Die Party ist vorbei

Das Wirtschaftskrisenjahr 2008

Was in den USA mit faulen Hauskrediten begann, brachte 2008 die Finanzmärkte weltweit ins Wanken und die Konjunktur weltweit zum Erlahmen. Auf die Partystimmung der Vorjahre folgt nun der Kater.

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"Was auch immer geschieht, die Party ...
... ist vorbei." Der Chef des Münchener Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, ...
... Hans-Werner Sinn, sagte das in einem Bericht zur Wirtschaftslage am 18. März 2008.
"Wir müssen damit rechnen, dass das kommende Jahr, zumindest in den ersten Monaten, ein Jahr schlechter Nachrichten wird." (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Interview der "Welt am Sonntag" vom 23. November.)
"Wir nähern uns einem Abgrund, von dem wir nicht wissen, wie tief er ist." (Bahn-Chef Hartmut Mehdorn am 26. November über die wirtschaftliche Entwicklung.)
"Entweder wir schwimmen gemeinsam oder wir gehen gemeinsam unter." (EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso über die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns gegen die Finanzkrise am 29. Oktober.)
"Wenn Sie alle Risiken vermeiden wollen, haben Sie bald keine Risiken mehr zu vermeiden, weil Sie nicht mehr im Geschäft sind." (Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann)
"Ich glaube, keine andere Phase der Weltwirtschaft war ähnlich gefährlich wie das, was wir hier erleben." (ifo-Präsident Hans-Werner Sinn über die internationale Finanzkrise am 9. September.) (Archivbild aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929)
"Die Welt wird nicht mehr so sein wie vor der Krise." (Finanzminister Peer Steinbrück am 25. September.)
"Jetzt muss jedem verantwortlich Denkenden in der Branche selbst klar geworden sein, dass sich die internationalen Finanzmärkte zu einem Monster entwickelt haben, das in die Schranken gewiesen werden muss." (Bundespräsident Horst Köhler am 14. Mai)
"An der Börse sind zwei mal zwei nicht vier, sondern fünf minus eins - und man muss die Nerven haben, dieses minus eins auszuhalten." (Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am 28. Januar zu den Turbulenzen an den Aktienmärkten.)
"Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind." (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 5. Oktober.)
"Ja, die Bundesrepublik Deutschland ist in einer Rezession." (Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Bundestag am 25. November.)
"Einen deutschen Fall Lehman darf und wird es nicht geben." (Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, am 17. November.)
"Wenn einer am Ertrinken ist, können Sie auch nicht lange diskutieren, ob sie ihn mit dem Schlauch- oder dem Motorboot retten." (Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm im Rundfunksender hr- iNFO über staatliche Hilfe für den Autobauer Opel am 17.
"Der Kurs ist klar, Daimler gibt Gas." (Daimler-Chef Dieter Zetsche am 14. Februar zur Entwicklung des Autobauers.) ...
... "Es fällt derzeit schwer, Prognosen für den Rest der Woche, des Monats oder des Jahres abzugeben. Unsere Branche steht am Scheideweg." (Daimler-Chef Dieter Zetsche am 20. November zur Entwicklung des Autobauers.)
"Wir fahren klar auf Sicht." (Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf dem Autosalon in Paris am 2. Oktober.)
"In meinen 27 Jahren im Geschäft habe ich so etwas noch nie erlebt. Es war, als hätte jemand das Licht ausgeknipst." (Der US-Vertriebschef von General Motors, Mark LaNeve, zum Autoabsatz in Amerika im Oktober am 3. November.)
"Bereinigt um den Anstieg der Einwohnerzahl war es der schlimmste Monat seit dem Zweiten Weltkrieg." (Der Absatz-Analyst von General Motors, Michael DiGiovanni, zur Entwicklung des US-Automarktes im Oktober am 3. November.)
"Ich bin hier vom Saulus zum Paulus geworden", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Mitte November angesichte der Übertreibungen an den Börsen über das Eingreifen von Aufsichtsbehörden in die Märkte.
"Schwarze Montage waren einmal ein Jahrzehnt-Ereignis - jetzt kommen sie regelmäßiger als die Busse in London." (Ein Londoner Börsenhändler zum Kurseinbruch am Aktienmarkt am 6. Oktober, einem Montag.)
"Aber bis heute von einer Kreditklemme in Deutschland zu sprechen, ist absolut falsch und führt auch zu einer ganz gefährlichen Diskussion." (Josef Ackermann, Deutsche-Bank-Chef, im Dezember)
Ende des Wirtschaftswunders: In den 50er Jahren wuchs die deutsche Wirtschaft stark, im Rekordjahr 1955 beispielsweise um 12,1 Prozent.
Mitte der 60er Jahre schwächte sich der Boom ab und 1967 rutschte die heimische Wirtschaft in ihre erste Rezession.
Die Arbeitslosenzahl stieg deutlich. Die Wirtschaftskrise führte mit zur Bildung der ersten großen Koalition, der die Lösung der Probleme am ehesten zugetraut wurde.
1967 schrumpfte die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent.
