Fußball: DFB-Elf

DFB-Manager Bierhoff räumt Fehler ein

Oliver Bierhoff hat im Umgang mit der Öffentlichkeit Fehler eingeräumt, Meinungsverschiedenheiten mit Michael Ballack zugegeben und zugleich betont, dass er seinen Job bis 2010 machen will.

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"Meine Außendarstellung war nicht immer optimal. Ich räume auch ein, dass ich einige Dinge verkehrt oder etwas naiv angegangen bin, die Außenwirkung unterschätzt habe."
Im Juni hielt uns drei Wochen lang die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz in Atem.
Die deutsche Elf schaffte es zwar wieder einmal ins Finale, musste sich aber den herausragenden Spaniern mit 0:1 geschlagen geben.
N24.de schaut noch mal zurück auf Daten und Fakten rund um das Fußball-Ereignis des Jahres.
Die EM 2008 war nicht gerade das Turnier der Favoriten. Die Großen strauchelten mehr oder weniger früh: Die Franzosen bereits in der Gruppenphase, …
…, die Portugiesen scheiterten an den Deutschen, …
…, die Holländer an den Russen und …
… Weltmeister Italien an Spanien. Der italienische Superstar Luca Toni musste sogar torlos die Heimreise antreten.
Zum ersten Mal seit 44 Jahren gewann Spanien die Europameisterschaft. Nach starken Leistungen im Turnierverlauf und besonders im Finale hatten sich die Iberer den Titel verdient.
Als Überraschung des Turniers muss Russland genannt werden. Mit jungen und zum Teil unbekannten Spielern drang das Team von Star-Trainer Guus Hiddink bis ins Halbfinale vor.
Die 31 Spiele fanden in acht Stadien statt, vier in der Schweiz und vier in Österreich. Insgesamt wurden 1,13 Millionen Tickets verkauft, wobei am Ende nur knapp 80 Prozent in den freien Verkauf gingen.
Zum besten Spieler der EM wurde der Spanier Xavi gewählt. Die UEFA begründete ihre Entscheidung mit den knappen Worten: "Xavi bestimmt das Tempo im spanischen Spiel."
Von den deutschen Spielern schafften es Michael Ballack, Lukas Podolski und Philipp Lahm in das Allstar-Team dieser EM 2008.
Als einzigem Spieler des Turniers gelang es dem Spanier David Villa im Spiel gegen Russland, drei Tore zu schießen. Mit insgesamt vier Treffern wurde Villa dann Torschützenkönig.
Fußball-Fans haben immer großen Durst. Der wird aber nicht mit Wasser, sondern mit Bier gestillt. Am Tag des Viertelfinals zwischen Holland und Russland tranken die 180.000 Fans 500.000 Liter Bier.
Beim Spiel Deutschland gegen Portugal wurde Jogi Löw auf die Zuschauer-Tribüne verbannt. Statt seiner stand Co-Trainer Hansi Flick am Spielfeldrand.
Das schnellste Tor der EM schoss Luka Modric in der vierten Minute für Kroatien zum 1:0-Sieg über Österreich.
Schon das Halbfinalspiel Deutschland gegen Türkei wurde zum Nervenkrimi für Beteiligte und Fans. Der Türke Ugur Boral schoss seine Mannschaft sogar in Führung. Doch die deutsche Elf bog das Spiel auf 3:2 um - und zog ins Finale ein.
Bevor auf den Straßen gejubelt werden konnte, passierte "die" TV-Panne der EM: Für rund 18 Minuten waren weltweit Ton und Bild weg. Dafür sahen die deutschen Zuschauer für mehrere Minuten das ZDF-Störbild.
Mit 29 Jahren sechs Monaten und 16 Tagen (am Tag des Eröffnungsspiels) stellte Italien die älteste Mannschaft des Turniers.
