DFB-Team 2008

Löw: "Fast das Maximale erreicht"

Die Bilanz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft kann sich 2008 sehen lassen: Elf Siege in 16 Länderspielen und EM-Zweiter. Einige Querelen trüben aber das Gesamtbild.

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Sportliche Höhepunkte kann Bundestrainer Löw auf seinem Konto verbuchen. 2008 ist aber auch das Jahr der Auseinandersetzungen, Rauswürfe und Querelen innerhalb der Mannschaft.
Er ist der bislang letzte Neuling in der Ära Joachim Löw: Der Stuttgarter Christian Träsch gab beim 7:2-Tespielsieg in Dubai gegen die Vereinigten Arabischen Emirate sein Debüt im Nationaltrikot.
In seiner gut dreijährigen Amtszeit hat der Bundestrainer damit bereits 29 Profis in die Nationalelf berufen.
Die Schar der Neulinge stieg während der Asienreise Anfang Juni 2009 noch einmal an, als zahlreiche Stammkräfte absagen mussten. So kam auch VfB-Stürmer Cacau ...
... zu seinem ersten Länderspieleinsatz. Erst kurz davor hatte er seinen deutschen Pass bekommen und konnte in Asien mit dem nun ehemaligen VfB-Kollegen Mario Gomez gemeinsam auf Torejagd gehen.
Der Wolfsburger Christian Gentner lieferte im Meisterschaftsendspurt eine derart überzeugende Leistung ab, dass er während der Asienreise sein Debüt geben durfte, genauso wie ...
... Schalkes Torhüter Manuel Neuer. Damit ist auch der harte Kampf um die Nummer eins im deutschen Tor mit Blickrichtung WM 2010 eröffnet.
Er war der erste Neuling unter Löw: Manuel Friedrich, damals noch beim FSV Mainz, inzwischen bei Bayer Leverkusen aktiv. Er lief im August 2006 erstmals für Deutschland auf.
Im selben Spiel stand auch Malik Fathi, damals Hertha BSC Berlin, erstmals für Deutschland auf dem Platz. Es blieb bis dato bei diesem einen Spiel, Fathi spielt inzwischen für Spartak Moskau.
Debütant im Oktober 2006 gegen Georgien: Der Bremer Clemens Fritz.
Auch HSV-Mittelfeld-Ass Piotr Trochowski lief in diesem Spiel erstmals für Deutschland auf, ...
... genauso wie Jan Schlaudraff, damals noch in Aachen unter Vertrag. Nach seinem desaströsen Jahr beim FC Bayern München geht er inzwischen für Hannover auf Torejagd - und ist vielleicht bald wieder ein Kandidat für Joachim Löw.
Auch der Wolfsburger Alexander Madlung lief 2006 erstmals für Deutschland auf. Bisher kam er auf zwei Einsätze.
Mario Gomez feierte im Februar 2007 beim 3:1-Erfolg gegen die Schweiz seinen Einstand. Seine zwischenzeitlich torlose Durststrecke ging beim 7:2-Sieg gegen die Vereinigten Arabischen Emirate zu Ende: Der Neu-Bayern-Stürmer steuerte einen Viererpack bei.
Im selben Spiel gab der Stuttgarter Roberto Hilbert sein Debüt, er kommt bislang auf elf Einsätze im deutschen Trikot.
Gleich drei Leverkusener Spieler kamen im März 2007 gegen Dänemark zu ihrem ersten Einsatz: Simon Rolfes, ...
... genauso wie Stürmer Stefan Kießling ...
... und Gonzalo Castro.
Noch ein Leverkusener, der aber noch in Diensten des 1. FC Köln stand, als er sein erstes Länderspiel absolvierte: Patrick Helmes ist seit 2007 in der Nationalmannschaft dabei.
Der Schalker Christian Pander streifte sich im August 2007 erstmals das deutsche Trikot über. Es war ein Aufeinandertreffen mit England, Deutschland siegte 2:1.
Debütanten 2008 gegen Österreich: die Schalker Heiko Westermann...
... und Jermaine Jones. Der Mittelfeldspieler besitzt aber zwei Pässe und hat dem DFB die Freundschaft inzwischen aufgekündigt. Er kickt nun für die amerikanische Nationalmannschaft.
Dieser Dribbelkünstler überzeugte in seinem ersten Länderspiel-Einsatz gegen Weißrussland im Mai 2008: der (Noch)-Gladbacher Marko Marin.
Serdar Tasci vom VfB Stuttgart durfte bereits acht Mal Nationalmannschaftsluft schnuppern - erstmals im August 2008 gegen Belgien.
Im Kampf um die dauerhafte Nummer eins im deutschen Tor gab er einen überzeugenden Einstand: René Adler stand im Oktober 2008 beim 2:1-Sieg gegen Russland erstmals zwischen den Pfosten.
Er war bereits für die U21 im Einsatz und kam 2008 gegen England zu ersten Länderspielehren: der Hoffenheimer Marvin Compper.
