Fußballmensch XXL

Reiner Calmund wird 60

Er ist als schwergewichtiger Sprücheklopfer und Ex-Manager von Bayer Leverkusen bekannt. Inzwischen bezeichnet er sich als "Rentner mit 13 Jobs": Reiner Calmund wird am 23. November 2008 60 Jahre alt

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Reiner "Calli" Calmund war von 1976 an bei Bayer 04 Leverkusen tätig, zunächst unter anderem als Stadionsprecher. Später übernahm er den Managerposten und wurde so zum Macher des Vereins.
Fußball-bekloppt ist er schon irgendwie, doch damit gelang es Calmund, ...
... aus der grauen Maus - dem Werksklub des Bayer-Konzerns - einen attraktiven und konkurrenzfähigen Verein zu formen.
Seine Markenzeichen dabei: rheinische Frohnatur, schwergewichtig, hemdsärmelig ...
... und natürlich: große Klappe.
Dazu ist der Drei-Zentner-Mann ein bekennender Vielfraß und vor allem Stressesser, …
… der zumindest während seiner Managerzeit nicht viel für Bewegung übrig hatte.
Lieber ließ er die eigenen Kicker laufen.
Er erlebte mit Leverkusen einige große Momente, wie ...
... den Gewinn des UEFA-Cups 1988 (gemeinsam mit Trainer Erich Ribbeck, hier im Bild) und des DFB-Pokals 1993.
National blieb es bei vier deutschen Vizemeisterschaften. Eine große, aber auch bittere Stunde war zudem 2002 die Niederlage im Champions League-Finale gegen Real Madrid mit 1:2 (hier der damalige Coach Klaus Toppmöller mit Michael Ballack).
Calmund machte sich in erster Linie dank kluger Einkaufspolitik einen Namen: Er holte eben jenen Michael Ballack und kaufte als erster Manager systematisch in Brasilien ein.
So brachte er spätere Stars wie Jorginho, Lucio (im Bild), Emerson oder Zé Roberto an den Rhein.
Nach dem Mauerfall war Calmund Vorreiter bei der Verpflichtung ehemaliger DDR-Spieler. Mit dem Kauf von Stürmer Ulf Kirsten landete er sicher den größten Coup.
Für Aufmerksamkeit sorgte er aber auch immer mit seinen markigen Sprüchen, die er nach Spielende großzügig an die Fußballreporter verteilte. Hier eine Auswahl der besten Calli-Kommentare:
"Wichtig ist, dass wir auch kämpferisch überzeugen und nicht nur Eiskunstlaufen machen", sagte er vor einem Spiel gegen Bayern München.
"Bevor wir für einen Torwart 15 bis 20 Millionen Mark bezahlen, stelle ich mich selbst ins Tor."
"Wer jetzt noch von der Meisterschaft spricht, der muss ein Diplom von der Tanzschule für Traumtänzer kriegen."
"Wenn Michael Schumacher jedes Mal bei einem Wechsel auf einen anderen Kontinent so unkonzentriert arbeiten würde wie unsere Nationalspieler, dann wäre er längst tot."
"Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen" (Antwort auf die Frage, warum Bayer Leverkusen den Konkurrenten oft gute Spieler vor der Nase wegschnappte).
"Wenn kein Sprit im Tank und die Birne leer ist, läuft nichts" (Zum Leistungsvermögen von Bayer Leverkusen).
Zum Thema Trainerwechsel: "Ich habe Jürgen Gelsdorf vor die Tür gesetzt, und der war sogar mein Trauzeuge."
Und weiter: "Wenn man alle 36 Bundesligisten und deren Trainerwechsel statistisch erfassen würde, dann lägen wir mit unseren Entlassungen gefühlsmäßig auf Platz zehn."
"Wenn für Zé Roberto jemand 30 Millionen bietet, kann er sein Auto putzen und dann ab über die Alpen." (Zum Gerücht, der Brasilianer wolle Bayer verlassen).
"Zum Schluss mussten wir Markus Happe einen Kompass geben, damit er den Weg in die Kabine findet." (Über Bayers Abwehrspieler, der gegen Thierry Henry gespielt hatte).
Und einer der legendärsten Calli-Sprüche: "Unsere Chancen, das Viertelfinale zu erreichen, stehen 50:50 oder 60:60."
Im Juni 2004 gab Reiner Calmund das Manageramt bei Bayer auf, weil er den Anforderungen nach eigener Aussage mental und körperlich nicht mehr gewachsen war.
Spieler und besonders Trainer hatten dafür gesorgt, dass er einige schwere Tiefschläge hinnehmen musste: Allen voran Trainer Christoph Daum (1996-2000 Trainer in Leverkusen), …
… der mit seiner Kokain-Affäre auch Reiner Calmund als Mitschuldigen in ein schlechtes Licht in der Öffentlichkeit rückte.