Die EM-Trophäe war erstmals eine Neuanfertigung. Vor der EM 2008 entworfen, ähnelt der neue Pokal zwar dem alten sehr, ist aber um ganze 22 Zentimeter größer und damit eindrucksvoller und pompöser.
Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ es sich auch bei diesem Turnier nicht nehmen, dabei zu sein. Das Finale Deutschland gegen Spanien war ein Muss für die Kanzlerin, ...
... bei dem sie vollen Einsatz zeigte.
Es muss nicht immer Politik sein: Außerdem wurden die einen oder anderen Expertengespräche mit dem Bundestrainer geführt.
Obwohl es "nur" für den zweiten Platz gereicht hat, gab es in Berlin für die deutsche Nationalmannschaft wieder einen spektakulären Empfang.
Das Fußball-Traumpaar: Michael Ballack heiratet am Starnberger See Simone Lambe. Die beiden haben drei Kinder.
Zur standesamtlichen Trauung erschien das Who is Who des Fußballs, unter anderen auch Franz "Kaiser" Beckenbauer.
Die Presse interessierte sich brennend für die Vermählung.
Doch die Fotografen mussten draußen bleiben. Ein Sichtschutz hielt die Objektive fern. Zeit, auf eine bewegte Fußballerkarriere zurückzublicken.
Michael Ballack gilt als einer der erfolgreichsten Kicker der Nation. Zahlreiche Titel kann er in seinem Lebenslauf eintragen (hier nach dem Gewinn des DFB-Pokals 2005).
Der erste große: Der Meistertitel mit dem 1. FC Kaiserslautern im Jahr 1998.
In dieser Saison kam der gerade erst vom FC Chemnitz verpflichtete Sachse groß raus. Kaiserslautern war gerade erst aufgestiegen, der Titel eine absolute Sensation.
1999 wechselte Ballack von Lautern nach Leverkusen. Sein Trainer dort: Christoph Daum.
In den drei Jahren beim Werksclub erzielte der Mittelfeldmann insgesamt 36 Pflichtspieltore.
Doch auch diese Momente begleiten Michael Ballacks Karriere wie ein Fluch: Im Jahr 2000 reicht ein Remis gegen Unterhaching, um Leverkusen zum Meister zu machen. Und dann das: Eigentor Ballack, Bayer verliert, Titel futsch.
Auch das darauf folgende Jahr war symptomatisch: Vizemeister, Verlierer im DFB-Pokalfinale und im Champions-League-Finale. Ballack - der ewige Zweite?
Bei seinem neuen Verein, FC Bayern München, sollte alles besser werden. Mit den "Roten" hat man schließlich Titel gebucht.
Und tatsächlich: In den vier Jahren wurde er mit den Bayern drei Mal Meister und drei Mal Pokalsieger. Nur international wollte es nie klappen.
Hier, in London, solle alles besser werden. Im Mai 2006 ging Michael Ballack zum FC Chelsea.
Neben seiner Vereinskarriere ist Michael Ballack auch Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Auch hier verfolgt ihn der Fluch: Bei der WM 2002 sah er im Halbfinale Gelb, war damit fürs Finale gesperrt.
Trotzdem schoss er noch das entscheidende Tor, dass sein Team ins Endspiel brachte.
Gegen Brasilien verlor Deutschland ohne Ballack.
Ein Höhepunkt von Ballacks Karriere: Das Sommermärchen 2006. Keiner traute den Deutschen beim Turnier im eigenen Land so richtig was zu.
Doch das Team schlug sich großartig, belegte am Ende den dritten Platz.
Zwei Jahre später: EM in Österreich und der Schweiz. In der Vorrunde ist es Michael Ballack, der seine etwas tranigen Kollegen aufweckt. Mit diesem Hammer sorgte er für den wichtigen Sieg gegen Österreich.
