Menschenhandel

Frauen aus "Babyfabriken" befreit

Menschenhandel in Nigeria: In sogenannten Babyfabriken werden junge Frauen zur "Nachwuchszucht" gefangen gehalten, ihre Kinder verkauft: Für Opferrituale, Organspenden oder sexuellen Missbrauch.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Der Handel mit Menschen ist ein einträgliches Geschäft: Nach Schätzungen der UN werden weltweit Milliarden von Euro mit dem Verkauf von Menschen umgesetzt, mindestens zehn Kinder würden täglich allein in Nigeria verkauft.
Neue Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen im Osten der Demokratischen Republik Kongo haben erneut Tausende Menschen zur Flucht Richtung der Provinzhauptstadt von Nord-Kivu, Goma, gezwungen.
Viele der Flüchtlinge stoppen in einem Lager in der Ortschaft Kibati nur wenige Kilometer von Goma entfernt.
Die Flüchtlinge sind oft mehrere Tage unterwegs - meist ohne Essen und Trinken.
Die UN-Friedenstruppen versuchen ihr Möglichstes, um den Flüchtlingen zu helfen.
Doch es sind zu viele. Der Strom reißt nicht ab, ...
... wächst jeden Tag.
Helfer des Internationalen Roten Kreuzes versuchen auch den Menschen beizustehen.
Im Flüchtlingslager bei Kibati sind nach Medienberichten mittlerweile rund 50.000 Menschen. Ein Großteil davon Mütter...
... und ihre Kinder.
Die Versorgungssituation in dem Flüchtlingslager ist nicht die beste. Noch gibt es sauberes Wasser.
Dennoch werden die ersten Cholera-Fälle...
... gemeldet.
Die Menschen hoffen auf eine schnelle Lösung in dem Konflikt, ...
... der allerdings seit rund 15 Jahren mit mehreren Unterbrechungen andauert.
Leidtragende waren bisher immer die Zivilisten.

Schon seit geraumer Zeit beobachteten Nachbarn die Frauenklinik im nigerianischen Enugu mit Argwohn: Während des Tages herrschte gespenstische Stille, erst nachts erwachte das Krankenhaus zum Leben. Niemand war jedoch auf das vorbereitet, was eine Polizeirazzia ans Tageslicht brachte: In Enugu wurden Kinder "gezüchtet", um sie zu verkaufen. In den vergangenen Monaten deckte die Polizei ein ganzes Netzwerk solcher Kliniken in Nigeria auf - von der örtlichen Presse "Babyfarmen" oder "Babyfabriken" genannt. Die Entdeckungen werfen ein Schlaglicht auf den Menschenhandel im bevölkerungsreichsten Land Afrikas.

Schwangerschaft in Gefangenschaft

20 junge Frauen wurden bei der Razzia im Mai im Krankenhaus von Enugu im Südosten des Landes befreit. Die Polizeiaktion zielte auf einen der größten Kinderhandel-Ringe Nigerias. Jetzt steht das zweistöckige Gebäude in einer staubigen Straße des Uwani-Viertels verlassen da, die Rollläden sind heruntergelassen. "Als wir das Krankenhaus durchsucht haben, fanden wir vier Frauen, die schon bis zu drei Jahre in der Klinik verbracht hatten, um Babys zu züchten", berichtet Enugus Polizeichef Desmond Agu. Die mittellosen Teenager trugen den Ermittlungen zufolge gegen Bezahlung ein Kind nach dem anderen aus. Der Arzt habe "Jungen eingeladen, die Mädchen zu schwängern".

Den Berichten zufolge lockte der Frauenarzt außerdem ungewollt schwangere Mädchen mit der Aussicht auf eine Abtreibung in seine Klinik. Willigten die Frauen ein, wurden sie für den Rest ihrer Schwangerschaft gefangen gehalten, von Abtreibung war keine Rede mehr. Nach der Geburt erhielten sie umgerechnet rund 135 Euro für die Neugeborenen. Nach Angaben der nigerianischen Organisation gegen Menschenhandel (NAPTIP) wurden die Babys für umgerechnet 2000 bis 3000 Euro weiterverkauft. Die Klinik flog auf, als eine Frau mit einem dort gekauften einen Tag alten Baby auf dem Weg nach Lagos gefasst wurde.

Aus Angst vor Racheakten findet sich kaum eine junge Frau, die über die Zeit in der Klinik redet. Nur anonym ist eine 18-Jährige bereit, von ihrer wochenlangen Gefangenschaft zu berichten: "Sobald ich im Krankenhaus war, bekam ich eine Spritze. Ich verlor das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, merkte ich, dass ich vergewaltigt worden war." Sie habe darum gebeten, ihre Familie anrufen zu können, sei als Antwort aber nur vom Arzt ins Gesicht geschlagen worden. Mit 19 Leidensgenossinnen teilte sie sich nach ihren Worten ein Zimmer, eine weitere Vergewaltigung folgte. Eine Woche später wurde die junge Frau bei der Razzia befreit.

Handel mit Organen

Rund ein Dutzend ähnlicher "Babyfarmen" wie in Enugu wurden nach Polizei-Angaben in den vergangenen Monaten in dem afrikanischen Staat entdeckt - getarnt hinter der Fassade einer Geburtsklinik, eines Waisenhauses oder eines Obdachlosenheims. Im Oktober schlug die Polizei in einem angeblichen Kinderheim ebenfalls in Enugu zu. Nach Angaben von Anwohnern wurden sieben Schwangere und fünf Helfer herausgeführt.

2005 schlossen die Behörden ein Waisenhaus in Lagos wegen des Verdachts auf Kinderhandel. Im Müll der Einrichtung fanden die Ermittler verkohlte Babyknochen. Seitdem wird vermutet, dass dort mit Organen und Körperteilen gehandelt wurde, möglicherweise für Opferrituale oder Transplantationen. In anderen Fällen werden Babys nach Angaben von Beobachtern zur Adoption oder späteren Zwangsarbeit, Prostitution und für sexuellen Missbrauch verkauft.

Der Handel mit Menschen ist ein einträgliches Geschäft und die Dunkelziffer hoch. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden weltweit Milliarden von Euro mit dem Verkauf von Menschen umgesetzt, mindestens zehn Kinder würden täglich allein in Nigeria verkauft. "Manche Kunden wissen gar nicht, dass das kriminell ist und halten es für Adoption", sagt NAPTIP-Chef Ijeoma Okoronkwo. "Sie gehen in eine Klinik, zahlen eine Gebühr und bekommen ein Baby dafür."

(N24)

17.11.2008 07:13 Uhr

N24 in den Sozialen Netzwerken:

N24 auf Facebook N24 auf Twitter N24 auf Google+
SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Panorama