Auch sportlich musste Calmund einiges verdauen, wie den Beinahe-Abstieg der Leverkusener 1996. Erst Markus Münch bewahrte Bayer mit seinem Treffer zum 1:1 gegen den FCK vor der Zweitklassigkeit.
Rastloser ist das Leben von Rainer Calmund seit 2004 nicht geworden. Ob er inzwischen mehr Zeit für Frau Sylvia und seine fünf Kinder und drei Enkel hat, darf bezweifelt werden.
Seine Medienpräsenz ist eher gestiegen: Ob als Fernsehkoch, …
… wo er ungestört seiner großen Leidenschaft "Essen und dessen Zubereitung" nachgehen kann.
Oder als Big Boss: In einer Fernsehsendung rekrutierte er Business-Nachwuchs.
Im Abnehm-Marathon speckte er öffentlich als "Iron-Calli" immerhin 20 Kilogramm ab. Seit 2008 hat er auch einen eigenen Videoblog auf seiner Website "Calli.tv".
Langeweile kommt also auch künftig garantiert nicht auf.
Am 23. November 2008 wurde das Schwergewicht 60 Jahre alt.
Gefeiert wurde bei einer großen Party ausgiebig mit Freunden und Familie.
450 Kilo ist er schwer und damit der dickste Mexikaner – eine traurige Spitzenleistung. Vor kurzem fasste José Luis Garza Ramírez den Entschluss abzunehmen und hat im Fernsehen um Hilfe gebeten. Zu spät, denn …
… jetzt ist er mit 47 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.
Garza wurde auf dem Friedhof seiner Heimatstadt Monterrey mit …
… der Hilfe seiner Freunde beerdigt.
Durch seinen massigen Körper konnte sich Garza nicht mehr bewegen. Sein Wohnzimmer hat er schon seit zwei Jahren nicht mehr verlassen.
Nach Garzas Hilferuf im Fernsehen hatte ihm der ehemals dickste Mann der Welt, der Mexikaner Manuel Uribe, Unterstützung beim Abnehmen zugesagt.
Uribe schaffte es mit einem Körpergewicht von 560 Kilogramm ins Guinness-Buch der Rekorde.
Das war vor zwei Jahren. Jetzt wiegt er 250 Kilo weniger. Seine Freundin Claudia Solis hat ihm bei der Diät geholfen.
Jetzt will der 43-Jährige heiraten. Uribe will seiner Claudia am 26. Oktober 2008 in der mexikanischen Stadt Monterrey das Ja-Wort geben.
Zum Traualtar schreiten kann Uribe allerdings noch nicht. Falls er für die Trauung das Haus verlassen will, muss er auf seinem Spezialbett gezogen werden.
Andreas Brehme: "Ich sag nur ein Wort: Vielen Dank!"
Otto Rehhagel: "Wir spielen am Besten, wenn der Gegner nicht da ist."
Jens Jeremies: "Ich mache immer das, was mir gesagt wird. Das habe ich im Osten gelernt."
Mario Basler: "Ich lerne nicht extra französisch für Spieler, wo diese Sprache nicht mächtig sind."
Richard Golz: "Ich habe nie an unserer Chancenlosigkeit gezweifelt."
Olaf Thon: "Wir lassen uns nicht nervös machen, und das geben wir auch nicht zu!"
Thomas Doll: "Ich brauche keinen Butler. Ich habe eine junge Frau!"
Steffen Freund: "Es war ein wunderschöner Augenblick, als der Bundestrainer sagte: 'Komm Stefan, zieh Deine Sachen aus, jetzt geht´s los.'"
Lothar Matthäus: "Ich hab gleich gemerkt, das ist ein Druckschmerz, wenn man drauf drückt."
Toni Polster über sein verbessertes Verhältnis zu Trainer Peter Neururer: "Wir lassen uns beide von unseren Frauen scheiden und ziehen zusammen."
Rudi Völler: "Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht!"
Andreas Möller: "Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber."
Paul Breitner: "Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief´s ganz flüssig."
Sean Dundee: "Ich bleibe auf jeden Fall wahrscheinlich beim KSC."
Mehmet Scholl als werdender Vater: "Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache er ist gesund!"
Berti Vogts vor dem WM-Spiel gegen Kroatien 1998: "Die Kroaten sollen ja auf alles treten, was sich bewegt - da hat unser Mittelfeld ja nichts zu befürchten."
Franz Beckenbauer: "Berkant Oktan ist erst siebzehn. Wenn er Glück hat, wird er nächsten Monat achtzehn."
Thomas Häßler: "Ich bin körperlich und physisch topfit."
Aleksandar Ristic: "Wenn man ein 0:2 kassiert, dann ist ein 1:1 nicht mehr möglich."
"Alle Mannschaften hier können Europameister werden - außer der Schweiz." - Der kroatische Nationaltrainer Slaven Bilic über die Titelchancen seiner Mannschaft.
