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Gewaltspirale in Nahost

Israel mobilisiert tausende Soldaten

Erstmals seit dem Libanonkrieg hat Israel die Mobilisierung von Reservesoldaten zur Vorbereitung einer Bodenoffensive gebilligt. Laut israelischen Medien sollen 6.500 Soldaten einberufen werden.

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Israel zieht an der Grenze zum Gazastreifen tausende Soldaten und schweres Gerät zusammen.
Es war angekündigt und kam dennoch überraschend: Israel hat sich im Gazastreifen mit voller Härte gegen den andauernden Raketenbeschuss der Hamas gewehrt.
Am Samstagvormittag begannen die israelischen Bombardements in Gaza-Stadt, Rafah und in anderen Städten und Siedlungen im Gazastreifen.
Das Ziel der Angriffe waren Stellungen der radikalislamischen Hamas und ihrer Milizen.
Getroffen wurden wie stets jedoch auch viele unbeteiligte Zivilisten.
Fast 200 Menschen sollen nach Informationen von Rettungskräften bei den Luftangriffen getötet worden sein.
Hunderte weitere wurden teilweise schwer verletzt. Ganze Häuserkomplexe wurden in Schutt und Asche gelegt.
Verzweifelt und mit einfachsten Mitteln werden Opfer aus den Trümmern geborgen.
Die Rettungskräfte sind völlig überfordert. Sie können teilweise nicht erreicht werden, da das Handynetz ausgefallen ist.
Anwohner flüchten. Wo sie vor dem Bombenhagel sicher sind, wissen die meisten jedoch nicht.
Wo die israelischen Bomben fallen, hinterlassen sie nur noch ein Trümmerfeld.
Am Platz eines früheren Hamas-Gebäudes steht jetzt kaum noch ein Stein auf dem Anderen.
Die Feuerwehrleute und Rettungskräfte können kaum noch etwas retten. Opfer werden mit Decken und Tüchern abtransportiert.
Die Detonation einer israelischen Missile-Rakete im nördlichen Gazastreifen. In Gaza-Stadt und Rafah explodierten Dutzende der Geschosse.
Vor dem Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt werden die Toten auf dem Boden abgelegt.
Es sind zu viele um sie im Inneren des Gebäudes unterzubringen.
Zudem wird der Platz für die große Zahl der Verletzten gebraucht.
Dicht an dicht drängen sich die Männer, Frauen und Kinder, warten darauf, medizinisch versorgt zu werden.
Und die Zahl der Neuankömmlinge im Krankenhaus reißt nicht ab.
Immer neue Verletzte werden in das schon überfüllte Krankenhaus in Gaza-Stadt gebracht.
Große Teile von Gaza-Stadt und Rafah gleichen nach den Angriffen einem Trümmerfeld.
Überall lodern Flammen, quillt beißender Rauch empor.
Verzweifelt und wütend machen sich die Menschen ein Bild von der Zerstörung oder ...
suchen in den Trümmern nach Opfern und dem wenigen Unzerstörten.
Die israelische Regierung begründet ihr Vorgehen mit dem Beschuss israelischer Siedlungen durch Raketen der Hamas.
Die Hamas hatte den Waffenstillstand mit Israel rund eine Woche vor der derzeitigen Gewalteskalation einseitig aufgekündigt.
Die israelischen Bombardements dürften die antiisraelische Stimmung in den Palästinensergebieten wieder voll entfacht haben.
Schon protestieren auch im Westjordanland Palästinenser gegen die israelischen Militärübergriffe.
Hier ist es bisher noch zu keiner Eskalation der Gewalt gekommen.
Die Polizei begnügt sich mit dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Die weitere Zuspitzung der Situation, insbesondere im Gazastreifen, dürfte jedoch nur eine Frage der Zeit sein.
Die Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden in Nazi-Deutschland lassen den Ruf nach einem eigenen Staat für die Überlebenden lauter werden.
Tausende Holocaust-Überlebende flüchten nach Israel.
Am 14. Mai 1948 wird Israel auf einem Teil des britischen Mandatsgebietes in Palästina gegründet.
Einen Tag später beginnt der israelisch-arabische Krieg, aus dem Israel 1949 als Sieger hervorgeht. Etwa 700.000 Palästinenser müssen in arabische Länder flüchten.
Nach der Verstaatlichung des Suez-Kanals durch Ägypten beginnt 1956 der Suez-Krieg, in dem Israel von Frankreich und Großbritannien unterstützt wird. Die Angreifer müssen sich aber unter dem Druck Washingtons und Moskaus zurückziehen.
Der israelische Geheimdienst spürt 1960 in Argentinien Adolf Eichmann auf, einen der Hauptverantwortlichen des Judenmordes in Europa. Er wird in Israel zum Tode verurteilt und gehenkt.
1969 beginnt der dritte israelisch-arabische Krieg, genannt der Sechs-Tage-Krieg. Israel besetzt die Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, das Westjordanland, Ost-Jerusalem und die Golan-Höhen.
Ariel Scharon (l.) kommandierte im Sechs-Tage-Krieg die mächtigste Panzerdivision an der Sinaifront. Für seine Erfolge wurde er befördert.
Aussöhnung: Israels Regierungschef Begin (r.) und Ägyptens Staatschef Sadat unterzeichnen 1978 in Washington die Camp-David-Verträge, sechs Monate später ist der israelische-ägyptische Friedensvertrag (1979) perfekt.
Wegen der Aussöhnung mit Israel wird Ägyptens Staatschef Sadat am 6. Oktober 1981 während einer Militärparade in Kairo erschossen.
1982 marschiert die israelische Armee in den Libanon ein. Sie vertreibt die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) von Jassir Arafat aus Beirut. Die israelischen Truppen besetzen den Süden des Landes. Rückzug im Jahr 2000.
Arafat (l.) muss 1982 nach Tunesien fliehen. Er richtet einen neuen PLO-Sitz im Exil in Tunis ein. Im Bild ist er mit dem damaligen tunesischen Außenminister Ben Yahia zu sehen.
Der ehemalige israelische Nukleartechniker Mordechai Vanunu erklärt 1986, dass sein Land Atomwaffen besitzt. Dies wird von Israel nie bestätigt oder dementiert. Allgemein wird angenommen, dass Vanunus die Wahrheit sagt.
1987: Die Palästinenser in den besetzten Gebieten erheben sich, die erste Intifada beginnt.
Israel und die PLO unterzeichnen 1993 eine Grundsatzerklärung zur palästinensischen Autonomiebehörde. Es kommt zum historischen Händedruck zwischen Regierungschef Jizchak Rabin und Jassir Arafat.
Jizchak Rabin wird am Abend des 4. November 1995 während einer großen Friedenskundgebung ermordet. Ein jüdischer Fundamentalist schoss auf ihn.
Im September 2000 beginnt die zweite Intifada.
Der angekündigte Besuch des damaligen Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem auch für Moslems heiligen Tempelberg wurde von Palästinensern zum Anlass genommen, einen Aufstand zu beginnen.
Drei Jahre später (2005) zieht sich Israel aus dem Gazastreifen zurück.
Im vergangenen Jahr übernimmt die radikale Palästinenserorganisation Hamas die Kontrolle im Gazastreifen. US-Präsident George W. Bush verkündet das Ziel eines israelisch-palästinensischen Vertrages bis Ende dieses Jahres.
Video: Krieg im Nahen Osten - Israel beruft Reservisten ein
Video: Krieg im Nahen Osten - Israel droht mit Einsatz von Bodentruppen
Video: Angriff auf Gazastreifen - Hamas beklagt mindestens 155 Tote
Video: Viele Tote und Verletzte - Israel feuert auf Ziele im Gazastreifen

