verliehen, ließ VB-Vorstandsmitglied Filip Dewinter mitteilen.

"Mit Haider verliert Österreich einen großen Europäer, einen unermüdlichen Kämpfer für das Europa der Völker gegen das zentralistische Europa Brüssels", sagte der Europa-Parlamentarier und Spitzenpolitiker der rechtsgerichteten Lega Nord in Italien, Mario Borghezio. Haider sei ein Politiker gewesen, der "der ungerecht von den dummen Dienern des heuchlerischen Antirassismus verleumdet worden ist", zitiert die APA den Politiker.

(dpa, N24)

11.10.2008 19:59 Uhr

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