"Wir sind stärker"

Israel stellt Hamas Ultimatum

Weitere Eskalation in Nahost: Zwar hat Israel trotz anhaltendem Beschuss militanter Palästinenser die Grenzen zum Gazastreifen geöffnet, der Hamas aber gleichzeitig ein Ultimatum gestellt.

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Video: "Wir sind stärker" - Israel stellt Hamas Ultimatum
Video: "Genug ist genug" - Olmert droht Hamas mit Militäroffensive
Die Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden in Nazi-Deutschland lassen den Ruf nach einem eigenen Staat für die Überlebenden lauter werden.
Tausende Holocaust-Überlebende flüchten nach Israel.
Am 14. Mai 1948 wird Israel auf einem Teil des britischen Mandatsgebietes in Palästina gegründet.
Einen Tag später beginnt der israelisch-arabische Krieg, aus dem Israel 1949 als Sieger hervorgeht. Etwa 700.000 Palästinenser müssen in arabische Länder flüchten.
Nach der Verstaatlichung des Suez-Kanals durch Ägypten beginnt 1956 der Suez-Krieg, in dem Israel von Frankreich und Großbritannien unterstützt wird. Die Angreifer müssen sich aber unter dem Druck Washingtons und Moskaus zurückziehen.
Der israelische Geheimdienst spürt 1960 in Argentinien Adolf Eichmann auf, einen der Hauptverantwortlichen des Judenmordes in Europa. Er wird in Israel zum Tode verurteilt und gehenkt.
1969 beginnt der dritte israelisch-arabische Krieg, genannt der Sechs-Tage-Krieg. Israel besetzt die Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das Westjordanland, Ost-Jerusalem und die Golan-Höhen.
Ariel Scharon (l.) kommandierte im Sechs-Tage-Krieg die mächtigste Panzerdivision an der Sinaifront. Für seine Erfolge wurde er befördert.
Aussöhnung: Israels Regierungschef Begin (r.) und Ägyptens Staatschef Sadat unterzeichnen 1978 in Washington die Camp-David-Verträge, sechs Monate später ist der israelische-ägyptische Friedensvertrag (1979) perfekt.
Wegen der Aussöhnung mit Israel wird Ägyptens Staatschef Sadat am 6. Oktober 1981 während einer Militärparade in Kairo erschossen.
1982 marschiert die israelische Armee in den Libanon ein. Sie vertreibt die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) von Jassir Arafat aus Beirut. Die israelischen Truppen besetzen den Süden des Landes. Rückzug im Jahr 2000.
Arafat (l.) muss 1982 nach Tunesien fliehen. Er richtet einen neuen PLO-Sitz im Exil in Tunis ein. Im Bild ist er mit dem damaligen tunesischen Außenminister Ben Yahia zu sehen.
Der ehemalige israelische Nukleartechniker Mordechai Vanunu erklärt 1986, dass sein Land Atomwaffen besitzt. Dies wird von Israel nie bestätigt oder dementiert. Allgemein wird angenommen, dass Vanunus die Wahrheit sagt.
1987: Die Palästinenser in den besetzten Gebieten erheben sich, die erste Intifada beginnt.
Israel und die PLO unterzeichnen 1993 eine Grundsatzerklärung zur palästinensischen Autonomiebehörde. Es kommt zum historischen Händedruck zwischen Regierungschef Jizchak Rabin und Jassir Arafat.
Jizchak Rabin wird am Abend des 4. November 1995 während einer großen Friedenskundgebung ermordet. Ein jüdischer Fundamentalist schoss auf ihn.
Im September 2000 beginnt die zweite Intifada.
Der angekündigte Besuch des damaligen Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem auch für Moslems heiligen Tempelberg wurde von Palästinensern zum Anlass genommen, einen Aufstand zu beginnen.
Drei Jahre später (2005) zieht sich Israel aus dem Gazastreifen zurück.
Im vergangenen Jahr übernimmt die radikale Palästinenserorganisation Hamas die Kontrolle im Gazastreifen. US-Präsident George W. Bush verkündet das Ziel eines israelisch-palästinensischen Vertrages bis Ende dieses Jahres.
Hilfstransporte dürfen passieren: Armee-Checkpoint von Gush Katif im Gazastreifen (Archivfoto vom 19.07.2005).