Erste Ölkrise: Aus Protest gegen die Haltung westlicher Nationen im Nahost-Konflikt verhängten die arabischen Staaten 1973 einen Öllieferboykott.
Der Ölpreis vervierfachte sich in der Folge. Das traf die deutsche Wirtschaft hart
Auch die Verbraucher sparten wegen der hohen Benzinpreise.
Von Herbst 1974 an schrumpfte die deutsche Wirtschaft in vier Quartalen nacheinander. Im Jahr 1975 gab es ein Minus des Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent.
Zweite Ölkrise: Nach der Islamischen Revolution 1979 und dem Angriff des Iraks auf den Iran stieg der Ölpreis erneut stark.
Die Revolution wirkte sich mit leichter Verzögerung auch auf die deutsche Wirtschaft aus.
Sie schrumpfte Mitte 1982 in zwei Quartalen in Folge. Für das Gesamtjahr betrug das Minus 0,4 Prozent.
Ende des Booms der Wiedervereinigung: Die Wirtschaften der USA und anderer Länder rutschten schon 1990 in eine lang anhaltende Rezession - die Gründe dafür sind bis heute unter Ökonomen umstritten.
Der mit der Wiedervereinigung einsetzende Bauboom hielt die deutsche Wirtschaft dagegen zunächst weiter im Plus.
Als der Boom abebbte, holte die Rezession auch die heimische Wirtschaft ein. Von Frühjahr 1992 schrumpfte oder stagnierte die deutsche Wirtschaft über vier Quartale hinweg. 1993 sank das Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent.
Platzen de Internetblase: Zahlreiche Firmen setzten Anfang des Jahrtausends auf vermeintliche neue Chancen des Internets und anderer neuer Technologien.
Die Chancen aber wurden überschätzt.
Als klar wurde, dass die erhofften Gewinne nicht zu erzielen waren, rutschten viele Industrieländer in eine Rezession.
Von Ende 2002 bis Mitte 2003 schrumpfte die deutsche Wirtschaft in drei Quartalen in Folge.
Für das Jahr 2002 stand ein Minus von 0,2 Prozent unter dem Strich.
Die deutsche Konjunktur sprang erst im Jahr 2005 wieder richtig an.
Juli/August 2007: In Deutschland geraten Banken wegen Fehlspekulationen am US-Immobilienmarkt in die Krise - etwa die Mittelstandsbank IKB, die Sachsen LB, die WestLB.
Sie müssen mit Milliarden-Bürgschaften gestützt werden. In den folgenden Monaten müssen auch deutsche Finanzkonzerne Millionen und Milliarden abschreiben.
15. September 2008: Der „schwarze Montag“ der Wall Street: Die Investmentbank Lehman Brothers muss Insolvenz anmelden, Konkurrent Merrill Lynch wird von der Bank of America aufgekauft.
Die Folge ist eine weltweite Zuspitzung der Finanzkrise, die auch deutsche Institute, wie die KfW Bankengruppe, hart trifft.
29. September: Für den deutschen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate wird ein 35 Milliarden Euro schweres Rettungspaket geschnürt.
5. Oktober: Die Bundesregierung verkündet eine Komplettgarantie für private Einlagen. Das Rettungspaket für Hypo Real Estate muss von 35 auf 50 Milliarden Euro aufgestockt werden.
13. Oktober: Die Bundesregierung stellt ein gigantisches Banken- Rettungspaket im Volumen von 500 Milliarden Euro vor. Gesetz im Eilverfahren: Ab 20. Oktober steht das deutsche Rettungspaket für notleidende Banken offen.
21. Oktober: Die Landesbank BayernLB will als erste Bank auf das Paket zugreifen. Sie braucht 6,4 Milliarden Euro frisches Kapital.
29. Oktober: Als erste Privatbank nimmt die Hypo Real Estate das Rettungspaket in Anspruch. Sie beantragt 15 Milliarden Euro.
3. November: Die Commerzbank - die zweitgrößte deutsche Bank - greift auch zu und erhält eine Kapitalspritze von 8,2 Milliarden Euro in Form einer stillen Einlage und übernimmt Garantien für Schuldpapiere in Höhe von 15 Milliarden Euro.
Wenige Stunden später beantragt die Landesbank HSH Nordbank Staatsbürgschaften von bis zu 30 Milliarden Euro.
21. November: Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. Die Eigentümer der LBBW wollen der größten deutschen Landesbank mit einer Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro unter die Arme greifen.
27. November: Durch die Verschärfung der Finanzkrise benötigt auch die WestLB in Düsseldorf frisches Kapital. Der Finanzbedarf wird nach Angaben der Bank aber nicht die Größenordnung wie bei der BayernLB oder der LBBW annehmen.
November: Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gewähren der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) Garantien für ein neues Programm zur Kreditversorgung von Unternehmen. Das Volumen beträgt für die Jahre 2009 und 2010 jeweils zehn Milliarden Euro.
Die seit mehr als einem Jahr dauernde globale Finanzkrise hat viele Opfer gefordert. Aber: Es gibt auch Profiteure.
Die Deutsche Börse ist einer davon. Die Umsätze im Xetra-Handel lagen allein im September um mehr als 60 Prozent über deenen des vergleichbaren Vorjahresmonats.
Auch die deutschen Sparkassen gelten als Gewinner der Finanzkrise. Einen regen Kundenzulauf verzeichnete beispielsweise die Hamburger Sparkasse. Die Spareinlagen wuchsen auch.
Viele Anleger hoben ihre Ersparnisse allerdings auch von ihren Konten ab und bunkern es seitdem im heimischen Sparstrumpf oder gar unter der Matratze. Davon könnten mutige Diebe profitieren.
