Passagierabzocke?

Frankfurt-Hahn führt Abfluggebühr ein

Da reagiert auch Billigflieger Ryanair verschnupft: Passagiere müssen in Frankfurt-Hahn künftig eine Terminalgebühr von drei Euro zahlen. Die Flughafen GmbH hat diese Pläne nun verteidigt.

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Frankfurt-Hahn, Drehkreuz des Billigfliegers Ryanair. Die irische Airline will wegen der neuen Terminalgebühr Maschinen abziehen und Flüge streichen.
"Was auch immer geschieht, die Party ...
... ist vorbei." Der Chef des Münchener Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, ...
... Hans-Werner Sinn, sagte das in einem Bericht zur Wirtschaftslage am 18. März 2008.
"Wir müssen damit rechnen, dass das kommende Jahr, zumindest in den ersten Monaten, ein Jahr schlechter Nachrichten wird." (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Interview der "Welt am Sonntag" vom 23. November.)
"Wir nähern uns einem Abgrund, von dem wir nicht wissen, wie tief er ist." (Bahn-Chef Hartmut Mehdorn am 26. November über die wirtschaftliche Entwicklung.)
"Entweder wir schwimmen gemeinsam oder wir gehen gemeinsam unter." (EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso über die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns gegen die Finanzkrise am 29. Oktober.)
"Wenn Sie alle Risiken vermeiden wollen, haben Sie bald keine Risiken mehr zu vermeiden, weil Sie nicht mehr im Geschäft sind." (Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann)
"Ich glaube, keine andere Phase der Weltwirtschaft war ähnlich gefährlich wie das, was wir hier erleben." (ifo-Präsident Hans-Werner Sinn über die internationale Finanzkrise am 9. September.) (Archivbild aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929)
"Die Welt wird nicht mehr so sein wie vor der Krise." (Finanzminister Peer Steinbrück am 25. September.)
"Jetzt muss jedem verantwortlich Denkenden in der Branche selbst klar geworden sein, dass sich die internationalen Finanzmärkte zu einem Monster entwickelt haben, das in die Schranken gewiesen werden muss." (Bundespräsident Horst Köhler am 14. Mai)
"An der Börse sind zwei mal zwei nicht vier, sondern fünf minus eins - und man muss die Nerven haben, dieses minus eins auszuhalten." (Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am 28. Januar zu den Turbulenzen an den Aktienmärkten.)
"Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind." (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 5. Oktober.)
"Ja, die Bundesrepublik Deutschland ist in einer Rezession." (Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Bundestag am 25. November.)
"Einen deutschen Fall Lehman darf und wird es nicht geben." (Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, am 17. November.)
"Wenn einer am Ertrinken ist, können Sie auch nicht lange diskutieren, ob sie ihn mit dem Schlauch- oder dem Motorboot retten." (Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm im Rundfunksender hr- iNFO über staatliche Hilfe für den Autobauer Opel am 17.
"Der Kurs ist klar, Daimler gibt Gas." (Daimler-Chef Dieter Zetsche am 14. Februar zur Entwicklung des Autobauers.) ...
... "Es fällt derzeit schwer, Prognosen für den Rest der Woche, des Monats oder des Jahres abzugeben. Unsere Branche steht am Scheideweg." (Daimler-Chef Dieter Zetsche am 20. November zur Entwicklung des Autobauers.)
"Wir fahren klar auf Sicht." (Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf dem Autosalon in Paris am 2. Oktober.)
"In meinen 27 Jahren im Geschäft habe ich so etwas noch nie erlebt. Es war, als hätte jemand das Licht ausgeknipst." (Der US-Vertriebschef von General Motors, Mark LaNeve, zum Autoabsatz in Amerika im Oktober am 3. November.)
"Bereinigt um den Anstieg der Einwohnerzahl war es der schlimmste Monat seit dem Zweiten Weltkrieg." (Der Absatz-Analyst von General Motors, Michael DiGiovanni, zur Entwicklung des US-Automarktes im Oktober am 3. November.)
"Ich bin hier vom Saulus zum Paulus geworden", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Mitte November angesichte der Übertreibungen an den Börsen über das Eingreifen von Aufsichtsbehörden in die Märkte.
"Schwarze Montage waren einmal ein Jahrzehnt-Ereignis - jetzt kommen sie regelmäßiger als die Busse in London." (Ein Londoner Börsenhändler zum Kurseinbruch am Aktienmarkt am 6. Oktober, einem Montag.)
"Aber bis heute von einer Kreditklemme in Deutschland zu sprechen, ist absolut falsch und führt auch zu einer ganz gefährlichen Diskussion." (Josef Ackermann, Deutsche-Bank-Chef, im Dezember)