"Ein Wunder ist dadurch ein Wunder, weil es nicht alle 14 Tage geschieht." - Griechenlands Nationaltrainer Otto Rehhagel, der seine Mannschaft 2004 zum sensationelle EM-Triumph geführt hatte, nach dem EM-Aus seines Teams.
"Die Nr. 17 ist 1,98 m groß, die Nr. 13 1,89 und die Nr. 21 1, 93. Unsere Spieler sind 1,15 oder 1,20 m groß." - Portugals Trainer Luiz Felipe Scolari über die Längenunterschieden zwischen deutschen und portugiesischen Akteuren.
"Es gab einige Spiele, bei denen man mir am liebsten das Kamel vor das Stadion gestellt hätte, damit ich in die Wüste reite." - Österreichs Trainer Josef Hickersberger über die Kritik vor der EM.
Nochmal Hickersberger: "Ich möchte im Teamcamp keine Prostituierten. Ich habe auch nie gesagt, dass die Frauen nicht ins Teamhotel dürfen. Sie können gerne im Aufenthaltsraum mit den Spielern einen Kaffee trinken ... oder Tee."
"Es gibt einige Sachen, die wir hätten besser machen können: die Torchancen nutzen und dem Schiedsrichter eine Brille kaufen." - Frankreichs Trainer Raymond Domenech nach dem 1:4 gegen die Niederlande über seine Angreifer und Referee Herbert Fandel.
Otto Rehhagel über moderne Fußballtaktik: "Das Fußballspiel stellt Fragen, und wenn man von zehn Fragen nur drei beantworten kann, dann verliert man das Spiel. Eigentlich ist es ganz einfach."
Und noch ein Rehhagel: "Ihre Gedanken, die Sie jetzt haben, die kenne ich. Ich bin viel älter als Sie. Alles, was Sie im Kopf haben, das weiß ich längst, bevor Sie es ausgesprochen haben." (zu einem Journalist)
"Man kann ja nicht alle Tore in einem Spiel schießen. Wir mussten uns noch etwas aufheben." - Russlands Stürmer Andrej Arschawin zur mangelnden Chancenverwertung seines Teams gegen Schweden.
"Sie können sich die Weltrangliste in den Arsch schieben." - Österreichs Teammanager Andreas Herzog, nachdem er erneut damit konfrontiert wurde, dass Österreich in der Weltrangliste nur an Position 92 geführt wird.
"Im unangehmen Teil ist alles okay. Nur der Knöchel tut noch etwas weh." - Der zweifache Torschütze Lukas Podolski, der gegen Polen einen Schlag in den Unterleib und einen auf den Fuß bekam.
"So wie er bei der EM spielt, müssen wir einen dreistelligen Millionenbetrag für ihn bekommen." - Dieter Hundt, Aufsichtsratschef des Bundesligisten VfB Stuttgart, über eine mögliche Ablösesumme für den formschwachen Stürmer Mario Gomez.
"Sie kennen doch alle den Film 'Der Dritte Mann'. Gestern haben wir Bekanntschaft mit dem vierten Mann gemacht."- Bundestrainer Joachim Löw nach seinem Platzverweis im Spiel gegen Österreich.
Dazu Torhüter Jens Lehmann: "Mir ist der Verweis von Joachim Löw auf die Tribüne erst aufgefallen, als Hansi Flick in der Halbzeit in der Kabine stand und die Ansprache gehalten hat."
"Der Heimvorteil kann Berge versetzen. Und Berge haben sie ja genug..." - Franz Beckenbauer über die Österreicher.
"Hätten einige spanische Ersatzspieler einen schwedischen Pass, wären sie bei uns Stammspieler." - Schwedens Fußball-Nationaltrainer Lars Lagerbäck vor dem EM-Gruppenspiel gegen Spanien.
"Wir machen alles wie immer. Wir laufen nicht nackt durch den Park, nur weil wir jetzt bei der EURO sind." - Polens Nationaltrainer Leo Beenhakker auf die Frage, ob es in der Spielvorbereitung bei der EM Unterschiede im Vergleich zur Qualifikation gibt.
Noch einmal Josef Hickersberger: "Ich habe in Mathematik maturiert und weiß deshalb, dass wir wahrscheinlich noch vier Punkte brauchen."
"Ich hoffe, dass ich am Samstagabend ein großer Verräter bin." - Russlands Trainer Guus Hiddink auf die Frage, wie er sich vor dem Viertelfinale gegen sein Heimatland Niederlande denn so als Verräter fühle.
Und warum er die russische Nationalhymne mitsummt: "Wenn ich schon ein Verräter bin, dann ein richtig guter."
Denn: "Ich möchte zum Verräter des Jahres in den Niederlanden gewählt werden."
Noch eine Rehhagel-Weisheit zum Schluss: "Wenn du über links kommst, musst du mit links einen Bananenball spielen können. Aber manche Spieler haben den linken Fuß nur zum Geld abholen."

(sid, N24 / Fotos: Getty, dpa, AP)

22.11.2008 15:09 Uhr

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