Diese Hoffnungen hatte sich auch sein Vereinskollege Tobias Weis gemacht, das England-Spiel musste er sich aber von der Bank aus anschauen. Sein Debüt gab er 2009 während der Asienreise.
Noch ein Debütant 2008 gegen England: Abwehrspieler Marcel Schäfer, der vier Jahre lang in Diensten des TSV 1860 München stand und 2007 nach Wolfsburg wechselte. Dort fiel er in der Meisterschaftssaison mit guten Leistungen auf.
Auch er mischt mit im Kampf um den Platz im deutschen Tor: Bremens Keeper Tim Wiese kam gegen England 2008 zu seinem ersten Länderspieleinsatz.
Der Hoffenheimer Andreas Beck schlüpfte im Februar 2009 erstmals ins Nationaldress. Seinen ersten Einsatz bekam er im Testspiel gegen Norwegen, das die Deutschen 0:1 verloren.
Bei diesem Grottenkick absolvierte auch Mesut Özil sein erstes Länderspiel. Es blieb bislang das einzige - der DFB-Pokal, den er später mit Werder Bremen holte, dürfte darüber etwas hinwegtrösten.
Rauswurf für Kevin Kuranyi. Nach 52 Länderspielen und 19 Toren konnte er am 12. Oktober 2008 das Kapitel Nationalmannschaft abhaken.
Ohne Abmeldung war der Stürmer nach dem Russlandspiel zuvor aus dem Stadion in Dortmund verschwunden. Bis zum folgenden Training konnte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) keinen Kontakt zu ihm herstellen.
Bundestrainer Joachim Löw war stinksauer und warf Kuranyi aus dem DFB-Team. In Zukunft werde er den Schalker nicht mehr nominieren, stellte Löw klar.
Kuranyi war offenbar sauer über seine Nichtberücksichtigung im WM-Qualifikationsspiel gegen Russland. Er saß während des Spiels auf der Tribüne und verschwand von dort eigenmächtig.
Kevin Kuranyi hat allerdings namhafte Vorgänger, die wegen diverser Verfehlungen aus der Nationalmannschaft flogen.
Uli Stein war 1986 als zweiter Torhüter mit zur Weltmeisterschaft nach Mexiko gereist. Unzufrieden mit dem Reservistendasein ...
... bezeichnete er Teamchef Franz Beckenbauer als "Suppenkasper" und die eigene Mannschaft als "Gurkentruppe".
Beckenbauer machte kurzen Prozess - und schickte Stein nach Hause.
Abpfiff 1987 auch für Torwart Toni Schumacher.
In seinem Buch "Anpfiff" griff er Mitspieler an und enthüllte angebliche Doping-Praktiken. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 76 Mal für Deutschland aufgelaufen - der DFB warf ihn trotzdem raus.
Für einen der größten Skandale als Nationalspieler sorgte Stefan Effenberg: Bei der WM 1994 in den USA zeigte er bei seiner Auswechslung den pfeifenden deutschen Fans den Stinkefinger.
Bundestrainer Berti Vogts schloss ihn aus dem Team aus: "Effe" fährt nach Hause.
Noch ein enfant terrible: Lothar Matthäus wurde 1996 bei der EM verschmäht.
Matthäus überwarf sich mit Bundestrainer Berti Vogts, ...
... nachdem er der Öffentlichkeit seine "geheimen Tagebücher" präsentiert hatte.
Darin bekamen vor allem sein Verein Bayern München und Kollege Jürgen Klinsmann ihr Fett weg. Matthäus musste schließlich zusehen, wie sich Deutschland 1996 in England den Europameistertitel holte.
Und auch er hatte seine große Klappe selten im Zaum: Mario Basler forderte 1999 sein Comeback im Nationalteam.
Doch Teamchef Erich Ribbeck blieb hart: "Ich lasse mich nicht erpressen. Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, Forderungen von Spielern zu erfüllen. Ich entscheide, mit wem ich spreche, wann und wie lange", stellte er klar.
Basler war nach einem schwachen Länderspiel gegen die Niederlande von Ribbeck ausgebootet worden.
Wenige Monate vor der Heim-Weltmeisterschaft 2006 endete das Kapitel Nationalmannschaft für Christian Wörns. Er hatte öffentlich Kritik an Jürgen Klinsmann wegen der Nichtberücksichtigung in mehreren Länderspielen geübt.
Für den damaligen Bundestrainer Klinsmann gab's nur eine Konsequenz: Er strich Wörns aus seinen WM-Planungen.
Im Juni hielt uns drei Wochen lang die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz in Atem.
Die deutsche Elf schaffte es zwar wieder einmal ins Finale, musste sich aber den herausragenden Spaniern mit 0:1 geschlagen geben.