Israel hat trotz anhaltender Raketenangriffe den Transfer von humanitärer Hilfe in den Gazastreifen am Freitag wieder zugelassen. Zugleich verstärkten sich aber auch die Hinweise auf eine bevorstehende Offensive gegen palästinensische Extremisten. Eine fehlgeleitete Rakete in dem Autonomiegebiet tötete zwei palästinensische Kinder.

Die israelischen Streitkräfte wurden am Freitag angewiesen, rund 90 Lastwagen mit Medikamenten, Kraftstoff, Kochgas und anderen lebenswichtigen Gütern in den Gazastreifen passieren zu lassen. Zu der Lieferung gehört auch eine Spende der Frau des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak.

Verteidigungsminister Ehud Barak begründete die Entscheidung damit, dass die Regierung eine weitere Zuspitzung der humanitären Krise im Gazastreifen verhindern wolle. Der Beschluss folge auch zahlreichen Appellen der internationalen Gemeinschaft.

Ursprünglich sollte die Grenze bereits am Mittwoch für internationale Hilfen geöffnet werden. Sie blieb aber gesperrt, weil der Süden Israels mit mehr als 80 Raketen und Mörsergranaten aus dem Gazastreifen angegriffen wurde. Die Attacken waren die heftigsten seit dem Ende des sechsmonatigen Waffenstillstands von Juni bis Mitte Dezember.

Am Freitagmorgen zählten die israelischen Streitkräfte erneut mehr als zehn Raketen oder Mörsergranaten. Eines der Geschosse verfehlte sein Ziel und schlug noch vor der israelischen Grenze in einem Haus im Gazastreifen ein. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben zwei Mädchen im Alter von fünf und zwölf Jahren getötet. Drei weitere junge Menschen seien verletzt worden.

Olmert: "Wir sind stärker"

Die Entscheidung für eine Offensive gegen die im Gazastreifen regierende Hamas sei im Kabinett bereits gefallen, verlautete am Donnerstag aus Militärkreisen. Nur die winterlichen Verhältnisse stünden derzeit noch einem Einsatz entgegen. Dem Vernehmen nach sind verstärkte Luftangriffe vorgesehen, denen eine Invasion zu Lande folgen soll. Ministerpräsident Ehud Olmert appellierte an die Bewohner des Autonomiegebiets, sich gegen die Hamas zu stellen. Die islamische Organisation sei für das Leid dort verantwortlich, sagte Olmert am Donnerstag in einem Interview des arabischen Fernsehsenders Al Arabija. Israel werde nicht zögern, militärisch vorzugehen, wenn die Angriffe fortgesetzt würden. Es sei jetzt vielleicht die letzte Minute zur Umkehr. "Wir sind stärker", fügte Olmert hinzu. Der ägyptische Präsident Mubarak forderte Israel bei einem Besuch von Außenministerin Zipi Livni in Kairo indes zur Zurückhaltung auf. Zugleich machte er deutlich, dass er von der Hamas eine sofortige Einstellung des Raketenbeschusses erwarte. Dies verlautete aus israelischen Regierungskreisen. Ägypten bemüht sich um eine neue Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas.

In Bethlehem rief der Lateinische Patriarch Fuad Twal zum Frieden auf. "Krieg bringt keinen Frieden, Gefängnisse garantieren keine Stabilität. Die höchsten Mauern gewährleisten keine Sicherheit", sagte der oberste Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land. "Frieden ist ein Geschenk Gottes, und nur Gott kann diesen Frieden bringen."

(Mark Lavie, AP, dpa, N24)

26.12.2008 17:03 Uhr

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