Das World Wide Web verändert die Politik in den USA. Vor allem in der heißen Wahlkampfschlussphase ist eine massive Internetpräsenz ein entscheidender Machtfaktor.
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Kaum ein Tag vergeht ohne Post von Barack. Seinen Familiennamen Obama lässt der US-Präsidentschaftskandidat in den Massen-E-Mails an Millionen Anhänger weg, seine Amtsbezeichnung als Senator sowieso. Es geht betont familiär zu in der virtuellen Massenbewegung, als deren Anführer sich der 47-jährige Senator aus Illinois etabliert hat.
Obamas Internetpräsenz ist ein echter Machtfaktor: "Der eigentliche Kern von Obamas Story ist, dass er das Internet als umfassende Wahlkampfstrategie einsetzt", sagt Michael Malbin vom Campaign Finance Institute in Washington: "Er wirbt nicht nur Wahlkampfspenden an, sondern organisiert eine Freiwilligen-Bewegung. "Millionen machen mit und dürften dauerhaft die Art ändern, wie in den USA Wahlkampf betrieben wird."
Obamas massenhaft verschickte Mails sind nur der sichtbarste Teil seines Netz-Imperiums. Gestützt auf ein Heer von Kleinspendern im Internet nahm Obama bislang an die 600 Millionen Dollar Spendengeld ein. Mehr als 2,7 Millionen Anhänger haben sich auf seinen Seiten auf den populären Netzwerk-Plattformen MySpace und Facebook registriert. Dort organisiert sich seine Basis, die vor Ort die Kärrnerarbeit machen: Über interaktive Formate lassen sich Einladungen zu Obama-Partys in Privathäusern ebenso finden wie die Adressen von Nachbarn, die vielleicht zur Stimmabgabe für ihn überredet werden können.
Verringerte Distanz zwischen Wählern und Politikern
Obamas Netz-Basis ist vier Mal größer als die seines republikanischen Rivalen John McCain.
"Wenn Barack Obama die Präsidentschaft gewinnt, wird das zu keinem kleinen Teil daran liegen, dass er das Medium besser verstanden hat als seine Gegner", urteilt der Internet-Journalist Marc Ambinder vom Magazin "The Atlantic". Mit seiner E-Mail-Liste, die die Namen von Millionen Wählern umfasst, verringert Obama die Distanz zwischen Wählern und Politikern: Er spricht direkt mit der Basis und umgeht dabei kurzerhand die klassischen Medien wie Presse und Fernsehen. Obamas Netzwerke sind die wahlkampftechnische Entsprechung seiner Parole vom grundlegenden politischen Wandel: Mit seiner gut organisierten Netz-Basis stünde einem Präsidenten Obama auch ein Gegengewicht zur eingefahrenen Parteipolitik in Washington zur Verfügung.
"Die Obama-Kampagne war sehr effizient dabei, zu experimentieren und die neuen Web-Technologien einzusetzen", sagt Julie Germany, Professorin an der George Washington University: "Sie haben das Internet gezielt genutzt, um Informationen über Leute zu sammeln." Die Datenbasis der Obama-Kampagne erfasst etwa, wer mit wem befreundet ist und wer sich für welche Themen interessiert. Mit diesen Informationen kann das Obama-Team sein Heer von Zehntausenden Freiwilligen steuern, die dann gezielt Kontakt zu einzelnen Wählern aufnehmen. "Das ist es, was an seiner Kampagne wirklich neu ist", sagt Internet-Experte Malbin.
Obamas Ziel: Junge Wähler zu mobilisieren
Obamas Kampagne verfolgt das erklärte Ziel, politikferne Wähler wie etwa junge Leute in großer Zahl zu aktivieren und so die Mehrheit der Stimmen gegen McCain zu holen. Sollte die netzgestützte Basisbewegung den Kandidaten am 4. November tatsächlich ins Weiße Haus tragen, könnte sich das politische Alltagsgeschäft im Weißen Haus ändern. Obama müsste möglicherweise weniger auf Lobbyisten und andere Spender achten, die eigentlich die Schmiere im US-Wahlkampfgetriebe sind. Seine Plattformen im Internet könnten ein Instrument sein, bei Unstimmigkeiten politischen Druck auf den Kongress auszuüben.
In der jüngeren US-Geschichte waren erfolgreiche Präsidenten immer auch mit einer eigenen neuen Kommunikationsstrategie verbunden: Franklin D. Roosevelt etwa wandte sich in seinen regelmäßigen "Kamingesprächen" direkt an die Bürger. Und Ex-Schauspieler Ronald Reagan nutzte die Möglichkeiten des Fernsehens aus wie niemand vor ihm.