Gewalt im Gazastreifen

Hamas ruft zu neuer Intifada auf

Die israelische Armee hat Ziele im Gazastreifen bombardiert und dabei mehr als 200 Palästinenser getötet. Als Reaktion darauf rief die Hamas zu einer neuen Intifada und zu Selbstmordanschlägen auf.

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Palästinenser protestieren in der Stadt Hebron im Westjordanland gegen die israelischen Bombardements im Gazastreifen.
Es war angekündigt und kam dennoch überraschend: Israel hat sich im Gazastreifen mit voller Härte gegen den andauernden Raketenbeschuss der Hamas gewehrt.
Am Samstagvormittag begannen die israelischen Bombardements in Gaza-Stadt, Rafah und in anderen Städten und Siedlungen im Gazastreifen.
Das Ziel der Angriffe waren Stellungen der radikalislamischen Hamas und ihrer Milizen.
Getroffen wurden wie stets jedoch auch viele unbeteiligte Zivilisten.
Fast 200 Menschen sollen nach Informationen von Rettungskräften bei den Luftangriffen getötet worden sein.
Hunderte weitere wurden teilweise schwer verletzt. Ganze Häuserkomplexe wurden in Schutt und Asche gelegt.
Verzweifelt und mit einfachsten Mitteln werden Opfer aus den Trümmern geborgen.
Die Rettungskräfte sind völlig überfordert. Sie können teilweise nicht erreicht werden, da das Handynetz ausgefallen ist.
Anwohner flüchten. Wo sie vor dem Bombenhagel sicher sind, wissen die meisten jedoch nicht.
Wo die israelischen Bomben fallen, hinterlassen sie nur noch ein Trümmerfeld.
Am Platz eines früheren Hamas-Gebäudes steht jetzt kaum noch ein Stein auf dem Anderen.
Die Feuerwehrleute und Rettungskräfte können kaum noch etwas retten. Opfer werden mit Decken und Tüchern abtransportiert.
Die Detonation einer israelischen Missile-Rakete im nördlichen Gazastreifen. In Gaza-Stadt und Rafah explodierten Dutzende der Geschosse.
Vor dem Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt werden die Toten auf dem Boden abgelegt.
Es sind zu viele um sie im Inneren des Gebäudes unterzubringen.
Zudem wird der Platz für die große Zahl der Verletzten gebraucht.
Dicht an dicht drängen sich die Männer, Frauen und Kinder, warten darauf, medizinisch versorgt zu werden.
Und die Zahl der Neuankömmlinge im Krankenhaus reißt nicht ab.
Immer neue Verletzte werden in das schon überfüllte Krankenhaus in Gaza-Stadt gebracht.
Große Teile von Gaza-Stadt und Rafah gleichen nach den Angriffen einem Trümmerfeld.
Überall lodern Flammen, quillt beißender Rauch empor.
Verzweifelt und wütend machen sich die Menschen ein Bild von der Zerstörung oder ...
suchen in den Trümmern nach Opfern und dem wenigen Unzerstörten.
Die israelische Regierung begründet ihr Vorgehen mit dem Beschuss israelischer Siedlungen durch Raketen der Hamas.
Die Hamas hatte den Waffenstillstand mit Israel rund eine Woche vor der derzeitigen Gewalteskalation einseitig aufgekündigt.
Die israelischen Bombardements dürften die antiisraelische Stimmung in den Palästinensergebieten wieder voll entfacht haben.
Schon protestieren auch im Westjordanland Palästinenser gegen die israelischen Militärübergriffe.
Hier ist es bisher noch zu keiner Eskalation der Gewalt gekommen.
Die Polizei begnügt sich mit dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Die weitere Zuspitzung der Situation, insbesondere im Gazastreifen, dürfte jedoch nur eine Frage der Zeit sein.
Die Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden in Nazi-Deutschland lassen den Ruf nach einem eigenen Staat für die Überlebenden lauter werden.
Tausende Holocaust-Überlebende flüchten nach Israel.
Am 14. Mai 1948 wird Israel auf einem Teil des britischen Mandatsgebietes in Palästina gegründet.
Einen Tag später beginnt der israelisch-arabische Krieg, aus dem Israel 1949 als Sieger hervorgeht. Etwa 700.000 Palästinenser müssen in arabische Länder flüchten.
Nach der Verstaatlichung des Suez-Kanals durch Ägypten beginnt 1956 der Suez-Krieg, in dem Israel von Frankreich und Großbritannien unterstützt wird. Die Angreifer müssen sich aber unter dem Druck Washingtons und Moskaus zurückziehen.
Der israelische Geheimdienst spürt 1960 in Argentinien Adolf Eichmann auf, einen der Hauptverantwortlichen des Judenmordes in Europa. Er wird in Israel zum Tode verurteilt und gehenkt.
1969 beginnt der dritte israelisch-arabische Krieg, genannt der Sechs-Tage-Krieg. Israel besetzt die Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das Westjordanland, Ost-Jerusalem und die Golan-Höhen.
Ariel Scharon (l.) kommandierte im Sechs-Tage-Krieg die mächtigste Panzerdivision an der Sinaifront. Für seine Erfolge wurde er befördert.
Aussöhnung: Israels Regierungschef Begin (r.) und Ägyptens Staatschef Sadat unterzeichnen 1978 in Washington die Camp-David-Verträge, sechs Monate später ist der israelische-ägyptische Friedensvertrag (1979) perfekt.
Wegen der Aussöhnung mit Israel wird Ägyptens Staatschef Sadat am 6. Oktober 1981 während einer Militärparade in Kairo erschossen.
1982 marschiert die israelische Armee in den Libanon ein. Sie vertreibt die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) von Jassir Arafat aus Beirut. Die israelischen Truppen besetzen den Süden des Landes. Rückzug im Jahr 2000.
Arafat (l.) muss 1982 nach Tunesien fliehen. Er richtet einen neuen PLO-Sitz im Exil in Tunis ein. Im Bild ist er mit dem damaligen tunesischen Außenminister Ben Yahia zu sehen.
Der ehemalige israelische Nukleartechniker Mordechai Vanunu erklärt 1986, dass sein Land Atomwaffen besitzt. Dies wird von Israel nie bestätigt oder dementiert. Allgemein wird angenommen, dass Vanunus die Wahrheit sagt.
1987: Die Palästinenser in den besetzten Gebieten erheben sich, die erste Intifada beginnt.
Israel und die PLO unterzeichnen 1993 eine Grundsatzerklärung zur palästinensischen Autonomiebehörde. Es kommt zum historischen Händedruck zwischen Regierungschef Jizchak Rabin und Jassir Arafat.
Jizchak Rabin wird am Abend des 4. November 1995 während einer großen Friedenskundgebung ermordet. Ein jüdischer Fundamentalist schoss auf ihn.
Im September 2000 beginnt die zweite Intifada.
Der angekündigte Besuch des damaligen Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem auch für Moslems heiligen Tempelberg wurde von Palästinensern zum Anlass genommen, einen Aufstand zu beginnen.
Drei Jahre später (2005) zieht sich Israel aus dem Gazastreifen zurück.
Im vergangenen Jahr übernimmt die radikale Palästinenserorganisation Hamas die Kontrolle im Gazastreifen. US-Präsident George W. Bush verkündet das Ziel eines israelisch-palästinensischen Vertrages bis Ende dieses Jahres.
Video: Viele Tote und Verletzte - Israel feuert auf Ziele im Gazastreifen
Video: Angriff auf Gazastreifen - Hamas beklagt mindestens 155 Tote

