Weitere Eskalation in Nahost: Zwar hat Israel trotz anhaltendem Beschuss militanter Palästinenser die Grenzen zum Gazastreifen geöffnet, der Hamas aber gleichzeitig ein Ultimatum gestellt.
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Israel hat trotz anhaltender Raketenangriffe den Transfer von humanitärer Hilfe in den Gazastreifen am Freitag wieder zugelassen. Zugleich verstärkten sich aber auch die Hinweise auf eine bevorstehende Offensive gegen palästinensische Extremisten. Eine fehlgeleitete Rakete in dem Autonomiegebiet tötete zwei palästinensische Kinder.
Die israelischen Streitkräfte wurden am Freitag angewiesen, rund 90 Lastwagen mit Medikamenten, Kraftstoff, Kochgas und anderen lebenswichtigen Gütern in den Gazastreifen passieren zu lassen. Zu der Lieferung gehört auch eine Spende der Frau des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak.
Verteidigungsminister Ehud Barak begründete die Entscheidung damit, dass die Regierung eine weitere Zuspitzung der humanitären Krise im Gazastreifen verhindern wolle. Der Beschluss folge auch zahlreichen Appellen der internationalen Gemeinschaft.
Ursprünglich sollte die Grenze bereits am Mittwoch für internationale Hilfen geöffnet werden. Sie blieb aber gesperrt, weil der Süden Israels mit mehr als 80 Raketen und Mörsergranaten aus dem Gazastreifen angegriffen wurde. Die Attacken waren die heftigsten seit dem Ende des sechsmonatigen Waffenstillstands von Juni bis Mitte Dezember.
Am Freitagmorgen zählten die israelischen Streitkräfte erneut mehr als zehn Raketen oder Mörsergranaten. Eines der Geschosse verfehlte sein Ziel und schlug noch vor der israelischen Grenze in einem Haus im Gazastreifen ein. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben zwei Mädchen im Alter von fünf und zwölf Jahren getötet. Drei weitere junge Menschen seien verletzt worden.
Olmert: "Wir sind stärker"
Die Entscheidung für eine Offensive gegen die im Gazastreifen regierende Hamas sei im Kabinett bereits gefallen, verlautete am Donnerstag aus Militärkreisen. Nur die winterlichen Verhältnisse stünden derzeit noch einem Einsatz entgegen. Dem Vernehmen nach sind verstärkte Luftangriffe vorgesehen, denen eine Invasion zu Lande folgen soll. Ministerpräsident Ehud Olmert appellierte an die Bewohner des Autonomiegebiets, sich gegen die Hamas zu stellen. Die islamische Organisation sei für das Leid dort verantwortlich, sagte Olmert am Donnerstag in einem Interview des arabischen Fernsehsenders Al Arabija. Israel werde nicht zögern, militärisch vorzugehen, wenn die Angriffe fortgesetzt würden. Es sei jetzt vielleicht die letzte Minute zur Umkehr. "Wir sind stärker", fügte Olmert hinzu. Der ägyptische Präsident Mubarak forderte Israel bei einem Besuch von Außenministerin Zipi Livni in Kairo indes zur Zurückhaltung auf. Zugleich machte er deutlich, dass er von der Hamas eine sofortige Einstellung des Raketenbeschusses erwarte. Dies verlautete aus israelischen Regierungskreisen. Ägypten bemüht sich um eine neue Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas.
In Bethlehem rief der Lateinische Patriarch Fuad Twal zum Frieden auf. "Krieg bringt keinen Frieden, Gefängnisse garantieren keine Stabilität. Die höchsten Mauern gewährleisten keine Sicherheit", sagte der oberste Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land. "Frieden ist ein Geschenk Gottes, und nur Gott kann diesen Frieden bringen."