Israel hat seinen Militäreinsatz im Gazastreifen mit Bombardements fortgesetzt und will diesen sogar noch ausweiten. Ein Militärsprecher betonte, man befände sich "erst am Anfang".
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Israel hat seine Luftangriffe auf Ziele der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen auch fortgesetzt. Unter anderem wurde dabei auch ein Gebäude der Islamischen Universität getroffen. Augenzeugen sprachen von vier riesigen Explosionen. Unbemannte israelische Drohnen und F-16 Kampfflugzeuge flogen über Gaza-Stadt.
Andere Ziele seien ein Gästehaus der Hamas-Regierung sowie ein Gebäude in der Nähe des Hauses von Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija in einem Flüchtlingslager bei Gaza-Stadt gewesen, berichtete israelische Medien. Hanija war nicht zuhause. Wie andere Hamas-Führer hält er sich versteckt.
Das Schlimmste steht noch bevor
Kurz vor Mitternacht wurden in Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen zwei palästinensische Zivilisten bei einem Luftangriff getötet. Vier wurden verletzt. Seit Beginn der Angriffe am Samstag wurden nach palästinensischen Angaben mehr als 300 Palästinenser getötet und über 1000 verletzt. Der Chef der Rettungskräfte im Gazastreifen, Muawija Hassanein, bezifferte die Opferzahl am Montag auf 312 Tote und 1420 Verletzte.
Laut dem israelischen Vize-Generalstabschef Dan Harel steht Israel und dem Gazastreifen im Rahmen der Militäroperation das Schlimmste erst noch bevor. Nach Angaben des israelischen Online-Nachrichtendienstes "ynet" sagte der Militärbeamte bei einem Treffen mit Bürgermeistern in Kiriat Gat im Süden Israels: "Wir befinden uns erst am Anfang des Kampfes, dies kann man nicht mit einem Schlag lösen. Das Schlimmste ist noch nicht ausgestanden, es steht uns noch bevor, und darauf müssen wir uns vorbereiten."
Der gegenwärtige Einsatz im Gazastreifen sei "anders als vorherige Operationen", sagte Harel. Israel habe sich ein "hohes Ziel gesetzt" und wolle es auch erreichen. Zu den Raketenangriffen militanter Palästinenser auf israelische Grenzorte sagte er, das Hinterland sei "bei jeder Konfrontation automatisch eine zweite Front".
Führende UN-Menschenrechtsvertreter haben die israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen als unverhältnismäßig kritisiert. Die Luftangriffe hätten nicht nur jede Polizeistation und jede Sicherheitseinrichtung der gewählten Regierung im Gazastreifen zerstört, sondern auch viele Zivilisten getötet, heißt es in einer Erklärung des UN-Sonderberichterstatters über die Menschenrechtslage in den Palästinensergebieten, Richard Falk, vom Montag.
Zwar seien die Raketenangriffe gegen Zivilisten in Israel gesetzeswidrig, aber dies gebe Israel weder als Besatzungsmacht noch als souveräner Staat das Recht, das internationale humanitäre Völkerrecht zu verletzten. Die Eskalation der Militärangriffe habe das Leben für israelische Zivilisten nicht sicherer gemacht.
Eine israelische Armeesprecherin wies die Vorwürfe zurück. Das Problem eines unverhältnismäßigen Einsatzes von Gewalt müsse in den Zusammenhang mit den Tausenden von Raketen gesehen werden, die seit dem Jahr 2001 aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden seien. Allein seit dem Abzug Israels aus dem Gazastreifen im Sommer 2005 seien das 7000 Raketen gewesen. Ziel Israels sei es, den Beschuss aus dem Gazastreifen auf ein Minimum zu reduzieren.
Bisher mindestens 57 tote Zivilisten
Das UN-Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) hat nach den Worten seines Sprechers Chris Gunness bislang den Tod von 57 Zivilisten dokumentiert. Bei dem bislang blutigsten Militäreinsatz Israels im Gazastreifen sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza mehr als 313 Palästinenser getötet und über 1400 verletzt worden.
