"Noch nicht am Ziel"

Jogi Löw übt Selbstkritik

Optimieren, optimieren, optimieren: Im großen Interview zum Jahreswechsel findet Bundestrainer Joachim Löw kritische Worte - auch über sich selbst.

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Kritik auf "hög'schdem Niveau": Joachim Löw, Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, aufgenommen am Freitag (19.12.2008) während eines Interviews mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main.
Toller Fußball, viele Tore, die EM ist zum Zungeschnalzen. Und sogar Ball-Muffel kommen auf ihre Kosten – wenn sie sich mal in und um die Stadien umsehen. Vorhang auf für…
…die leckersten Halbzeitschnittchen!
Die Niederländer weggelächelt: Russland verzaubert nicht nur auf dem Rasen…
…sondern sorgt auch auf der Tribüne für Anmut.
Das Küsschen dieser Niederländerin hat der „Elftal“ kein Glück gebracht.
Rafael, Telefon! Hat Tribünen-Starlet Sylvie van der Vaart Tipps für ihren Mann? Vielleicht hätte es den Niederländern geholfen, wenn ihr Gatte sein Handy in der Buxe gehabt hätte…
Vor dem Herzschlag-Viertelfinale gegen die Türkei…
…war Spielort Wien fest in der Hand charmanter Kroatinnen.
Bier allein macht nicht immer glücklich!
Die Balkan-Beautys setzten sich auf den Straßen der österreichischen Hauptstadt selbstbewusst in Pose…
…und waren auch im Stadion absolute Hingucker!
Doch die gute Laune auf den Rängen half nichts…
...die hübschen Osteuropäerinnen müssen mit ihrer Mannschaft wieder nach Hause fahren.
Für die Türkinnen dagegen…
...geht nach dem Bibber-Sieg im Elfmeterschießen...
…die EM-Sause weiter! Ob die Fans von Gegner Deutschland…
…auch im Halbfinale wieder so süß zittern müssen?
Das Super-Spiel gegen Portugal…
... war ganz schön spannend…
…die Party hinterher dafür…
…umso schwarz-rot-geiler!
Na, wer schmollt denn da? Eigentlich hatten doch die Portugiesinnen viel eher Grund…
…eine Schnute zu ziehen. Doch die schönen Südeuropäerinnen…
…ließen sich trotz der Schlappe keine schlechte Laune anmerken.
Klars Bekenntnis: Das Herz schlägt für Ronaldo, Deco und Co.
Irgendwie fast schade, dass wir solche Bilder…
…diesen Sommer nicht mehr sehen!
Frauen lieben Ljungberg und Co., Männer die schwedischen Anhängerinnen. Für sie war das Turnier allerdings ein kurzes Vergnügen.
Stierisch gut gelaunt! Die Spanierinnen…
…haben bei der EM noch ganz viel vor.
Im Juni hielt uns drei Wochen lang die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz in Atem.
Die deutsche Elf schaffte es zwar wieder einmal ins Finale, musste sich aber den herausragenden Spaniern mit 0:1 geschlagen geben.
N24.de schaut noch mal zurück auf Daten und Fakten rund um das Fußball-Ereignis des Jahres.
Die EM 2008 war nicht gerade das Turnier der Favoriten. Die Großen strauchelten mehr oder weniger früh: Die Franzosen bereits in der Gruppenphase, …
…, die Portugiesen scheiterten an den Deutschen, …
…, die Holländer an den Russen und …
… Weltmeister Italien an Spanien. Der italienische Superstar Luca Toni musste sogar torlos die Heimreise antreten.
Zum ersten Mal seit 44 Jahren gewann Spanien die Europameisterschaft. Nach starken Leistungen im Turnierverlauf und besonders im Finale hatten sich die Iberer den Titel verdient.
Als Überraschung des Turniers muss Russland genannt werden. Mit jungen und zum Teil unbekannten Spielern drang das Team von Star-Trainer Guus Hiddink bis ins Halbfinale vor.
Die 31 Spiele fanden in acht Stadien statt, vier in der Schweiz und vier in Österreich. Insgesamt wurden 1,13 Millionen Tickets verkauft, wobei am Ende nur knapp 80 Prozent in den freien Verkauf gingen.
Zum besten Spieler der EM wurde der Spanier Xavi gewählt. Die UEFA begründete ihre Entscheidung mit den knappen Worten: "Xavi bestimmt das Tempo im spanischen Spiel."
Von den deutschen Spielern schafften es Michael Ballack, Lukas Podolski und Philipp Lahm in das Allstar-Team dieser EM 2008.
Als einzigem Spieler des Turniers gelang es dem Spanier David Villa im Spiel gegen Russland, drei Tore zu schießen. Mit insgesamt vier Treffern wurde Villa dann Torschützenkönig.
Fußball-Fans haben immer großen Durst. Der wird aber nicht mit Wasser, sondern mit Bier gestillt. Am Tag des Viertelfinals zwischen Holland und Russland tranken die 180.000 Fans 500.000 Liter Bier.
Beim Spiel Deutschland gegen Portugal wurde Jogi Löw auf die Zuschauer-Tribüne verbannt. Statt seiner stand Co-Trainer Hansi Flick am Spielfeldrand.
Das schnellste Tor der EM schoss Luka Modric in der vierten Minute für Kroatien zum 1:0-Sieg über Österreich.
Schon das Halbfinalspiel Deutschland gegen Türkei wurde zum Nervenkrimi für Beteiligte und Fans. Der Türke Ugur Boral schoss seine Mannschaft sogar in Führung. Doch die deutsche Elf bog das Spiel auf 3:2 um - und zog ins Finale ein.
Bevor auf den Straßen gejubelt werden konnte, passierte "die" TV-Panne der EM: Für rund 18 Minuten waren weltweit Ton und Bild weg. Dafür sahen die deutschen Zuschauer für mehrere Minuten das ZDF-Störbild.
Mit 29 Jahren sechs Monaten und 16 Tagen (am Tag des Eröffnungsspiels) stellte Italien die älteste Mannschaft des Turniers.
Die EM-Trophäe war erstmals eine Neuanfertigung. Vor der EM 2008 entworfen, ähnelt der neue Pokal zwar dem alten sehr, ist aber um ganze 22 Zentimeter größer und damit eindrucksvoller und pompöser.
Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ es sich auch bei diesem Turnier nicht nehmen, dabei zu sein. Das Finale Deutschland gegen Spanien war ein Muss für die Kanzlerin, ...
... bei dem sie vollen Einsatz zeigte.
Es muss nicht immer Politik sein: Außerdem wurden die einen oder anderen Expertengespräche mit dem Bundestrainer geführt.
Obwohl es "nur" für den zweiten Platz gereicht hat, gab es in Berlin für die deutsche Nationalmannschaft wieder einen spektakulären Empfang.

