Spitzentreffen

Merkel, Manager und die Moral

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Video: Verständnis - Merkel nimmt Manager in Schutz

Angesichts des angekündigten Abbaus tausender Stellen bei deutschen Großunternehmen und der aktuellen Steueraffäre wollen Spitzenvertreter von Wirtschaft und Politik eine Wertedebatte beginnen. Beim Münchner Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag, die Ethikregelungen innerhalb von Unternehmen müssten verbessert werden.

BDI-Präsident Jürgen Thumann kündigte in München an, die Wirtschaft wolle sich an der Diskussion beteiligen. Manager und Unternehmer trügen besondere Verantwortung für die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft: "Wir sind Vorbilder", betonte er. Merkel hob hervor, sie beobachte eine Skepsis bei den Menschen gegenüber dem deutschen Wirtschaftssystem, etwa in der Frage der Managergehälter. Allerdings habe sie keine Absicht, diese staatlich zu regeln. Dies sei Aufgabe der Unternehmen selbst.

Die Kanzlerin forderte eine "Kultur des gemeinsamen Erklärens der Globalisierung", um den Menschen klar zu machen, dass durch die weltweite Vernetzung und Zusammenarbeit mehr Arbeitsplätze entstanden als verloren gegangen seien. Die Folgen der Globalisierung müssen nach Ansicht Merkels jedoch im Rahmen gehalten werden. Sie nannte eine höhere Transparenz und Regulierung der internationalen Finanzströme sowie der Arbeitsweise der internationalen Ratingagenturen.

Je kürzer die Verweildauer, desto geringer die soziale Verantwortung

Thumann stellte mit Blick auf die Debatte um Steuerflüchtlinge klar, dass sich "gegen die Gesellschaft und die Wirtschaft stellt", wer gegen die Gesetze verstoße. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte Thumann, die Ursache für das Desinteresse an gesellschaftlichen Entwicklungen und die gleichzeitig steigenden Managergehälter liege in der stetig kürzer werdenden Verweildauer der Manager in ihren Positionen. "Je kürzer ein Manager an der Spitze seines Unternehmens steht, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er seine soziale Verantwortung wahrnimmt", sagte Thumann in der "SZ". Er sehe diese Entwicklung mit Sorge.

Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie und Handelskammertages, erinnerte im ZDF-Morgenmagazin an die "Werte des ehrbaren Kaufmanns", die zentral seien für das Vertrauen der Belegschaft. Eine neue Ethik für die deutsche Wirtschaft hält Braun allerdings für nicht notwendig. Nur "einige wenige" hätten die Regeln verletzt und den derzeitigen Massenentlassungen stünde ein Potential von 300.000 neuen Stellen gegenüber

Flexibilität durch Stellenabbau.

Die Linke kritisierte, dass die Wirtschaft die Probleme verharmlose. Es gehe nicht um die Fehler einzelner Manager, sondern um das "grundlegende" Problem, dass sich die deutsche Wirtschaft und ihre Spitzenvertreter zunehmend selbst außerhalb der sozialen Marktwirtschaft stellten. "Sie ignorieren das Grundgesetz, wonach Eigentum verpflichtet", kritisierte der stellvertretende Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion, Klaus Ernst.

Unterdessen verteidigte Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, den Stellenabbau bei Großunternehmen wie Siemens, BMW und Henkel. Er verstehe zwar die Wut der Arbeitnehmer, aber Entlassungen bei gleichzeitig steigenden Gewinnen erschienen "nur auf den ersten Blick" widersprüchlich. Die Unternehmen müssten alles daran setzen, flexibel zu bleiben. "Das können sie nur tun, wenn die Gewinne hoch sind", erklärte Hüther im Deutschlandradio Kultur.

(AFP, N24)

29.02.2008 15:58 Uhr

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