N24.de schaut noch mal zurück auf Daten und Fakten rund um das Fußball-Ereignis des Jahres.
Die EM 2008 war nicht gerade das Turnier der Favoriten. Die Großen strauchelten mehr oder weniger früh: Die Franzosen bereits in der Gruppenphase, …
…, die Portugiesen scheiterten an den Deutschen, …
…, die Holländer an den Russen und …
… Weltmeister Italien an Spanien. Der italienische Superstar Luca Toni musste sogar torlos die Heimreise antreten.
Zum ersten Mal seit 44 Jahren gewann Spanien die Europameisterschaft. Nach starken Leistungen im Turnierverlauf und besonders im Finale hatten sich die Iberer den Titel verdient.
Als Überraschung des Turniers muss Russland genannt werden. Mit jungen und zum Teil unbekannten Spielern drang das Team von Star-Trainer Guus Hiddink bis ins Halbfinale vor.
Die 31 Spiele fanden in acht Stadien statt, vier in der Schweiz und vier in Österreich. Insgesamt wurden 1,13 Millionen Tickets verkauft, wobei am Ende nur knapp 80 Prozent in den freien Verkauf gingen.
Zum besten Spieler der EM wurde der Spanier Xavi gewählt. Die UEFA begründete ihre Entscheidung mit den knappen Worten: "Xavi bestimmt das Tempo im spanischen Spiel."
Von den deutschen Spielern schafften es Michael Ballack, Lukas Podolski und Philipp Lahm in das Allstar-Team dieser EM 2008.
Als einzigem Spieler des Turniers gelang es dem Spanier David Villa im Spiel gegen Russland, drei Tore zu schießen. Mit insgesamt vier Treffern wurde Villa dann Torschützenkönig.
Fußball-Fans haben immer großen Durst. Der wird aber nicht mit Wasser, sondern mit Bier gestillt. Am Tag des Viertelfinals zwischen Holland und Russland tranken die 180.000 Fans 500.000 Liter Bier.
Beim Spiel Deutschland gegen Portugal wurde Jogi Löw auf die Zuschauer-Tribüne verbannt. Statt seiner stand Co-Trainer Hansi Flick am Spielfeldrand.
Das schnellste Tor der EM schoss Luka Modric in der vierten Minute für Kroatien zum 1:0-Sieg über Österreich.
Schon das Halbfinalspiel Deutschland gegen Türkei wurde zum Nervenkrimi für Beteiligte und Fans. Der Türke Ugur Boral schoss seine Mannschaft sogar in Führung. Doch die deutsche Elf bog das Spiel auf 3:2 um - und zog ins Finale ein.
Bevor auf den Straßen gejubelt werden konnte, passierte "die" TV-Panne der EM: Für rund 18 Minuten waren weltweit Ton und Bild weg. Dafür sahen die deutschen Zuschauer für mehrere Minuten das ZDF-Störbild.
Mit 29 Jahren sechs Monaten und 16 Tagen (am Tag des Eröffnungsspiels) stellte Italien die älteste Mannschaft des Turniers.
Die EM-Trophäe war erstmals eine Neuanfertigung. Vor der EM 2008 entworfen, ähnelt der neue Pokal zwar dem alten sehr, ist aber um ganze 22 Zentimeter größer und damit eindrucksvoller und pompöser.
Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ es sich auch bei diesem Turnier nicht nehmen, dabei zu sein. Das Finale Deutschland gegen Spanien war ein Muss für die Kanzlerin, ...
... bei dem sie vollen Einsatz zeigte.
Es muss nicht immer Politik sein: Außerdem wurden die einen oder anderen Expertengespräche mit dem Bundestrainer geführt.
Obwohl es "nur" für den zweiten Platz gereicht hat, gab es in Berlin für die deutsche Nationalmannschaft wieder einen spektakulären Empfang.
Der schlabbernde Trainingsanzug ist out - an der Seitenlinie wird aufgeschniegelt, nicht erst seit Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann und sein damaliger Co Joachim Löw mit blauem Hemd im Zwillingspack für modisches Aufsehen sorgten.
In der Wahl der Kleidung unterstrichen sie während der WM 2006 eindrucksvoll, dass sie fußballerisch auf einer Linie liegen.
Wie alle sportlichen Details wurde auch der Griff in den Kleiderschrank vor dem Spiel penibel abgestimmt, was sich, am Grad des Erfolgs gemessen, ja offenbar gelohnt hat.
Das testete Löw nach Klinsmanns Abgang auch am neuen Co-Trainer Hansi Flick (hier mit Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff).
Doch wenig später wagte Jogi Löw die modische Emanzipation in der Wahl der Kleidung und der Accessoires.