Am Ende eines turbulenten Jahres mit der EM-Finalteilnahme und dem Wirbel um Michael Ballack hat Joachim Löw den deutschen Fußball zu gemeinsamen Anstrengungen auf dem Weg zur WM 2010 aufgefordert. "Wir alle können uns verbessern. In punkto Tempo, in punkto Taktik müssen wir weiter arbeiten. Wir sind noch nicht am Ziel", sagte der Bundestrainer. Nationalmannschaft und Bundesliga-Vereine hätten noch nicht ihr Leistungslimit erreicht.

Löw räumte ein, dass das DFB- Team unter der Auseinandersetzung mit den Führungsspielern Michael Ballack und Torsten Frings im Herbst "gelitten" habe. "In Zukunft werden wir vermeiden, dass Auseinandersetzungen öffentlich ausgetragen werden", versicherte der 48-Jährige. Für 2009 kündigte er zudem an, wieder die Fitness-Tests für Nationalspieler abzuhalten.

Im internationalen Vergleich sieht Löw den deutschen Fußball noch nicht auf höchsten Niveau angekommen und bezeichnete Europameister Spanien als Vorbild. "Es ist klar, dass wir unsere Arbeit weiter optimieren wollen und dazu haben wir unsere Analysen gemacht", sagte er und nannte Prioritäten: "Die WM-Qualifikation schaffen, junge Spieler einbauen, die Infrastruktur verbessern, Nachwuchsarbeit optimieren, all' dies werden wir angehen. Es gibt schon noch Bereiche, wo wir neue Maßstäbe setzen können und wollen. Denn wir waren spielerisch nicht immer auf hohem Niveau."