Als Reaktion auf die anhaltenden Raketenangriffe aus dem Gazastreifen hat Israel eine der blutigsten Militäraktionen in der Geschichte des Nahost-Konflikts gestartet. Kampfflugzeuge bombardierten Dutzende Standorte der Hamas im Gazastreifen, mindestens 225 Menschen wurden getötet, überwiegend Polizisten der Hamas. Hamas-Chef Chaled Maschaal rief die Palästinenser zu einer neuen Intifada auf und kündigte Selbstmordanschläge an.

Die israelischen Luftangriffe galten laut Armee vor allem Trainingslagern der Hamas, dem Polizeihauptquartier in Gaza und Raketenwerfern. Die Angriffe dauerten am Abend weiter an. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sagte, die Angriffe könnten noch verstärkt werden. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert sagte im Fernsehen, die Armee bekämpfe nicht das palästinensische Volk, sondern die Hamas. Israel werde alles tun, um zivile Opfer und eine humanitäre Krise im Gazastreifen zu verhindern.

Ägypten nimmt Verletzte auf

Durch die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen wurden nach palästinensischen Krankenhausangaben mindestens 225 Menschen getötet und 700 weitere verletzt, 140 von ihnen schwer. Ägypten öffnete den Grenzübergang Rafah, um die Behandlung verletzter Palästinenser in ägyptischen Krankenhäusern zu ermöglichen.

Nach Angaben der israelischen Armee feuerten radikale Palästinenser mehr als 50 Raketen und Mörsergranaten auf den Süden Israels ab. Ein Israeli wurde getötet, als ein Geschoss in einem Haus in der Ortschaft Netivot einschlug.

Hamas kündigt neue Intifada an

Der im Exil lebende Hamas-Chef Maschaal sagte im Fernsehsender El Dschasira: "Wir rufen zu einer militärischen Intifada gegen unseren Feind auf. Der Widerstand wird sich mit Selbstmordaktionen fortsetzen." Zuvor hatte der Chef der Hamas-Regierung im Gazastreifen, Ismail Hanijah, gesagt, seine Bewegung werde sich nicht geschlagen geben, selbst wenn der Gazastreifen "vernichtet" werde.

Die Hamas hatte vor anderthalb Jahren die Macht im Gazastreifen gewaltsam übernommen. Am 19. Dezember hatte sie den im Juni unter ägyptischer Vermittlung ausgehandelten Waffenstillstand mit Israel offiziell für beendet erklärt. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die "Massaker im Gazastreifen" und forderte das Ende der israelischen Luftangriffe. Die Arabische Liga kündigte für Sonntag eine Dringlichkeitssitzung an.

Steinmeier fordert Ende der Gewalt

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte die Hamas auf, den "unerträglichen Raketenbeschuss" auf Israel sofort und dauerhaft einzustellen. Die Bundesregierung respektiere das legitime Recht Israels, sich selbst zu verteidigen. Gleichzeitig müsse Israel alles tun, um zivile Opfer zu vermeiden.

Der französische Staatschef und EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy verlangte ein unverzügliches Ende der Raketenangriffe auf Israel sowie der israelischen Bombardements. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana forderte einen "sofortigen Waffenstillstand" im Gazastreifen. Das Weiße Haus erklärte, die Hamas habe "die Karten in der Hand" und könne den israelischen Angriffen ein Ende machen, indem sie den Raketenbeschuss vom Gazastreifen aus beende. Russland forderte beide Seiten zum Gewaltverzicht auf. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte ein "sofortiges Ende aller Gewalt".

(AFP, N24)

27.12.2008 17:49 Uhr

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