Blau bleibt nun im Schrank, Jogi greift eher mal zu schwarz ...
... oder grau. Bleibt abzuwarten, in welchem sportlichen Erfolg das gipfelt.
Wenn's mit dem Fußball mal nicht mehr klappt, kann er sich mit diesem Foto aber auch als Skitrainer bewerben.
Jürgen Klinsmann geht seit seiner Rückkehr in die Bundesliga modisch auch eigene Wege. Mal im bekannten hemdsärmeligen Blau ...
... mal eher zugeknöpft - das könnte auch auf den jeweiligen Zustand seiner Mannschaft hindeuten.
Unbestätigten Angaben zufolge zog er an diesem Tag in Erwägung sich selbst einzuwechseln, um so den Totalausfall im Bayern-Sturm zu kompensieren.
Zweifellos setzte er bislang die modischen Akzente in der Bundesliga, was von einem Italiener auch nicht anders zu erwarten ist. Mantel, Anzug, Krawatte...
... waren Markenzeichen von "Mister" Giovanni Trapattoni. Er sah als Bayern-Trainer selbst bei einer Niederlage gut aus.
Obwohl: Hier hat der Stilberater auf der ganzen Linie versagt!
Der legitime Nachfolger Trapattonis: Stuttgarts Trainer Armin Veh. Hier sportlich leger, ...
... hier elegant im Anzug.
Fazit: In Stuttgart kann man ruhig mal einen Blick an die Seitenlinie wagen.
Nun zur gegensätzlichen Klamotten-Philosophie: Otto Rehhagel kam praktisch mit dem Trainingsanzug auf die Welt. Ob im griechischen Dress, ...
... als Bayern-Trainer in der passenden Klamotte ...
... oder als "König Otto" von Bremen: Ohne seinen Trainingsanzug trat er den Weg auf den Platz nicht an.
Im hohen Norden scheint es auch das einzig tragbare Outfit an der Seitenlinie zu sein. Das bestätigen HSV-Trainer Martin Jol ...
... und erst recht sein Bremer Pendant Thomas Schaaf, der sich locker den Titel "König der Trainingsklamotte" verdient.
Auf der inoffziellen Trainer-Kleidungs-Geschmacksskala landet er damit weit im Minusbereich, ...
... auch wenn die Bremer Trikotfarben (grün-orange) modische Verfehlungen im Prinzip schon vorgeben. Hilfreich ist dieses Outfit lediglich für die Bremer Spieler - falls sie mal vergessen, wer ihr Coach ist.
Das reißen weder das Basecape ...
... noch der Pelzkragen wieder raus.
Aber immerhin: Es geht doch!
Er hat sich definitv zu seinem Vorteil entwickelt: Jürgen Klopp hatte hier noch das Mainzer Karnevals-Zelt übergestreift.
... und wagte sich in Mainz auch nur im Dress auf den Platz.
Modisch war der Wechsel zu Borussia Dortmund für ihn auf jeden Fall ein Gewinn ...
... und fürs Derby gegen Schalke macht er sich inzwischen auch mal richtig schick. Dafür gab's nicht nur einen Punkt im Spiel, sondern auch ein Sonderlob.
Noch so ein Kandidat, der sich im Sack offensichtlich wohlfühlt. Kölns Trainer Christoph Daum legt jedenfalls Wert auf Bewegungsfreiheit in sämtlichen Gemütszuständen.
Toben, hüpfen, Spieler anschreien - dafür bietet das Sportdress natürlich alle Möglichkeiten.
Obwohl auch Christoph Daum schon in der schicken Variante gesichtet wurde.
Dass Bruno Labbadia sein Fußballtrikot eintauschte, ...
... hat sich für den Leverkusener Trainer sichtlich gelohnt. Im Anzug tauchte er an der Seitenlinie wieder auf und kann damit ebenso punkten ...
... wie Kollege und Wolfsburg-Oberhaupt Felix Magath. Passend zum jeweiligen Verein wählt er auch die Accessoires.
Ob Krawatte im Wolfsburger grün ...
... oder roter Schal während der Tätigkeit bei den Bayern: Hier wird auf Stil geachtet.
Und hier noch ein Rückkehrer, der nicht nur Fußball sondern auch Klamotten der alten Schule zurück in die Liga bringt. Hier im Trainingsanzug als Nürnberger Coach ...
... wird Hans Meyer auch im grünen Gladbacher Dress seinen Spielern Beine machen. Und wir stellen fest: Der Schlabberlook an der Seitenlinie ist offensichtlich nicht totzukriegen.
Auf Mallorca kann man sich eigentlich richtig gut erholen - wenn man nicht zum deutschen EM-Kader gehört.
Der wurde auf die Insel geschickt, um für die Fußball-EM topfit zu werden.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat deshalb ein schickes Hotel gebucht, hat Regenerations-Matratzen für 3000 Euro, Hightech-Geräte und einen Sterne-Koch besorgt.
