Angriffe auf Gazastreifen

Weltweit Besorgnis und Verurteilung

Die Vereinten Nationen und die Europäische Union verurteilen die israelischen Angriffe scharf. Es handele sich um einen "unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt", so UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

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In der arabischen Welt ist die Trauer und Bestürzung über die israelischen Luftangriffe groß.
Es war angekündigt und kam dennoch überraschend: Israel hat sich im Gazastreifen mit voller Härte gegen den andauernden Raketenbeschuss der Hamas gewehrt.
Am Samstagvormittag begannen die israelischen Bombardements in Gaza-Stadt, Rafah und in anderen Städten und Siedlungen im Gazastreifen.
Das Ziel der Angriffe waren Stellungen der radikalislamischen Hamas und ihrer Milizen.
Getroffen wurden wie stets jedoch auch viele unbeteiligte Zivilisten.
Fast 200 Menschen sollen nach Informationen von Rettungskräften bei den Luftangriffen getötet worden sein.
Hunderte weitere wurden teilweise schwer verletzt. Ganze Häuserkomplexe wurden in Schutt und Asche gelegt.
Verzweifelt und mit einfachsten Mitteln werden Opfer aus den Trümmern geborgen.
Die Rettungskräfte sind völlig überfordert. Sie können teilweise nicht erreicht werden, da das Handynetz ausgefallen ist.
Anwohner flüchten. Wo sie vor dem Bombenhagel sicher sind, wissen die meisten jedoch nicht.
Wo die israelischen Bomben fallen, hinterlassen sie nur noch ein Trümmerfeld.
Am Platz eines früheren Hamas-Gebäudes steht jetzt kaum noch ein Stein auf dem Anderen.
Die Feuerwehrleute und Rettungskräfte können kaum noch etwas retten. Opfer werden mit Decken und Tüchern abtransportiert.
Die Detonation einer israelischen Missile-Rakete im nördlichen Gazastreifen. In Gaza-Stadt und Rafah explodierten Dutzende der Geschosse.
Vor dem Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt werden die Toten auf dem Boden abgelegt.
Es sind zu viele um sie im Inneren des Gebäudes unterzubringen.
Zudem wird der Platz für die große Zahl der Verletzten gebraucht.
Dicht an dicht drängen sich die Männer, Frauen und Kinder, warten darauf, medizinisch versorgt zu werden.
Und die Zahl der Neuankömmlinge im Krankenhaus reißt nicht ab.
Immer neue Verletzte werden in das schon überfüllte Krankenhaus in Gaza-Stadt gebracht.
Große Teile von Gaza-Stadt und Rafah gleichen nach den Angriffen einem Trümmerfeld.
Überall lodern Flammen, quillt beißender Rauch empor.
Verzweifelt und wütend machen sich die Menschen ein Bild von der Zerstörung oder ...
suchen in den Trümmern nach Opfern und dem wenigen Unzerstörten.
Die israelische Regierung begründet ihr Vorgehen mit dem Beschuss israelischer Siedlungen durch Raketen der Hamas.
Die Hamas hatte den Waffenstillstand mit Israel rund eine Woche vor der derzeitigen Gewalteskalation einseitig aufgekündigt.
Die israelischen Bombardements dürften die antiisraelische Stimmung in den Palästinensergebieten wieder voll entfacht haben.
Schon protestieren auch im Westjordanland Palästinenser gegen die israelischen Militärübergriffe.
Hier ist es bisher noch zu keiner Eskalation der Gewalt gekommen.
Die Polizei begnügt sich mit dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Die weitere Zuspitzung der Situation, insbesondere im Gazastreifen, dürfte jedoch nur eine Frage der Zeit sein.

Die israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen mit mehr als 200 Toten haben am Samstag international Besorgnis ausgelöst und den Ruf nach einem sofortigen Stopp der Kämpfe laut werden lassen.

Vielfach wurde Israel ein unverhältnismäßiger Einsatz militärischer Gewalt vorgeworfen. Scharfer Protest und die Forderung nach einem internationalen Einschreiten kam aus den arabischen Ländern. Regierungen und internationale Organisationen appellierten an Israelis und die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas, zivile Opfer zu vermeiden.

