Kleckern oder Klotzen?

Auto-Knigge für Geschäftsreisende

Andere Länder andere Sitten. Diese Weisheit gilt nicht nur für Garderobe und Tischkultur, sondern auch den fahrbaren Untersatz.

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Sieht so britisches "Understatement" aus?

Anstand und Benehmen definiert das Wörterbuch der Boshaftigkeiten als jenes Verhalten, das man übt, wenn man allein ist. Damit Benehmen in fremder Gesellschaft nicht zur Glückssache gerät, sollte man wissen, was beispielsweise jenseits der Landesgrenzen üblich ist oder erwartet wird. Das gilt für die Garderobe ebenso wie für Tischkultur oder - das Auto.

Was man tun und - vor allem - lassen sollte, hat die Autovermietung Europcar in Hamburg in einem Businessknigge zusammen gestellt. Einer der Schwerpunkte des Online-Kompendiums sind Verkehrsregeln und nützliches Wissen rund ums Autofahren in den verschiedenen Ländern. "Der Knigge bündelt die länderspezifischen Kenntnisse unserer Mitarbeiter aus unseren europäischen Verbundländern", skizziert Europcar-Geschäftsführer Philippe Guyot den Nutzwert. Die Mitarbeiter seien mit Land und Leuten bestens vertraut und könnten deutschen Geschäftsreisenden wertvolle Tipps geben.

In Frankreich beispielsweise besitzen Autos keinen so hohen Stellenwert wie in Deutschland. Sie sind Gebrauchsgegenstand. Selbst in der Geschäftswelt gilt das Motto "Weniger ist Mehr". Aber auch aufgrund der Parkplatzsituation empfiehlt sich ein kleineres Auto. "Nichts wirkt weniger souverän, als wenn ein deutscher Besucher sich verspätet, weil er mit einem großen Auto ewig nach einem Parkplatz sucht", warnt das Benimm-Werk und empfiehlt zudem: "Planen Sie für die Anfahrt zu Ihren Terminen ausreichend Zeit ein; gerade in großen Städten wie Paris sind die Straßen oft verstopft." Besonders wird deutschen Autofahrern ans Herz gelegt, sich an die vorgeschriebenen Tempolimits zu halten. Im linksrheinischen Nachbarland wird seit einiger Zeit gnadenlos geblitzt.

In den Niederlanden lieber aufs fahrrad umsteigen?

Ziemlich sauer und ebenfalls mit drakonischen Geldstrafen reagieren die Niederländer auf die Missachtung eines Tempolimits. Besonders rücksichtsvoll sollte man sich beim Autofahren gegenüber Fahrradfahrern verhalten; Radfahren ist in den Niederlanden äußert beliebt. Selbst höher gestellte Manager wählen - zumindest innerstädtisch - das Fahrrad als Verkehrsmittel oder bei weiteren Distanzen die Bahn. Insgesamt gilt das Auto nicht als Statussymbol. "Einen Porsche-Schlüssel auf dem Tisch werden Ihre Geschäftspartner eher mit amüsiertem Spott als mit Bewunderung quittieren", resümierte der Knigge.

Ganz anders ist dies in Italien. "Beim Mittagessen kann gern der Autoschlüssel auf den Tisch gelegt werden, da sich Italiener gern über Autos unterhalten", wissen die Autoren des Benimm-Werkes. Weitaus mehr Zurückhaltung in puncto Autoschlüssel empfehlen sie beim Parken. "Lassen Sie auf keinen Fall Ihren Fahrzeugschlüssel oder Wertsachen im Auto liegen, auch nicht für wenige Minuten", warnen sie wohl nicht grundlos. Und auf eine weitere Besonderheit weisen sie hin: "Weiblicher Begleitung sollte unbedingt die Fahrzeugtür geöffnet werden, bei Männern kommt dies weniger gut an."

In Großbritannien zählt Understatement

Andere Tabus sollte man bei einem Besuch Russlands kennen. Dort gelten öffentliche Verkehrsmittel für einen Geschäftsmann als wenig passend. Angesagt sind entsprechend Privatwagen oder Taxi. Letzteres empfiehlt sich wohl auch angesichts einer weiteren Gepflogenheit. "Nippen Sie nicht am Wodka, sondern leeren Sie Ihr Glas in einem Zug", rät der Länderknigge, womit dann anschließend wohl eher das Taxi für die Rückfahrt zum Einsatz kommt.

Als landestypische Maxime bei einem geschäftlichen Besuch Großbritanniens gilt zu beachten, dass im Vereinigten Königreich "Understatement" zu den Kardinaltugenden zählt. Das gelte auch für Autos, mahnen die Knigge-Autoren. Diese sollten nie den Eindruck erwecken, dass man zu viel Geld habe. Weitaus weniger Zurückhaltung legen allerdings die Briten bei einer ganz anderen Gelegenheit an den Tag. Bei Autoanmietungen an englischen Flughäfen muss der Kunde aus Sicherheitsgründen einen Fingerabdruck hinterlassen. Allerdings, beruhigt der Knigge, würden die Daten nach der Mietzeit wieder gelöscht.

(N24)

14.10.2008 09:42 Uhr

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