"Wir tunen die Spieler im Sinne von Bundestrainer Joachim Löw zu Rennautos auf dem Platz", sagt Fitness-Coach Mark Verstegen (r.), der Torsten Frings schon für die WM 2006 trainierte.
Lukas Podolski (l.) und David Odonkor genießen aber erstmal die Sonne. In den ersten Tagen war sowieso Erholung angesagt. Denn die lange Saison war extrem belastend für die Spieler.
Aber dann ging es los! Zuerst sollte das Defensivverhalten verbessert werden – und zwar mit einem Basketballspiel. Dafür wurde Ex-Nationalspieler Denis Wucherer eingeflogen.
Beim Basketball sollen die Fußballer geschmeidige Bewegungen üben. Sie sollen lernen, wie man körperlos den Ball verteidigt oder erobert.
Bastian Schweinsteiger gab sich verdammt viel Mühe.
Doch das beste Ballgefühl bewiesen letztlich Per Mertesacker (Foto), Tim Borowski und Piotr Trochowski.
Später musste die Nationalelf im Fitnessstudio antreten.
Zuerst musste Lukas Podoski an die Geräte.
Tiefenmuskeltraining: Da musste selbst Miroslav Klose die Zähne zusammenbeißen.
Auch Bastian Schweinsteiger ließ die Muskeln spielen...
... und brauchte dann erstmal eine Pause.
Neuling Marko Marin wurde von Fitness-Coach Oliver Schmidtlein (r.) hart rangenommen.
Der 19-Jährige ist schon Jogis Liebling. "Der Kleine ist wahnsinnig positiv", beschrieb Löw liebevoll seine ersten Eindrücke von Marin.
Lukas Podolski hat auch gut lachen: Jogi hat seinen "Leistungsträgern" Torsten Frings (Foto), Christoph Metzelder und Miroslav Klose zusätzliche Trainingseinheiten aufgebrummt.
Aber was ist eine Mannschaft ohne ihren Kapitän. Michael Ballack wird am Montag zur Nationalelf stoßen und ihr hoffentlich den nötigen Kick für die EM geben.
Die Hypo Group Arena in Klagenfurt ist das Heimstadion des Erstligisten SK Austria Kärnten. In den drei EM-Spielen bietet es Platz für 30.000 Zuschauer. Danach wird es auf 12.000 Plätze rückgebaut.
Die Fußball-Europameisterschaft 2008 findet in je vier Stadien in Österreich und der Schweiz statt. Jedes von ihnen bietet eine ganz eigene Atmosphäre.
Das Wiener Ernst-Happel-Stadion ist das größte Stadion der EM. Normalerweise finden hier ausschließlich Spiele der Nationalmannschaft sowie UEFA-Cup- und Champions-League-Begegnungen statt.
In Wien gibt es zur EM Plätze für rund 53.000 Fans. Später werden Sitzplatzerweiterungen für etwa 3.000 Zuschauer wieder rückgängig gemacht.
Die Hypo Group Arena wurde zwischen 2006 und 2007 neu gebaut. Im Zuge des Ausschreibungsverfahrens gab es diverse rechtliche Streitereien, die den Bau verzögerten.
Das Salzburger Wals-Siezenheim Stadion ist die Heimat des Erstligisten FC Red Bull Salzburg und liegt in der namensgebenden Salzburger Nachbargemeinde Wals-Siezenheim.
In dem 2003 eröffneten Neubau ist Platz für 30.200 Zuschauer. In Salzburg finden drei Spiele der EM 2008 statt.
Im Tivoli-Stadion in Innsbruck spielen normalerweise die Erstligisten vom FC Wacker Innsbruck. Zur EM 2008 werden hier drei Spiele ausgetragen.
Das Tivoli wurde im Jahr 2000 eröffnet und bietet zur EM Platz für etwa 30.000 Fußballfans. Nach der EM wird die Kapazität wieder auf rund 17.400 Plätze rückgebaut.
Weiter geht’s in die Schweiz. Der St. Jakob-Park ist das Heimstadion des Erstligisten FC Basel. Sechs EM-Spiele werden in dem Stadion stattfinden.
Zur EM wurde das Stadion auf 42.500 Plätze ausgebaut (ursprünglich 30.500).
Das Stade de Suisse Wankdorf in Bern wurde extra für die EM 2008 für 350 Millionen Franken (etwa 211 Millionen Euro) neu gebaut. In Bern werden drei EM-Spiele ausgetragen.
Im Stade de Suisse Wankdorf haben 32.000 Fans Platz. Außerhalb der EM ist es das Heimstadion des Erstligisten BSC Young Boys (Bern).
Das Stade de Genève vom Zweitligisten FC Genf liegt eigentlich nicht in Genf sondern in Lancy.
Das erst 2003 gebaute Stadion hat 31.500 Plätze und ist Austragungsort für drei EM-Spiele.
Das Stadion Letzigrund des Erstligisten FC Zürich wurde zwischen 2006 und 2007 neu errichtet.
Es bietet Platz für 31.500 Fußballfans, die sich dort drei EM-Spiele ansehen können.