Ein Gewinner könnten auch die deutschen Apotheken sein. Pillen und Mittel zum Vergessen, Verdrängen oder Beruhigen haben in Krisenzeiten häufig Hochkonjunktur. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie...
Um möglichst schnell an Geld zu kommen, sind Auktionen eine gute Idee - egal ob im Internet beim Branchenführer eBay oder...
... bei einer realen Versteigerung. Viele Mitarbeiter der Pleite-Bank Lehman Brothers haben sich so ihren Abschied in die Arbeitslosigkeit etwas versüßt.
Nutznießer der Finanzkrise sind auch einige Banken. Allen voran das US-Finanzinstitut J.P. Morgan Chase.
Die Bank verleibte sich erst die US-Investmentbank Bear Stearns für einen Schnäppchenpreis von rund einer Milliarde Dollar ein.
Danach schluckte J.P. Morgan Chase die mit mehr als 2.000 Filialen zweitgrößte Geschäftsbank der USA Washington Mutual - für knapp zwei Milliarden Dollar.
Auch die spanische Großbank Santander verstärkte in der Krise ihr Geschäft und kaufte für etwa 770 Millionen Euro einen Teil der finanziell angeschlagenen britischen Hypothekenbank Bradford & Bingley.
Die nach Kundeneinlagen größte Bank der Euro-Zone, das französische Finanzinstitut BNP Paribas, vergrößerte sich ebenfalls in Finanzkrisenzeiten. Der Konzern übernimmt einen Großteil der Fortis-Gruppe.
Auf Einkaufstour ging der reichste Mann der Welt, Milliardär Warren Buffett.
Buffett investiert in einem ersten Schritt fünf Milliarden Dollar. Zudem sicherte er sich Aktien-Optionen in Höhe von weiteren fünf Milliarden Dollar an Goldman Sachs, die dadurch die Eigenständigkeit bewahren und somit auch als Krisengewinner gelten.
Ähnlich wie die Deutsche Börse profitierte auch der Online-Broker Comdirect. Die Kundenzahl stieg und die Neun-Monats-Zahlen übertrafen jüngst die Erwartungen der Analysten.
In Finanzkrisenzeiten haben auch verschiedene Berufsgruppen Hochkonjunktur. Seien es Rechtsanwälte, die geprellte und enttäuschte Anleger vertreten oder...
... Finanzexperten. Einer von ihnen ist Wolfgang Gerke, Professor für Bank und Börsenwesen an der Universität Erlangen/Nürnberg.
Ein anderes, in den vergangenen Wochen häufig in den Medien auftauchendes Gesicht ist das von Dirk Müller, Börsenhändler auf dem Frankfurter Parkett.
Aber auch Politiker profilieren sich in Krisenzeiten. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy will unter anderem Schlüsselindustrien teilverstaatlichen.
In Deutschland gelten Finanzminister Peer Steinbrück und Bundeskanzlerin Angela Merkel als "Macher in der Krise". Sie schnürten ein Rettungspaket für die deutsche Finanzbranche von einer halben Billion Euro (500.000.000.000 Euro).
Letzten Endes dürften von der Finanzkrise auch die Discounter profitieren. Da die Bürger mehr auf ihre Ausgaben achten, sind günstige Preise ein gutes Verkaufsargument.
Das könnte auch Billigfliegern und Anbietern von Kurzurlauben, beispielsweise an der Ostsee, helfen. Sonne tanken, und die Finanzkrise - zumindest für ein paar Tage - vergessen.
Das Sportjahr 2008 wurde von zwei absoluten Highlights beherscht: Der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz und den Olympischen Spielen in Peking. Kraftausdrücke und andere verbale Gefühlsausbrüche gab es aber mehr.
Mit dem Bild seiner verstorbenen Frau auf dem Podest sagte Gewichtheber Matthias Steiner nach seinem Olympiasieg: "Wahnsinn, Wahnsinn, ich kann das nicht erklären. Dieses Gold widme ich Susann."
"Noch eine Woche warmer Reis und mir wachsen Blätter." (Degenfechterin Imke Duplitzer über das Essen im olympischen Dorf)
"Man muss ehrgeizig sein wie ein Terrier, ...
... aber nicht so verbissen wie eine Bulldogge", sagte ...
... Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz über ihr Erfolgsrezept.
"Das war das i-Tüpfelchen auf dem i-Tüpfelchen auf dem i- Tüpfelchen auf dem Sahnehäubchen." (Vielseitigkeitsreiter Hinrich Romeike zu seinem Olympia-Doppelsieg)
"Essen, schlafen und schwimmen, das ist alles, was ich kann." (Der achtmalige Schwimm-Olympiasieger Michael Phelps über sich)
"Mit einem vierten Platz kann man nur wenige Rechnungen bezahlen." (Diskuswerfer Robert Harting nach der knapp verpassten Medaille)
"Man fühlt sein Magengeschwür wachsen." (Hockey-Bundestrainer Markus Weise nach dem Siebenmeter-Krimi im olympischen Halbfinale gegen die Niederlande)
"Peking war toll - wenn nur die Radrennen nicht gewesen wären." (Die Olympia-Bilanz von Radprofi Stefan Schumacher)
Slaven Bilic, Fußball-Nationaltrainer Kroatiens sagte zum Europameisterschaftsspiel seiner Elf gegen Deutschland: "Robert Kovac weiß alles über Miroslav Klose, aber Klose weiß auch alles über Kovac. Es ist also ein Vorteil und ein Nachteil gleichermaßen."
"Hoffentlich hat die Frau Merkel demnächst nicht so viel Arbeit, die diplomatischen Beziehungen wieder zu verbessern." (Bayern-Manager Uli Hoeneß im April zum Engagement von Lothar Matthäus als Coach des israelischen Clubs Maccabi Netanya)