Viertelfinale gegen Portugal. Die starken Iberer drohten, nach der 2:0-Führung der Deutschen noch einmal zurück zu kommen. Beim Stand von 2:1 war es Ballack, der die Pille ins portugiesische Tor wuchtete.
Aber da war er dann wieder, der Finalfluch. Im Endspiel gegen Spanien verlor Deutschland - verdient - mit 1:0. Ballack wieder nur Vize.
Wie gut, dass er da seine Simone hat. Für die ist er immer die Nummer Eins.
Die erste Europameisterschaft der Geschichte fand 1960 in Frankreich statt, damals unter dem Namen "Europ-Nationenpokal". Sieger wurde die Sowjetunion nach einem 2:1-Sieg über Jugoslawien. Viktor Ponedjelnik schoss in der 114. Minute den Siegtreffer.
Politische Turbulenzen gab es bei der zweiten EM: Griechenland weigerte sich 1964 an der Endrunde in Spanien gegen Albanien zu spielen. Beide Länder befanden sich seit 1912 im Kriegszustand. Den Titel holte Spanien. Leider fanden wir kein Foto vom Sieger.
1968 fand das Turnier erstmals unter dem Namen "Europameisterschaft" statt. Wie schon vier Jahre zuvor setzte sich der Gastgeber durch. Italien konnte sich gegen Jugoslawien allerdings erst im Wiederholungsspiel behaupten.
Die grosse Zeit der deutschen Nationalmannschaft begann 1972. Mit einem legendären Team, reiste Deutschland nach Belgien. Paul Breitner, Uli Hoeness, Günther Netzer, Gerd Müller und Franz Beckenbauer sicherten den EM-Titel.
Deutschland hätte beinahe den Titel verteidigt, scheiterte erst im Final an den schlitzohrigen Tschechslowaken. Legendär der Heber von Panenka im Elfmeterschiessen gegen Deutschland-Keeper Sepp Maier.
1980 stand die deutsche Nationalmannschaft erneut im Finale. Diesmal ließen sie sich die Chance auf den Titel aber nicht entgehen. Sie bezwangen Belgien im Finale mit 2:1.
Die grosse Figur des Turniers in Frankreich war Michel Platini. Der heutige UEFA-Präsident führte sein Team 1984 im eigenen Land zum ersten EM-Titel für die "Grande Nation".
1988 fand die EM in Deutschland statt. Im eigenen Land wollte es nicht klappen. Die Niederländer Gullit, van Basten und Co. waren auf dem Zenit ihrer Karrieren. Sie gewannen nicht nur den EM-Titel, sondern schmissen die Gastgeber auch im Halbfinale raus.
Das dänische Team wurde 1992 sensationell Europameister. Die Dänen qualifizierten sich nicht für das Turnier, sprangen aber für das wegen den Kriegswirren ausgeschlossene Jugoslawien ein und zeigten unbeschwerten, erfrischenden Fussball.
"Football is coming home" hieß der Slogan der Euro in England 1996. Den Titel holten die Deutschen. Erstmals in einem Turnier wurde die Golden-Goal-Regel eingeführt. Davon profitierte Deutschland im Finale gegen Tschechien: Torschütze Oliver Bierhoff.
Nachdem die Franzosen 1998 den WM-Titel geholt hatten legten sie zur EM 2000 nach. Die Spieler um Zinedine Zidan und Thierry Henry gewannen im Endspiel gegen Italien mit einem Golden Goal von David Trezeguet.
Bei der EM 2004 in Portugal gab es eine Überraschung. Griechenland, mit dem deutschen Trainer Otto Rehagel, hatte wohl niemand auf der Rechnung. Die griechische Spielweise war nicht attraktiv aber effizient: Sieben Tore in sechs Spielen reichten zum Sieg.