Nach den blutigsten Luftangriffen auf den Gazastreifen seit 40 Jahren mit mindestens 285 Toten bereitet Israel jetzt eine Bodenoffensive vor. Erstmals seit dem Libanonkrieg vor mehr als zweieinhalb Jahren billigte das israelische Kabinett die Einberufung von 6500 Reservisten. Israels amtierender Ministerpräsident Ehud Olmert bereitete die Bevölkerung auf eine lange Militäroperation vor und bat um Geduld, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen.

Trotz aller Aufrufe des UN-Sicherheitsrates, der Europäischen Union und zahlreicher Staaten zu einem Ende der Gewalt setzten Israel und militante Palästinenser am Sonntag die Angriffe fort. Zur Vorbereitung eines möglichen Bodeneinsatzes rollten zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge in Richtung Gazastreifen. Israel will mit seiner Offensive mit der Bezeichnung "Gegossenes Blei" die ständigen Raketenangriffe militanter Palästinenser auf das israelische Grenzgebiet unterbinden.

Raketenbeschuss weit in israelisches Gebiet

Die israelische Luftwaffe bombardierte am Samstag und Sonntag zahlreiche Ziele der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen. Unter den bei der Offensive Getöteten waren nach palästinensischen Angaben 180 Militante. Zudem habe es mehr als 900 Verletzte gegeben. Laut Augenzeugen wurde auch das Hauptquartier der Hamas-Regierung in der Stadt Gaza getroffen und schwer beschädigt. Israelische Kampfflugzeuge beschossen am Sonntag auch rund 40 Schmugglertunnel im ägyptisch-palästinensischen Grenzgebiet.