"Kokosnüsse." (Fußball-Bundestrainer "Jogi" Löw sagt, was ihn auf die Palme bringt)
"Ich stelle immer fest, dass die Spieler früher im Bett sind, wenn die Frauen im Hotel sind." (DFB-Teammanager Oliver Bierhoff während der Fußball-EM zum Familien-Besuch im Mannschaftshotel) (Im Bild: Bastian Schweinsteiger und Freundin Sarah Brandner)
"Es ist schön, wenn die Freundinnen mal ins Hotel kommen können und man früher ins Bett gehen kann." (Nationalspieler Philipp Lahm zum selben Thema)
"Immerhin bleibt die Schneefallgrenze so hoch, dass davon der EM- Spielbetrieb nicht negativ beeinflusst werden sollte. Selbst hoch geschlagene Flanken sollten ohne Vereisung des Balles im Strafraum ankommen." (Deutscher Wetterdienst vor der EM)
"Nee, allein der Gedanke schreckt mich schon. In kurzen Hosen da rumzulaufen, dass kann ich keinem mehr zumuten." (Franz Beckenbauer, warum er keine Lust hat, bei der EM zu spielen)
"Ein Trainer-Angebot aus Katar hatte ich schon. Aber da fehlen mir die Blumen rundherum." (Der zurückgetretene ehemalige Diskuswurf-Olympiasieger Lars Riedel im Juni zu seinen künftigen beruflichen Perspektiven)
"Der Frosch ist ins Milchglas gefallen. Jetzt kann er entscheiden, ob er ertrinken will oder so lange strampelt, bis aus der Milch Butter geworden ist und er raussteigen kann. Wir werden strampeln." (Frauen-Handball-Bundestrainer Armin Emrich)
"Willi hat mit Watte geworfen." (Box-Bundestrainer Adolf Angrick zum olympischen Erstrunden-Aus von Federgewichtler Wilhelm Gratschow) Man kann Watte aber auch essen!
"Wenn der Ball so aufgesprungen wäre, wie ich gedacht habe, hätte ich ihn gehalten, glaube ich." (Stuttgarts Torhüter Jens Lehmann im August über den ersten Gegentreffer beim 0:2 gegen Leverkusen am 2. Bundesliga-Spieltag)
"Wenn es hier nach Schweiß stinkt, bin ich das. Das Spiel war so aufregend." (BVB-Trainer Jürgen Klopp im September zu seinem Schalker Kollegen Fred Rutten auf dem Weg zur Pressekonferenz nach dem 3:3 im Derby)
"Ich beneide dich nicht, trink ein paar Wiesn-Maß heute Abend." (Rat von Bayern-Präsident Franz Beckenbauer an Trainer Jürgen Klinsmann im September nach dem 2:5-Heimdebakel gegen Bremen) ...
... "Ich nehme immer jeden Ratschlag von Franz gerne an, aber diesem werde ich nicht nachkommen." (Klinsmanns Antwort auf die Idee des Vereins-Präsidenten)
"Bitte nicht so schnell sprechen wie Hoffenheim gespielt hat." (Medienchef Andreas Kuhnt von Hannover 96 zu den Fragestellern in der Pressekonferenz nach dem 2:5 im Oktober gegen Hoffenheim)
"Wenn wir am Ende vor den Bayern stehen, steigen wir zu 100 Prozent nicht ab." (Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick nach dem 5:2 in Hannover)
"Wir dürfen jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken." (Mittelfeldspieler Zvjezdan Misimovic vom 1. FC Nürnberg im Februar nach dem mageren 1:1 gegen Hansa Rostock)
"Bis zum 1:0 haben wir gut gespielt. Leider fiel das Tor schon in der 6. Minute." (Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler zum 2:0-Sieg in Frankfurt)
"Ich war sehr aufgeregt und musste vorher zweimal mehr pinkeln als sonst." (Trainer Hans Meyer zu seinem Comeback bei Borussia Mönchengladbach)
"Stell Dir vor, der zieht wirklich mal richtige Fußball-Schuhe an." (Bayern-Präsident Franz Beckenbauer über das rosafarbene Schuhwerk von Franck Ribéry und mögliche Leistungssteigerungen)
Österreichs Ski-Star Hermann Maier sagte über das bald vielleicht auf der Dopingliste stehende ...
... Potenzmittel Viagra: "Das betrifft unseren Sport nicht, weil bei uns nur keusch gelebt wird."
"Wir sind momentan gefühlter 19." (Trainer Armin Veh vom VfB Stuttgart drei Tage vor seiner Entlassung im November)
"Es ist eine Freude für mich, neben Uli (Hoeneß) auf der Bank zu sitzen - ...
... obwohl wir nicht immer einer Meinung sind." (Trainer Jürgen Klinsmann in einem dpa-Interview im Dezember über den Manager des FC Bayern München, der bei Spielen des deutschen Fußball- Meisters sein Bank-Nachbar ist)
Es geht natürlich auch anders ...
Ein politisches Jahr in Zitaten? Da fällt die Suche nach dem prägendsten Ausspruch nicht schwer: "Yes, we can." Einfach, aber eingänglich, der Wahlkampfslogan des Demokraten Barack Obama.
Obama machte das Rennen und verkündete am Wahlabend: "Es hat lange gedauert, aber heute Nacht, durch das, was wir heute bei dieser Wahl getan haben, in diesem entscheidenden Moment, ist der Wandel nach Amerika gekommen."
Zuvor hatte Obama bereits Unterstützung vom politischen Gegner erhalten. Ex-Außenminister unter Bush, Colin Powell, sagte im Oktober: "Der neue Präsident muss das Ansehen wiederherstellen, das wir in der Welt hatten" - und meinte damit Obama.
Nach erfolgreicher Wahl gratulierte die Welt dem frisch gebackenen Präsidenten. Silvio Berlusconi tat das in gewohnter Manier: "Obama ist jung, schön und auch braun gebrannt."