Bayern München als einziger Vertreter im Achtelfinale der Champions League könne nicht der Anspruch des deutschen Fußballs sein. "Da wird der beste, intensivste Fußball gespielt. Für jeden Spieler ist es enorm wichtig, sich in der Champions League zu zeigen. Da kann man sich am ehesten messen und verbessern in der Entwicklung. Es wäre wünschenswert, wenn all' unsere Mannschaften die Vorrunde überstehen würden. Umso mehr vertreten sind, desto besser."

"Der sportliche Inhalt" zählt

In die Diskussion um eine Umverteilung der Fernsehgelder zu Gunsten der starken Bundesliga-Vereine will sich Löw nicht einmischen. "Für mich gibt es ein anderes Thema. Für mich hat qualitative Verbesserung absolute Priorität. Andere Dinge kann ich nicht beeinflussen. Und es gibt Vereine, die beweisen, dass sie mit einer konzeptionellen Arbeit mittel- und langfristig erfolgreich sind und durch eine gute Ausbildung dann Geld einnehmen. Für mich ist der sportliche Inhalt der Ansatz", sagte der DFB-Chefcoach.

Für eine bessere Leistungsdiagnostik werden 2009 die in diesem Jahr aus Zeitgründen ausgefallenen Leistungstests wieder eingeführt. "Es ist schon wichtig, dass wir den Fitness-Test mal wieder machen." Einen konkreten Termin gibt es dafür noch nicht, realisierbar seien Leistungstests aber nur während eines Doppel-Spieltags der Nationalelf. "Es ist gut, wenn wir unsere Datenbank jetzt wieder mit Anhaltspunkten aus dem erweiterten Kader auffüllen", erläuterte Löw.

Die große Auseinandersetzung mit Kapitän Ballack und Routinier Frings betrachtet der Bundestrainer in der Rückschau selbstkritisch. "Es gab manche Rückschläge, die wir im Laufe des Jahres erleben mussten. Dadurch ist auch das Bild der Nationalmannschaft in ein anderes Licht gerückt worden. Und darunter haben wir gelitten." Kritik müsse teamintern geäußert werden, bekräftigte Löw: "Wir sind intern für alle Kritik offen, weil wir Kritik als etwas Positives sehen. Wir fragen uns selbst, was können wir besser machen."

Ballack und Frings sieht er weiterhin als wichtige Spieler an. Von einer Berufung für das erste Länderspiel 2009 gegen Norwegen am 11. Februar in Düsseldorf ist auszugehen. "Wenn sie von Verletzungen verschont bleiben, wenn die Vorbereitung stimmt. In England wird Michael Ballack beim FC Chelsea keine Winterpause haben und somit im Rhythmus sein. Wenn Torsten Frings bei Werder Bremen in der Vorbereitung seinen normalen Leistungsstand erreicht, ist er wertvoll für die Mannschaft."

Dickes Lob für Hoffenheim

Weitere personelle Experimente bei der WM-Qualifikation mit EM- Halbfinalist Russland als härtestem Konkurrenten schloss Löw nicht aus. "Wir haben jetzt am Anfang eines Zweijahresrhythmus' die Möglichkeit, Spieler zu fördern und zu sehen, ob sie in der Lage sind, das Niveau Richtung 2010, 2011, 2012 zu erreichen. Wir haben experimentiert, wo es angebracht war. Das wird im nächsten Jahr mit Sicherheit auch noch mal vorangetrieben", sagte der Bundestrainer, der auch die spanischen Sorgenkinder Timo Hildebrand und Christoph Metzelder weiter zum Kandidatenkreis zählt.

Hildebrands Wechsel zu 1899 Hoffenheim bezeichnete er als "guten Schritt". Zumal der Überraschungs-Herbstmeister aus dem Badischen großen Respekt verdiene. "Sie haben immer spielerisch ihre Akzente gesetzt. Das ist nicht die Euphorie eines Aufsteigers, sondern die Qualität dieser Mannschaft. Ich bin sicher, dass Hoffenheim die nächsten Jahre in der Bundesliga-Spitze zu finden sein wird." Löw prophezeit einen spannenden Titelkampf in der Rückrunde: "Die Bayern wissen, dass Hoffenheim schon in diesem Jahr ein ernstzunehmender Konkurrent ist."

(dpa, N24)

22.12.2008 19:51 Uhr

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