Zweiter bei der EM, Erster in der laufenden WM- Qualifikation - die Bilanz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im ausklingenden Jahr 2008 kann sich sehen lassen. "Wir haben fast das Maximale erreicht", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der in den 16 Länderspielen elf Siege, zwei Unentschieden und drei Niederlagen verbuchen konnte. "Allerdings hat das letzte i-Tüpfelchen gefehlt", bemerkte Teammanager Oliver Bierhoff angesichts des verlorenen EM- Endspiels gegen Spanien. Dennoch blickt der Manager zuversichtlich in Richtung Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika: "Wir sind in der Steigerung. 2006 waren wir bei der WM Dritter, 2008 bei der EM unter den besten Zwei."

Verbannung und Auseinandersetzungen trüben das Gesamtbild

Der letzte Eindruck mit der 1:2-Niederlage im Klassiker gegen England (Löw: "Das war schlecht"), der Verbannung des Schalkers Kevin Kuranyi aus der Nationalelf sowie die Auseinandersetzungen des Bundestrainers mit den langjährigen Führungskräfte Michael Ballack und Torsten Frings trübte das Gesamtbild. «Das Sommermärchen ist ein bisschen beendet», stellte Bierhoff zum Jahresende fest. Er will die Konflikte aber auch nicht überbewerten: "Man darf sich nicht täuschen lassen von den letzten Querelen. Jetzt hat es auch einmal geknistert. Das war nicht unbedingt notwendig, aber es ist passiert."