Ein anderer Staatsmann räumte schon zu Beginn des Jahres das Feld, mancher munkelt, nur vorrübergehend. Wladimir Putin ganz unkritisch zu seiner Amtszeit: "Die ganzen acht Jahre habe ich wie ein Sklave von morgens bis abends geschuftet."
Schon etwas länger an der Macht, aber dennoch ein Frischling: Nicolas Sarkozy. Er zeigte sich erstaunt über seinen Job: "Regieren ist einfacher als ich dachte."
Und mit seiner Kollegin aus Deutschland versteht er sich ohnehin prächtig: "Ich liebe Angela Merkel."
"Wir sind ein harmonisches Paar." Doch nicht alle sind der Kanzlerin so wohlgesonnen.
Venezuelas Präsident Hugo Chavez, bekannt für markige Worte, sagte: "Sie gehört der deutschen Rechten an, derselben, die Hitler unterstützt hat, die den Faschismus unterstützt hat. Das ist die Kanzlerin des heutigen Deutschlands."
Der Spruch löste eine ernste diplomatische Krise aus. Als sich die beiden dann wenige Tage bei einem Gipfel trafen, war aber alles wieder in Butter.
Jubel dagegen im Kosovo. Am 17. Januar erklärte sich die Region von Serbien unabhängig und Ministerpräsident Hashim Thaci sagte: "Von heute an ist das Kosovo stolz, unabhängig und frei."
Robert Mugabe, hartnäckiger Diktator Simbabwes, sah seine Macht im Juni nicht gefährdet: "Nur Gott, der mich ernannt hat, wird mich abwählen."
Royales Geburtstagskind des Jahres war Prinz Charles, er wurde im November 60 Jahre alt.
Mama Elizabeth leitete das Fest etwas reserviert ein: "Während der 60. Geburtstag des Prinzen von Wales, unserem Sohn, näher rückt, möchte ich sagen, dass wir beide ungeheuer stolz auf seinen persönlichen Beitrag sind." Was sie meinte, weiß kein Mensch.
Auch in Deutschland sagten die Politiker so manches, von dem sie mitunter später nichts mehr wissen wollten. Andrea Ypsilanti zum Beispiel: "Bei meinem Nein zu Rot-Rot bleibt es auch nach dem Wahlabend. Garantiert." (2. Januar 2008)
Auch kurz nach der Wahl, am 3. Februar, war Ypsilanti sicher: "Ich bleibe dabei, dass es kein Bündnis mit den Linken geben wird."
Der damalige SPD-Chef Kurt Beck sprang ihr wenige Tage später zur Seite: "Es wird keinerlei Absprachen oder sonstige Vereinbarungen irgendwelcher Art, auch nicht über Tolerierung, mit der Linken geben."
Anfang März gab Ypsilanti kleinlaut zu: "Und es wird vielleicht so ausgehen, dass ich ein Versprechen nicht halten kann, nämlich nicht mit den Linken zu sprechen und mich nicht von den Linken wählen zu lassen."
Die Union stürzte sich genüsslich auf die Hessin. Ronald Pofalla kommentierte: "Der Wortbruch hat jetzt einen Namen, und der heißt Ypsilanti."
Der erste Anlauf einer Tolerierung durch die Linke in Hessen scheiterte und Kurt Beck schlussfolgerte: "Es ist klar, dass die hessische SPD nicht zwei Mal mit dem gleichen Kopf gegen die gleiche Wand rennen wird." Wie Unrecht er hatte.
Denn Ypsilanti nahm erneut Anlauf in Richtung Wand. Doch vier Parteigenossen spielten nicht mehr mit. Unter ihnen Jürgen Walter: "Ich kann diesen Weg meiner Partei in Hessen nicht mitgehen." Ypsilanti war am Ende, ihr Vertrauter ...
... Thorsten Schäfer-Gümbel übernahm. Der versucht sich nun, von seiner Vorgängerin abzusetzen: "Der Fehler war, nach der Wahl etwas anderes zu machen, als wir vorher gesagt haben." Mal sehen, ob er es besser macht.
Das Hessen-Debakel der SPD lässt Roland Koch schmunzeln - und macht seine Wahlkampf-Fauxpas vergessen. Zum Vorwurf, er betreibe ausländerfeindlichen Wahlkampf sagte er: "Ich lasse mir von Türkenvertretern nicht den Mund verbieten."
Für einen anderen hatte der Hessen-Wahlkampf Folgen. Wolfgang Clement war mit Ypsilantis Energiepolitik nicht einverstanden und sagte: "Deshalb wäge und wähle genau, wer Verantwortung für das Land zu vergeben hat, wem er sie anvertraut - und wem nicht."
Nach langem Hin und Her kostete Clement dieser Satz die Parteimitgliedschaft. Man warf ihn zwar nicht heraus, doch am Ende zog er sich freiwillig zurück.
Erwin Huber, Anfang 2008 noch CSU-Vorsitzender hat eine dezidierte Meinung zu türkischen Schulen in Deutschland: "Das ist Gift für die Integration, führt zu Ghettos und zu einer Kleintürkei in Deutschland."
Bei der Landtagswahl musste Hubers Partei dann herbe Verluste hinnehmen. Ein Zitat des Grünen-Landesvorsitzenden Sepp Daxenberger ordnet die Dimension ein: "46 Jahre eine Partei, die regiert, das gibt es außer in Bayern nur noch in Kuba und China."
Sieger im bayerischen Nach-Wahl-Hick-Hack war Horst Seehofer. Der frisch gebackene Ministerpräsident: "Das ist der größte Moment in meinem politischen Leben."
Eine persönliche Tragödie erlebte Franz Müntefering, zog sich am 1. August aus der Politik zurück: "Man kann diese beiden Aufgaben - für seine Frau wirklich da sein und ein Ministerium führen - nicht vereinbaren. Da muss man sich entscheiden."
Doch der Abschied war nur auf Zeit. Franz Müntefering ist heute wieder Chef der SPD. Sein Vorgänger Kurt Beck musste weichen und kommentierte:
"Aufgrund gezielter Falschinformationen haben die Medien einen völlig anderen Ablauf meiner Entscheidung dargestellt. Vor diesem Hintergrund sehe ich keine Möglichkeit mehr, das Amt des Parteivorsitzenden mit der notwendigen Autorität auszuüben."
Was waren die Nation, Boris "Bobbele" Becker und Sandy Meyer-Wölden glücklich. Ein Traumpaar! Und verlobt hatten sie sich auch schon. Doch aus der Hochzeit wurde nichts.
Nur wenige Wochen nach der Verlobung trennten sich die beiden wieder.
Seither herrscht Rosenkrieg. Wer hat Schuld an dem Drama? Für Boris steht fest: "Auf meiner Seele ist herumgetrampelt worden."
Bei einem anderen Überraschungs-Promi-Pärchen läuft alles glatt. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy angelte sich Model und Sängerin Carla Bruni, am 2. Februar heirateten die beiden.
Er hat die Macht, sie die Schönheit. Der Bürgermeister des 8. Pariser Arrondissements, Francois Lebel, urteilte folgerichtig: "Die Braut war in Weiß, sie war wunderschön, wie immer. Der Gatte war auch nicht schlecht."
Weniger glanzvoll war der Auftritt des Herrn rechts im Bild. Moderator Thomas Gottschalk schaute ganz schön belämmert drein, als der designierte Träger des Deutschen Fernsehpreises, Marcel Reich-Ranicki, verkündete:
"Ganz offen gesagt, ich nehme den Preis nicht an. Es ist schlimm, dass ich das erleben musste." Sein Auftritt löste ein weitreichende Debatte über die Qualität des deutschen Fernsehens aus. Mal sehen, ob sich 2009 etwas ändert.
Er hier trägt wahrscheinlich nicht dazu bei. Zur Reich-Ranicki-Posse sagte Pop-Titan Dieter Bohlen: "Wenn Reich-Ranicki alle als Dreck bezeichnet, dann ist das OK, weil er ja Euer Kulturpapst ist." Er selbst ist nämlich ähnlich schonungslos, wenn er ...
... in Casting-Shows die Kandidaten rund macht. Für sein Dafürhalten kann er sich das auch leisten: "Ich würde sogar ...
... ein Kilo Hackfleisch in die Charts kriegen." Traurig, aber wahr: Der Mann hat Recht.
Zu ernsthafteren Themen: Harald zur Hausen erfuhr im Oktober, dass er den Medizin-Nobelpreis erhalten würde. Vor Glückwünschen konnte sich der Forscher kaum retten. Zur Hausen freute sich sicherlich drüber. Schwer aber, ...
... da nicht die Bodenhaftung zu verlieren: "Mir wächst langsam ein Heiligenschein am Kopf." Glückwunsch nochmal, Herr zur Hausen!
Vorsicht, Hochkultur! Einmal im Jahr Jahr schaut die Welt auf Bayreuth, wenn dort die Wagner-Festspiele stattfinden.
Bei solch einer Medienpräsenz ist es kein Wunder, dass sich dort auch allerlei Prominenz tummelt. Auch die Kanzlerin und ihr Gatte gaben sich die Ehre. Doch manch einem geht das gegen den Strich.
Der Berliner Theaterintendant Claus Peymann sagte: "Bayreuth, das ist ein Tummelplatz für Deppen." Er meinte aber die Nachfolgeregelung bei den Festspielen.
Dieser Mann schockte die Welt: Inzest-Vater Josef Fritzl hat unter seinem Haus ein weitreichendes Tunnelsystem errichtet, in dem ...
... er seine Familie jahrelang eingesperrt hatte. Als der Fall bekannt wurde, drängelten sich die Medien im österreichischen Amstetten. Die Politik bemühte sich, ...
... den Imageschaden für Österreich zu minimieren. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer: "Das können wir nicht akzeptieren. Es gibt keinen Fall Amstetten, es gibt keinen Fall Österreich, es gibt nur einen Einzelfall."
Erst Knut, dann Flocke: Das Nürnberger Eisbärenbaby entzückte kurz nach seiner Geburt die Menschen. Sein Gehege ...
... belagerten bei seinem ersten öffentlichen Freigang unzählige Fotografen. Nicht jedem passte die Aufmerksamkeit für den kleinen Knuddel.
Der Vorsitzende des Wal- und Delfinschutz-Forums, Jürgen Ortmüller, urteilte: "Flocke wird zum Affen gemacht." Wie das geht, fragt man sich da? Fell braun spritzen und das Klettern beibringen?
Neben dem Börsengang musste sich auch die Bahn mit Tierischem auseinandersetzen. Ende April verunglückte ein ICE, als er in der Nähe von Fulda in einem Tunnel in eine Schafherde raste.
Der sonst so abgebrühte Bahn-Manager Hartmut Mehdorn rang um Fassung: "So eine verrückte Idee, dass da plötzlich 60 Schafe im Tunnel stehen, das ist unmöglich."
Das englische Königshaus sorgte 2008 immer wieder für Schlagzeilen. Paparazzi verfolgten vor allem die beiden Prinzen William und Harry (hier mit Freundin Chelsy) auf Schritt und Tritt.
Harry musste nach Afghanistan, wurde aber aus Sicherheitsbedenken zurückbeordert. Zum Unmut Harrys: "Ich will nicht in Windsor rumsitzen. Ich mag England allgemein nicht so gerne. Und es ist schön, weit weg von all der Presse und den Zeitungen zu sein."
Leider im Jahr 2008 immer wieder ein Thema: Kindstötungen, oft in ostdeutschen Bundesländern. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer provozierte dies zu einer umstrittenen Aussage:
"Es kommt mir so vor, als ob Kindstötungen - die es allerdings immer schon gab - ein Mittel der Familienplanung seien. Ich erkläre mir das vor allem mit einer leichtfertigen Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern."