Nach Angaben der israelischen Polizei schlugen am Sonntag mehr als 40 Raketen auf israelischem Boden ein. Am Samstag wurde bei einem Raketenangriff ein Israeli getötet. Militante Palästinenser feuerten aus dem Gazastreifen auch zwei weiter reichende Grad-Raketen ab, die am Stadtrand der 30 Kilometer nördlich gelegenen Hafenstadt Aschdod einschlugen - so weit auf israelischem Gebiet wie nie zuvor. Unmittelbar nach den Luftangriffen hatte Hamas-Sprecher Fausi Barhum angekündigt, dass Israel für das "Blutbad" einen hohen Preis zahlen werde. Er hatte den militanten Flügel der Hamas aufgefordert, Raketen mit der größten Reichweite auf Israel abzufeuern.

UN mahnt zu Ende der Gewalt

Der UN-Sicherheitsrat forderte nach einer Dringlichkeitssitzung in New York einen sofortigen Stopp aller Militäraktionen im Gazastreifen. Das Gremium war auf Antrag Libyens zusammengetreten. Auf eine explizite Verurteilung der israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen konnte sich der Rat jedoch nicht einigen. Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den "unverhältnismäßigen" Einsatz von Gewalt kritisiert. Wie ein Sprecher am Samstag in New York mitteilte, verurteilte Ban zudem die anhaltenden Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel.

Die USA mahnten Israel zur Zurückhaltung. US-Außenministerin Condoleezza Rice machte aber die Hamas für die Eskalation der Gewalt verantwortlich, da sie die Waffenruhe beendet habe. "Die Vereinigten Staaten verurteilen streng die wiederholten Raketen- und Mörserangriffe auf Israel", erklärte sie in Washington.

Abbas kritisiert Hamas

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas machte am Sonntag die Hamas für die schweren israelischen Angriffe auf den Gazastreifen zumindest mitverantwortlich. "Wir haben ihnen eindringlich nahegelegt, die Waffenruhe mit Israel nicht zu beenden", sagte Abbas auf einer Pressekonferenz in Kairo. Abbas traf am Sonntag im Rahmen einer hektischen Krisendiplomatie in der ägyptischen Hauptstadt mit Präsident Husni Mubarak und Außenminister Ahmed Abul Gheit zusammen. Am Samstag hatte er sich bei Riad mit dem saudischen König Abdullah und in Amman mit dem jordanischen König Abdullah II. beraten.

Der Chef des Hamas-Politbüros, Chaled Maschaal, kündigte Vergeltung an und rief die Palästinenser zu einem Volksaufstand gegen Israel auf. "Ein Sieg kann nur durch Widerstand und Dschihad-Einsätze (Selbstmordanschläge) erreicht werden", sagte Maschaal am Samstag dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira. Die Palästinenser im Westjordanland sollten sich deshalb zu einer dritten Intifada (arabisch für Aufstand) erheben.

Wut auf Israel in arabischer Welt

Die EU verurteilte sowohl die israelischen Bombenangriffe als auch den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen auf israelisches Gebiet. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy warf Israel unverhältnismäßigen Gewalteinsatz vor. Die Bombardierung müsse sofort ein Ende haben, ließ er in Paris mitteilen. Auch der britische Premierminister Gordon Brown rief zu einem Ende der Gewalt auf. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte die Befürchtung, dass der Gazastreifen "erneut in einer Spirale der Gewalt" versinken könnte. Papst Benedikt XVI. rief am Sonntag zum Ende des Blutvergießens in Gaza auf.

In der arabischen Welt und im Iran stieß der massive Angriff Israels auf Wut und Ablehnung. Staatsoberhäupter in der Region kritisierten die "Besatzungsmacht" Israel und forderten sie auf, die "kollektive Bestrafung" der Gaza-Bewohner einzustellen. In den Straßen von Kairo, Damaskus, Beirut, Amman und Sanaa gingen Tausende von Menschen auf die Straße, um ihrer Empörung Luft zu machen. Die Arabische Liga will sich am Mittwoch auf einer Dringlichkeitssitzung in Kairo mit der Lage befassen.

Seit dem Ende einer Waffenruhe am 19. Dezember haben militante Palästinenser nach Armeeangaben Hunderte Raketen und Mörsergranaten auf israelische Grenzgemeinden gefeuert. Dort leben 125.000 Israelis mit der ständigen Gefahr, Opfer eines Angriffs zu werden.

(dpa, N24)

28.12.2008 20:25 Uhr

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