Sportlicher Höhepunkt im Sommer

Sportlich ist es Löw geglückt, mit der Nationalmannschaft den Übergang von einem Turnier-Höhepunkt im Sommer in den Alltag der WM- Qualifikation erfolgreich zu bewältigen. "Wir sind mit zehn Punkten Tabellenführer, das ist ein gutes Fundament», bilanzierte er nach den bisher vier Partien gegen Liechtenstein (6:0), Finnland (3:3), Russland (2:1) und Wales (1:0). "Es ist nach Turnieren immer besonders schwierig, in den Fluss zu kommen, aber ich denke, das ist uns gut gelungen", betonte der Bundestrainer.

Debüt für Löw-Neulinge

Der Umbruch nach der EM 2008 und der Aufbruch zur WM 2010 dokumentiert sich auch in Namen: 34 Akteure setzte Löw in den insgesamt 1440 Länderspiel-Minuten ein, darunter acht Neulinge. Die Spitzenreiter stellte der FC Bayern München; Philipp Lahm stand am längsten auf dem Platz (1247 Minuten), Miroslav Klose schoss die meisten Tore (8) und ausgerechnet der im Verein meist zuschauende Angreifer Lukas Podolski war als einziger Akteur in allen 16 Länderspielen dabei. "Lukas hat es geschafft, trotz wenig Spielpraxis bei der Nationalmannschaft gute Leistungen zu bringen", äußerte Löw. Mit drei Treffern war Podolski auch bester deutscher EM-Torschütze.

Nicht nur bei der EURO fiel die deutsche Elf in den Partien gegen Polen (2:0), Kroatien (1:2), Österreich (1:0), Portugal (3:2), Türkei (3:2) und Spanien (0:1) durch große Leistungsschwankungen auf. "Wir waren spielerisch nicht immer auf hohem Niveau", gab Löw zu. Danach gab es auch einen personellen Schnitt. Nicht nur im Tor hat Löw nach dem Rücktritt von Jens Lehmann einen "starken Konkurrenzkampf" ausgerufen. Neben Lehmann sind auch andere Akteure, die 2008 noch zum Zuge kamen, vorerst oder wohl für immer aus dem Elitekreis verschwunden; angefangen bei Kevin Kuranyi über David Odonkor, Manuel Friedrich, Oliver Neuville, Tim Borowski und Roberto Hilbert bis hin zum langzeitverletzten Routinier Bernd Schneider.

Verlierer Gomez und Frings

Einen unerwarteten Karriere-Knick erlebte der Stuttgarter Mario Gomez, der als möglicher EM-Star gehandelt wurde, aber nun schon seit 501 Länderspiel-Minuten auf ein Tor für Deutschland wartet. Der Neu- Hoffenheimer Timo Hildebrand wurde von Löw sogar aus dem EM-Aufgebot gestrichen, Abwehrchef Christoph Metzelder ist nach dem Turnier zumindest vorläufig ausgemustert worden. Der Neu-Hamburger Marcell Jansen und der Bremer Clemens Fritz erlitten ebenfalls Rückschläge.

Auch Torsten Frings beendet 2008 als Verlierer. Der Bremer büßte im zentralen Mittelfeld seinen Stammplatz neben Kapitän Ballack ein. Der 32-Jährige wird hart kämpfen müssen, denn ausgerechnet seine jüngeren Konkurrenten Thomas Hitzlsperger (26) und Simon Rolfes (26) zählt Löw neben dem Hamburger Piotr Trochowski zu den Aufsteigern 2008: "Sie sind alle einen großen Schritt weiter als im Frühjahr." Trochowski, bei der EM noch frustrierter Tourist, stieg in den vergangenen Monaten mit guten Leistungen zur Stammkraft auf. "Jetzt bildet er mit Lahm eine ganz starke linke Seite", lobte Löw.

Auch mehrere der acht Debütanten haben glänzende Perspektiven: Im Leverkusener René Adler sehen viele schon den deutschen WM-Torhüter 2010. Der Gladbacher Marko Marin gilt ebenfalls als eine Verheißung für die Zukunft. Der Schalker Abwehrspieler Heiko Westermann hat es mit 720 Länderspiel-Minuten als Neunter sogar auf Anhieb in die «Top Ten» der Nationalspieler mit der meisten Einsatzzeit 2008 gebracht.

(Klaus Bergmann, dpa, N24)

28.12.2008 11:35 Uhr

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