Was für ein Jahr. Was in einem Winkel der USA mit faulen Hauskrediten begann, brachte 2008 die Finanzmärkte weltweit ins Wanken. Die Wall Street stürzte die Welt in eine der schwersten Wirtschaftskrisen der Geschichte. Experten zeigen sich erschreckend einig: Die Lawine wird immer mehr Branchen und ganze Staaten erfassen. 2008 geht vorbei - die Krise aber bleibt.

Sonst sind Wegmarken der Geschichte oft erst im Rückblick erkennbar, die aktuelle Misere offenbart ihr historisches Ausmaß schon jetzt: An den Börsen verloren Anleger zweistellige Billionensummen, Banken weltweit schrieben bisher mehr als 700 Milliarden Dollar ab, allein in der Finanzbranche gingen schon Hunderttausende Jobs verloren. Die Finanzmärkte - ein "Monster", wetterte Bundespräsident Horst Köhler.

Die Wirklichkeit schlug alle Vorstellungskraft: Wer hätte einst für möglich gehalten, dass binnen weniger Monate Bankenriesen gleich reihenweise in die Knie gehen, hochgiftige Kreditpapiere die Märkte taumeln lassen und Aktionäre panisch den Ausgang suchen? Und das nicht nur im amerikanischen Epizentrum des Finanzbebens, sondern mit heftigen Schockwellen weltweit.

