Wie zu Kaisers Zeiten
Berliner Stadtschloss wird gebaut
Berlin bekommt ein neues Herz: Das 1950 abgerissene Berliner Stadtschloss mit seinen Barockfassaden und der Kuppel wird nach Plänen des italienischen Architekten Franco Stella wieder aufgebaut.
Berlin bekommt sein Herz zurück. Mit der Entscheidung für einen nahezu originalgetreuen Nachbau des Hohenzollern-Schlosses durch den Italiener Francesco Stella hat das Jahrhundertprojekt der deutschen Hauptstadt jetzt ein Gesicht. Seit dem Mauerfall drehte sich die Debatte über die Rekonstruktion der Fassaden des Preußenpalastes um ein Luftschloss. Jetzt hat die Öffentlichkeit schwarz auf weiß, worüber sie streiten kann. Auch wenn das Votum der Jury für den siegreichen Entwurf einstimmig ausfiel - der Streit zwischen Anhängern der Moderne und Traditionalisten wird weitergehen.
Wenn alles nach Plan geht, wird es 2013 am Ost-Ende des Boulevards Unter den Linden so aussehen, wie zu Kaisers Zeiten: Das Schloss von Baumeister Andreas Schlüter wird mit seiner Kuppel der krönende Abschluss von Berlins preußischer Flaniermeile sein.
An der Humboldt-Universität entlang, an Staatsoper und Zeughaus, Kronprinzenpalais und der alten Stadtkommandantur wird am westlichen Spreeufer das Symbol für Preußens Glanz und Gloria wieder erstrahlen - allerdings als Nachbau. Vom ursprünglichen Schloss sind nur noch Reste in den Depots vorhanden.
"Klasse, sensationell - Berlin bekommt wieder ein historisches Zentrum"
Wilhelm von Boddien, Vorsitzender des Schloss-Fördervereins und lautstärkster Befürworter des historischen Wiederaufbaus, konnte jubeln: "Klasse, sensationell - Berlin bekommt wieder ein historisches Zentrum." Skeptisch äußerte sich dagegen ein Architekt aus der Jury, der nicht namentlich genannt werden wollte: Es sei der kleinste gemeinsame Nenner herausgekommen - ein Kompromiss angesichts der rigiden Vorgaben. Als Auslober hatte der Bundestag drei Barockfassaden gefordert. Lediglich die Ost-Seite durfte frei gestaltet sein.
Für Nord-, Süd- und Westseite wird es nun wieder Giebel und Säulen geben, Fensteröffnungen und Portale wie anno dazumal. Auch für die Ostseite ist Stella kein Wagnis eingegangen. Er entschied sich an der Spree-Seite für eine Loggia, die als Kassettenfassade mit Pfeilerarkade an den DDR-Palast der Republik erinnern soll.
Die letzten Reste von «Erichs Lampenladen» sollen im Laufe der kommenden Woche verschwinden. 2010 sollen die Bauarbeiten beginnen. Die Erwartungen an die Gestalt des zentralen Ortes der deutschen Hauptstadt sind enorm. Manche sprechen sogar vom «geistigen Zentrum der Republik». Von hier aus herrschten die Preußen-Könige, und der Sozialist Karl Liebknecht rief 1918 vom Balkon die Räterepublik aus. Auf dem Schlossplatz demonstrierten in der Weimarer Zeit die Arbeiter, später marschierten die Nazis auf. Zu DDR-Zeiten wurde der Marx-Engels-Platz Bühne für Propaganda-Aufzüge.
Es ist eine Pointe des geheimen Auswahlverfahrens, dass ausgerechnet ein Italiener und nicht ein deutscher Architekt das Kaiser-Schloss wieder errichten soll. Stella war Schüler des italienischen Stararchitekten Aldo Rossi (1931-1997), selbst ein Kritiker der Moderne und Befürworter einer historisch-kritischen Rekonstruktion. Eine «neue Authentizität» bescheinigte der Jury- Vorsitzende Vittorio Lampugnani dem Stella-Entwurf. Lampugnani hatte sich bereits zuvor kritisch über die rigiden Wettbewerbsvorgaben geäußert.
"Großzügiges Portal"
Im Inneren des Schlosses wird es mit Schlüter- und Eosanderhof wieder einen Anklang an die alte Pracht geben. Durch ein "großzügiges Portal" soll der Besucher in das Schloss "hereingezogen" werden, wie Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte. Eine breite Treppe soll das Erdgeschoss mit den beiden Obergeschossen verbinden, "eine Dramaturgie als Zeitreise".
Zufrieden sind auch die künftigen Nutzer des Schlosses. Mit dem Humboldt-Forum wollen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Humboldt-Universität und die Berliner Landesbibliothek in dem neuen Gebäude ein Schaufenster für Kunst und Wissenschaft schaffen.
Doch hier gibt es noch Fragezeichen. Bekannt ist nur, das im Humboldt-Forum die außereuropäischen Sammlungen der Berliner Museen und wissenschaftliche Exponate unterkommen sollen. Von einer "Reise um die Welt" ist die Rede, einem Streifzug durch das Wissen der globalisierten Welt zwischen PC-Inseln und Multimedia-Monitoren. Wenn alles gut geht, wird das Haus im Laufe des Jahres 2014 eröffnet. Doch mit Zeitplänen bei öffentlichen Bauten hat man es in Berlin nie so genau genommen.
(dpa, N24)
28.11.2008 18:05 Uhr