Auch die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay äußerte am Vortag große Sorge wegen der "gewaltigen" Opferzahlen im Gazastreifen aus. Pillay verurteilte die Raketenangriffe der radikalislamischen Hamas gegen Israel. Zugleich sprach sie von einem unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt der israelischen Armee. Sie rief die israelische Führung auf, am internationalen humanitären Völkerrecht festzuhalten. Dies betreffe insbesondere die Prinzipien, die einen angemessene Anwendung von militärischer Gewalt sowie die kollektive Bestrafung und den Beschuss von Zivilisten beinhalten. Sie rief Israel außerdem auf, die Blockade des Gazastreifens zu beenden.
Lieferung von Hilfsgütern
Am Montag sollen auf Anweisung des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak 100 Lastwagen mit Lebensmitteln, Medikamenten und humanitären Hilfsgütern in den von der radikal- islamischen Hamas beherrschten Gazastreifen gelassen werden. Außerdem solle Treibstoff und Gas zum Kochen und Heizen über eine Pipeline in das Gebiet transportiert werden, berichteten israelische Medien.
Der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert erläuterte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Telefon die israelischen Beweggründe für die Offensive. Laut israelischen Medienangaben betonte Olmert, Ziel seien die Hamas und andere palästinensische Terrorgruppen und nicht die Zivilbevölkerung.
Flucht nach Ägypten
Am Sonntag hatte die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben 30 Angriffe geflogen. Dabei seien mehr als 70 Ziele bombardiert worden, mehr als die Hälfte davon seien Schmugglertunnel unter der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten gewesen. Hunderte Palästinenser versuchten, über den Grenzzaun nach Ägypten zu gelangen. Dabei wurden sie jedoch von ägyptischen Grenzpolizisten zurückgedrängt.
Bei Rafah kam es zu Zusammenstößen. Nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira wurden mindestens ein ägyptischer Grenzwächter und ein palästinensischer Jugendlicher getötet.
Bodenoffensive in Vorbereitung
Israel hatte am Samstag eine Militäroffensive begonnen, um gegen den fortwährenden Raketenbeschuss durch militante Palästinenser vorzugehen. Ministerpräsident Olmert stimmte die Bevölkerung auf eine längere Auseinandersetzung mit den militanten Palästinensergruppen im Gazastreifen ein. Die israelische Armee hat erstmals seit dem Libanonkrieg vom Sommer 2006 rund 6500 Reservisten einberufen. Israel droht im Falle einer Fortsetzung des Raketenbeschusses mit einer Bodenoffensive. Ziel sind dann zuerst Raketenabschussrampen im nördlichen Gazastreifen.
Zur Vorbereitung eines möglichen Bodeneinsatzes rollten am Sonntag zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge in Richtung Gazastreifen. Israel will mit seiner Offensive mit der Bezeichnung "Gegossenes Blei" die ständigen Raketenangriffe militanter Palästinenser auf das israelische Grenzgebiet unterbinden. Nach Angaben der israelischen Polizei schlugen am Sonntag mehr als 40 Raketen auf israelischem Boden ein.
UN fordern Ende der Gewalt
Der UN-Sicherheitsrat forderte nach einer Dringlichkeitssitzung in New York einen sofortigen Stopp aller Militäraktionen im Gazastreifen. Das Gremium war auf Antrag Libyens zusammengetreten. Auf eine explizite Verurteilung der israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen konnte sich der Rat jedoch nicht einigen. Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den "unverhältnismäßigen" Einsatz von Gewalt kritisiert. Wie ein Sprecher am Samstag in New York mitteilte, verurteilte Ban zudem die anhaltenden Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel.
Die USA mahnten Israel zur Zurückhaltung. US-Außenministerin Condoleezza Rice machte aber die Hamas für die Eskalation der Gewalt verantwortlich, da sie die Waffenruhe beendet habe.
Abbas macht Hamas verantwortlich
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas machte am Sonntag die Hamas für die schweren israelischen Angriffe auf den Gazastreifen zumindest mitverantwortlich. "Wir haben ihnen eindringlich nahegelegt, die Waffenruhe mit Israel nicht zu beenden", sagte Abbas auf einer Pressekonferenz in Kairo. Der Chef des Hamas-Politbüros, Chaled Maschaal, kündigte Vergeltung an und rief die Palästinenser zu einem Volksaufstand gegen Israel auf.
Die EU verurteilte sowohl die israelischen Bombenangriffe als auch den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen auf israelisches Gebiet. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier befürchtet, dass der Gazastreifen "erneut in einer Spirale der Gewalt" versinken könnte.