"Meine Außendarstellung war nicht immer optimal", sagte Oliver Bierhoff in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Samstagsausgabe). Ich räume auch ein, dass ich einige Dinge verkehrt oder etwas naiv angegangen bin, die Außenwirkung unterschätzt habe", sagte der 40-Jährige Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass er seinen Job bis 2010 ausüben möchte.

Damit bezog sich der frühere DFB-Kapitän auch auf die Kritik an seiner Person im Zusammenhang mit seiner Vermarktungsagentur Projekt B. "Operativ habe ich nichts zu tun mit der Agentur. Grundsätzlich ist es so, dass alle meine Aktivitäten mit dem Deutschen Fußball-Bund abgestimmt sind, auch die Werbeverträge. Es ist üblich, dass der DFB für seine sportlichen Führungskräfte gesonderte Vermarktungspartner sucht", erklärte Bierhoff zu diesem Thema.

Nationalmannschaft muss wieder in ruhiges Fahrwasser

Gleichzeitig hofft der frühere Stürmer, dass die Nationalmannschaft 2009 nach den Turbulenzen im ablaufenden Jahr mit den Konflikten zwischen ihm und Ballack sowie Bundestrainer Joachim Löw und seinem Kapitän wieder in ein ruhiges Fahrwasser kommt. Dabei solle das zuletzt immer wieder gebrauchte Wort "Respekt" aber nicht überstrapaziert werden.

"Trotzdem nennen wir den Nationalspielern von Anfang an Respekt und Professionalität als wichtige Pfeiler unserer Arbeit. Nur müssen wir das von der DFB-Verbandsspitze bis zum Trainerteam und Management auch vorleben. Und da, das muss man selbstkritisch sagen, haben auch wir im ablaufenden Jahr nicht immer glücklich agiert."

Das Sommermärchen ist vorbei

Bierhoff forderte mit Blick auf die WM-Endrunde 2010 in Südafrika dazu auf, sich bei der Nationalmannschaft wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht mehr zu sehr den Blick auf die Vergangenheit zu richten: "Grundsätzlich müssen wir aber begreifen, dass das Sommermärchen und auch das 'Sommermärchen reloaded' - wenn man die EM 2008 so bezeichnen will - zu Ende sind. Außerdem passt es ja in diese Zeit der Weltwirtschaftskrise, dass wir uns sammeln, von dieser Welle runterkommen. Insofern kann man die Reibereien auch als Zeichen sehen: Das Märchen ist vorbei, wir müssen wieder ganz bodenständig arbeiten."

Es wird auch in Zukunft Konflikte geben

Dass es innerhalb der DFB-Auswahl aber auch zukünftig Konflikte geben wird, steht für Bierhoff außer Frage. Konflikte im Nationalteam werde es immer geben. "Wir leben in einem Mikrokosmos, in dem es so zugeht wie im richtigen Leben, da gibt's auch mal Streit. Aber solche Probleme löst man. Die Reaktion von Ballack - auch die von Torsten Frings - zeigt umgekehrt auch, dass die Nationalelf ein wichtiger Aspekt ihrer Karriere ist, auf den sie nicht verzichten und für den sie sich auch unterordnen wollen."

Michael ist nicht besser als andere

Bierhoff gab zu, dass "Michael und ich nicht immer auf einer Wellenlänge sind und über verschiedene Dinge unterschiedlich denken", was aber grundsätzlich kein großes Problem sei, da er den Kapitän grundsätzlich sehr schätze: "Michael ist ein toller Fußballer, der uns bis zur WM 2010 noch viel Freude bereiten wird und sportlich voranbringt. Allerdings sollten wir davon wegkommen, dass einer denkt, er sei besser, unersetzbar oder cleverer als der andere. Wir haben ein gemeinsames Ziel: die WM 2010."

Fernsehen sollte Rücksicht auf Kinder nehmen

Das Fernsehen forderte Bierhoff auf, bei den Anstoßzeiten der Länderspiele künftig mehr Rücksicht auf die jüngeren Zuschauer zu nehmen: "Wichtig wäre, dass wir die Nationalelf, Deutschlands liebstes Kind, auch für Kinder zugänglich machen - dass wir es schaffen, zwei- oder dreimal im Jahr früher als 20.45 Uhr auf dem Schirm zu sein. Als Öffentlich-Rechtliche sollten die Sender an die kleine Minderheit denken."

(sid, N24)

06.12.2008 21:30 Uhr

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