Die "Gier" am Pranger

Noch Ende September geißelt Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Bundestag den ungezügelten US-Kapitalismus. Sechs Tage später verkündet er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine staatliche Komplettgarantie privater Kundeneinlagen. Die "Gier" der blamierten Banker an der Wall Street hatte auch deutsche Bankiers angesteckt. Kleinanlegern und selbst den Kirchen drehten sie hochriskante US-Geldanlagen an.

Von den Beteiligten schlug keiner rechtzeitig Alarm, weil alle am Immobilienbooom in den USA lange Zeit prächtig verdienten: Banken, Kreditvermittler, Hausbesitzer und Anleger. Keiner wollte die wenigen warnenden Stimmen hören. Zuletzt gab es in Amerika Hypotheken ohne jede Sicherheit außer dem Haus («subprime»-Kredite). Als erste Schuldner nicht mehr zahlten und Hauspreise zu bröckeln begannen, drehte der Trend.

Ein erster US-Paukenschlag war bereits Mitte 2007 das spektakuläre Scheitern zweier Hedge-Fonds der heute notverkauften Investmentbank Bear Stearns. Kurz darauf geraten in Deutschland die Mittelstandsbank IKB und einige Landesbanken in den Sog. Weltweit vermeldet von nun an ein Finanzhaus nach dem anderen Wertverluste in Milliardenhöhe - die Abwärtsspirale dreht sich das ganze Jahr 2008 hindurch immer rasanter.

"Schwarzer Montag"

Mit der Pleite von Lehman Brothers am "schwarzen Montag" Mitte September 2008 brechen schließlich auch in Europa alle Dämme: Der deutsche Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate verschlingt seither immer höhere Milliardenhilfen. Die Bundesregierung spannt über die gesamte Bankenbranche einen enormen Rettungsschirm von 500 Milliarden Euro. Die BayernLB braucht 30 Milliarden Euro.

Die europäischen Nachbarn ringen mit teils noch größeren Problemen. Nationen wie Island und Ungarn droht gar eine Staatspleite. Auch die Schwellenländer, bisher Hoffnungsträger der Industrienationen als Absatzmärkte, kommen immer mehr unter Druck.

Längst ist die Finanzkrise zur internationalen Wirtschaftskrise geworden. Den global viele Billionen Euro schweren Rettungspaketen folgen nun ebenfalls riesige Konjunkturprogramme. Die Wirkung ist umstritten. Steinbrück weiß: "Ich kann mit öffentlichen Konjunkturprogrammen nicht gegen den Trend anfinanzieren."

Jahr schlechter Nachrichten"

Nach den Banken hat es die Autobauer und die Chemiebranche erwischt. Viele weitere werden laut Experten folgen. Deutschland droht die tiefste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik. 2009 werde ein "Jahr schlechter Nachrichten", warnt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

"Realwirtschaftlich haben wir gerade mal das erste Drittel der Krise hinter uns", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Sie wird nicht vor Mitte 2010 ausgestanden sein.» Weitere Zinssenkungen der Notenbanken seien bereits klar. "Sie müssen aber rechtzeitig wieder umschalten", warnt Krämer. Billiges Geld und zügelloses Leben auf Pump waren schließlich einer der Auslöser der Kreditkrise. Besonders in den USA dürfe auch die Staatsverschuldung nicht noch mehr aus dem Ruder laufen. "Irgendwann muss das ganze Geld auch wieder eingesammelt werden, das jetzt ausgegeben wird."

Doch die bisherigen Staatshilfen etwa für Banken reichen nach Ansicht vieler Experten nicht. «Das wird auch in Deutschland noch massiv zunehmen», schätzt Bankenprofessor Martin Faust von der Frankfurt School of Finance and Management. Frühestens 2011 oder 2012 werde sich der Staat aus den Banken zurückziehen können. "Dafür muss es aber erst jemanden geben, der ihm die Anteile abkaufen will."

Großes Ziel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) für 2009: Sie versprachen auf dem ersten Weltfinanzgipfel im November in Washington nichts weniger als eine neue globale Finanzarchitektur. Zum nächsten Gipfel im April sollen die Säulen des künftigen Systems stehen, damit sich eine solche Krise nicht wiederholt. Vor allem aber müsse an den Märkten wieder Vertrauen wachsen, so Experten. Das dauert.

Kommt die "Great Depression"?

Viel hängt vom künftigen US-Präsidenten Barack Obama ab. Die Krise muss laut Experten dort gelöst werden, wo sie herkam. Das bedeutet Aufräumarbeiten an der Wall Street und am US-Immobilienmarkt, wo bis 2010 noch immer über sieben Millionen Zwangsversteigerungen drohen. "Wir stehen vor der größten wirtschaftlichen Herausforderung unseres Lebens", sagte Obama.

Wird das nächste Jahr nun so schlimm wie die Weltwirtschaftskrise ("Great Depression") nach 1929? Nein, meinen bislang die meisten Experten. "Damals wurden von der Politik massive Fehler gemacht. Das ist heute anders", sagt Krämer. Für Deutschland haben Ökonomen neben den vielen bitteren Botschaften auch eine gute Nachricht: Die deutsche Wirtschaft dürfte die Krise weniger geschwächt überstehen als andere. "Wenn diese Rezession einmal vorbei ist, dann könnte Deutschland in einer Pole-Position stehen", meint Krämer.

(dpa, N24)

26.01.2009 16:25 Uhr

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