UN und EU verurteilen Raketenangriffe

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt, der zu toten und verletzten Zivilisten geführt habe. Wie ein Sprecher Bans am Samstag in New York mitteilte, verurteilte der UN-Chef zugleich die anhaltenden Raketenangriffe militanter Palästinenser auf den Süden Israels. Ähnlich lautete die Reaktion der Europäischen Union: Man verurteile sowohl die israelischen Bombenangriffe als auch den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen, teilte die französische EU-Ratspräsidentschaft in Paris mit. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner forderte beide Konfliktparteien auf, sich unverzüglich wieder an den Waffenstillstand zu halten.

EU-Chefdiplomat Javier Solana verurteilte die israelischen Luftangriffe scharf. "Die derzeitigen israelischen Luftangriffe führen zu einem nicht hinnehmbaren Leid für palästinensische Zivilisten und werden die humanitäre Lage nur verschlechtern und die Suche nach einer friedlichen Lösung des Problems nur erschweren", erklärte Solana am Samstagabend in Brüssel. "Es gibt im Gazastreifen keine militärische Lösung", heißt es in einer Stellungnahme des EU-Außenbeauftragten. Er verurteilte auch die Raketenangriffe gegen Israel.

USA und Russland fordern sofortigen Waffenstillstand

US-Außenministerin Condoleezza Rice hat vor dem Hintergrund des israelischen Offensive in Gaza die radikalislamische Hamas-Bewegung scharf kritisiert. Hamas trage die Schuld am jüngsten Bruch des Waffenstillstands. "Die Vereinigten Staaten verurteilen streng die wiederholten Raketen- und Mörserangriffe auf Israel und halten Hamas für den Bruch des Waffenstillstands und die erneute Gewalt in Gaza verantwortlich", meinte sie in einer am Samstag in Washington verbreiteten Erklärung. Der Waffenstillstand sollte sofort wiederhergestellt werden. Zugleich rief die alle Beteiligten auf, "dem unschuldigen Volk von Gaza" humanitäre Hilfe zukommen zu lassen.

Moskaus Außenamtssprecher Andrej Nesterenko forderte unterdessen Israel auf, "die Kampfhandlungen, die bereits zu großen Verlusten und viel Leid unter der friedlichen palästinensischen Bevölkerung geführt haben, zu beenden".

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy warf Israel ebenfalls unverhältnismäßigen Gewalteinsatz vor. Die Bombardierung müsse sofort ein Ende haben, ließ er in Paris mitteilen. Auch der britische Premierminister Gordon Brown rief zu einem Ende der Gewalt auf. Er sei "zutiefst besorgt" über die Angriffe aus dem Gazastreifen auf Israel und die Antwort der Israelis darauf, sagte Brown in London. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte in der "Bild am Sonntag" die Befürchtung, dass der Gazastreifen "erneut in einer Spirale der Gewalt" versinken könnte.

Schärfste Reaktionen aus dem Iran

In der arabischen Welt wurde das israelische Vorgehen verurteilt. Ägypten machte die Regierung in Jerusalem "als Besatzungsmacht" verantwortlich für Tote und Verletzte. Zugleich bot Kairo an, wie schon mehrfach in der Vergangenheit zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas zu vermitteln. Jordanien verlangte eine Dringlichkeitssitzung der Arabischen Liga. In Amman demonstrierten mehrere tausend Menschen gegen das israelische Vorgehen. Der Jemen forderte einen Krisengipfel der arabischen Staaten.

Die schärfste Reaktion kamen aus Teheran, dessen Führung als erbittertster Gegner Israels in der Region gilt. «Dieser brutale und unmenschliche Akt des zionistischen Regimes fügt dessen finsterem kriminellem und terroristischem Strafregister ein weiteres Kapitel hinzu», zitierte die Nachrichtenagentur ISNA einen iranischen Außenministeriumssprecher. Teheran forderte den Weltsicherheitsrat und die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) auf, unverzüglich einzuschreiten, um die Gewalt zu stoppen.

Hilfsorganisationen sehe eine Zuspitzung der humanitären Lage

Der Vatikan verurteilte die israelischen Luftangriffe und beklagte die "zahlreichen unschuldigen Opfer". Hilfsorganisation äußerten die Befürchtung, dass sich die durch die monatelange israelische Blockade ohnehin angespannte humanitäre Lage im Gazastreifen weiter zuspitzen werde. Die in dem Palästinensergebiet tätigen Organisationen warnten zudem vor einem "großangelegten militärischen Eindringen" der Israelis in den Gazastreifen, das "verhängnisvolle Folgen für die Bevölkerung hätte".

(dpa, N24)

28.12.2008 07:15 Uhr

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