Zahlreiche Repräsentanten europäischer Staaten und der USA haben am Dienstag der Beendigung des Ersten Weltkrieges vor 90 Jahren gedacht und an die mehr als 8,5 Millionen gefallenen Soldaten erinnert.
Auf einem deutschen Soldatenfriedhof nahe Verdun legte der französische Staatschef Nicolas Sarkozy gemeinsam mit dem deutschen Bundesratspräsidenten Peter Müller, dem Regierungschef des Saarlandes, einen Kranz nieder. Gleichzeitig feierte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der polnischen Führung in Warschau den 90. Jahrestag der Unabhängigkeit Polens. Auch in den USA wurde am «Veteranentag» mit Kranzniederlegungen an die Kriegstoten erinnert.
Auf Einladung des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski verfolgte die Kanzlerin zusammen mit 15 anderen Staats- und Regierungschefs die feierliche Wachablösung vor dem Grabmal des Unbekannten Soldaten sowie eine Militärparade. Sie sei nach Warschau gekommen, um dem polnischen Volk zum Unabhängigkeitstag zu gratulieren, sagte Merkel. Es sei ein «wunderbares Gefühl», dass sie hier als «Partner und Freund Polens» sein dürfe. Nach vielen schmerzhaften Perioden in der Geschichte stünden Polen und Deutschland heute als Partner in Europa und in der NATO zusammen, sagte Merkel.
Zu den Gedenkfeiern in Frankreich waren auch der britische Thronfolger Prinz Charles, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering gekommen. Bei einer Rede in Douaumont unweit von Verdun erinnerte Sarkozy an das unermessliche Leid der Soldaten und ihrer Angehörigen. «Wir dürfen keinen Einzigen vergessen», sagte der Präsident. Als erster französischer Staatschef gedachte Sarkozy zudem der im Ersten Weltkrieg hingerichteten Befehlsverweigerer. «Dieser totale Krieg schloss jede Nachsicht, jede Schwäche aus.»
Douaumont liegt wie der deutsche Soldatenfriedhof in Ville-devant- Chaumont nur wenige Kilometer von Verdun entfernt, der Stadt, die seit Jahrzehnten als Symbol für die Sinnlosigkeit des Krieges gilt. In der Region starben 1916 in einer 300 Tage andauernden Schlacht mehr als 300 000 Menschen.
Bürgermeister aus der ganzen Welt gedachten am Dienstag im belgischen Ypern des Endes des Ersten Weltkriegs. Sie warben bei einer Gedenkfeier für eine weltweite nukleare Abrüstung. «Wir sind besorgt, dass Atomwaffen wieder zum Einsatz kommen könnten», sagte der Bürgermeister von Hiroshima und Präsident der Organisation «Mayors for Peace», Tadatoshi Akiba. Über Hiroshima warf das US- Militär kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs die erste Atombombe ab.
US-Präsident George W. Bush wandte sich in New York auf dem historischen Flugzeugträger «Intrepid» aus dem Zweiten Weltkrieg an die Streitkräfte und ehrte die Kriegstoten mit einer Kranzniederlegung. Es war das letzte Mal, dass er als Präsident den «Veteranentag» beging, der seit 1938 in den USA ein nationaler Feiertag ist. «Ich werde es vermissen, Oberbefehlshaber einer solchen fantastischen Gruppe von Männern und Frauen zu sein», sagte er an die US-Truppen gerichtet. Auf dem Heldenfriedhof Arlington bei Washington legte US-Vizepräsident Richard Cheney am Grab des Unbekannten Soldaten einen Kranz nieder.
In Warschau nannte Staatspräsident Kaczynski den 11. November einen «Tag der Freude». Nach 123 Jahren Fremdherrschaft sei Polen damals wiedererstanden. Er hob die Vaterlandsliebe und den Patriotismus seiner Landsleute von damals hervor. «Patriotismus bedeutet nicht Nationalismus», sagte er. Der Nationalismus schöpfe aus dem Hass, der Patriotismus dagegen aus der Liebe. Patriotismus sei heute genauso notwendig wie damals, meinte das nationalkonservative Staatsoberhaupt.
Polen war seit dem Ende des 18. Jahrhunderts unter Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt. Erst der Zusammenbruch aller drei Kaiserreiche im Ersten Weltkrieg machte die Wiederherstellung des polnischen Nationalstaates möglich. Die Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit sollten am Abend mit einem Gala für rund 800 Gäste in der Nationaloper fortgesetzt werden. Zu diesem Staatsakt war Ex- Präsident und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa nicht eingeladen, worüber sich zahlreiche polnische Politiker empörten. Kaczynski und Walesa, die bis 1991 in der Gewerkschaft «Solidarnosc» eng zusammengearbeitet hatten, sind seit Jahren verfeindet. Kaczynski warf Walesa unter anderem vor, für den kommunistischen Geheimdienst spioniert zu haben.
(DPA)
11.11.2008 19:59 Uhr