Die seit mehr als einem Jahr dauernde globale Finanzkrise hat viele Opfer gefordert. Aber: Es gibt auch Profiteure.
Die Deutsche Börse ist einer davon. Die Umsätze im Xetra-Handel lagen allein im September um mehr als 60 Prozent über deenen des vergleichbaren Vorjahresmonats.
Auch die deutschen Sparkassen gelten als Gewinner der Finanzkrise. Einen regen Kundenzulauf verzeichnete beispielsweise die Hamburger Sparkasse. Die Spareinlagen wuchsen auch.
Viele Anleger hoben ihre Ersparnisse allerdings auch von ihren Konten ab und bunkern es seitdem im heimischen Sparstrumpf oder gar unter der Matratze. Davon könnten mutige Diebe profitieren.
Ein Gewinner könnten auch die deutschen Apotheken sein. Pillen und Mittel zum Vergessen, Verdrängen oder Beruhigen haben in Krisenzeiten häufig Hochkonjunktur. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie...
Um möglichst schnell an Geld zu kommen, sind Auktionen eine gute Idee - egal ob im Internet beim Branchenführer eBay oder...
... bei einer realen Versteigerung. Viele Mitarbeiter der Pleite-Bank Lehman Brothers haben sich so ihren Abschied in die Arbeitslosigkeit etwas versüßt.
Nutznießer der Finanzkrise sind auch einige Banken. Allen voran das US-Finanzinstitut J.P. Morgan Chase.
Die Bank verleibte sich erst die US-Investmentbank Bear Stearns für einen Schnäppchenpreis von rund einer Milliarde Dollar ein.
Danach schluckte J.P. Morgan Chase die mit mehr als 2.000 Filialen zweitgrößte Geschäftsbank der USA Washington Mutual - für knapp zwei Milliarden Dollar.
Auch die spanische Großbank Santander verstärkte in der Krise ihr Geschäft und kaufte für etwa 770 Millionen Euro einen Teil der finanziell angeschlagenen britischen Hypothekenbank Bradford & Bingley.
Die nach Kundeneinlagen größte Bank der Euro-Zone, das französische Finanzinstitut BNP Paribas, vergrößerte sich ebenfalls in Finanzkrisenzeiten. Der Konzern übernimmt einen Großteil der Fortis-Gruppe.
Auf Einkaufstour ging der reichste Mann der Welt, Milliardär Warren Buffett.
Buffett investiert in einem ersten Schritt fünf Milliarden Dollar. Zudem sicherte er sich Aktien-Optionen in Höhe von weiteren fünf Milliarden Dollar an Goldman Sachs, die dadurch die Eigenständigkeit bewahren und somit auch als Krisengewinner gelten.
Ähnlich wie die Deutsche Börse profitierte auch der Online-Broker Comdirect. Die Kundenzahl stieg und die Neun-Monats-Zahlen übertrafen jüngst die Erwartungen der Analysten.
In Finanzkrisenzeiten haben auch verschiedene Berufsgruppen Hochkonjunktur. Seien es Rechtsanwälte, die geprellte und enttäuschte Anleger vertreten oder...
... Finanzexperten. Einer von ihnen ist Wolfgang Gerke, Professor für Bank und Börsenwesen an der Universität Erlangen/Nürnberg.
Ein anderes, in den vergangenen Wochen häufig in den Medien auftauchendes Gesicht ist das von Dirk Müller, Börsenhändler auf dem Frankfurter Parkett.
Aber auch Politiker profilieren sich in Krisenzeiten. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy will unter anderem Schlüsselindustrien teilverstaatlichen.
In Deutschland gelten Finanzminister Peer Steinbrück und Bundeskanzlerin Angela Merkel als "Macher in der Krise". Sie schnürten ein Rettungspaket für die deutsche Finanzbranche von einer halben Billion Euro (500.000.000.000 Euro).
Letzten Endes dürften von der Finanzkrise auch die Discounter profitieren. Da die Bürger mehr auf ihre Ausgaben achten, sind günstige Preise ein gutes Verkaufsargument.
Das könnte auch Billigfliegern und Anbietern von Kurzurlauben, beispielsweise an der Ostsee, helfen. Sonne tanken, und die Finanzkrise - zumindest für ein paar Tage - vergessen.

Der Flughafen Hahn hat die geplante Einführung einer Gebühr von drei Euro für abfliegende Passagiere verteidigt. "Unsere Gesellschafter haben hier in den letzten zehn Jahren 210 Millionen Euro investiert", sagte der kaufmännische Geschäftsführer der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH, Uwe Klettenheimer, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Wir haben operativ positive Ergebnisse. Aber wir verdienen unsere Kapitalkosten nicht", sagte er. Der Flughafen schreibt unterm Strich rote Zahlen. Die neue Gebühr soll jährliche Mehreinnahmen von bis zu sechs Millionen Euro bringen.

Der Flughafen ist die größte Basis des irischen Billigfliegers Ryanair in Deutschland. Ryanair hatte angekündigt, wegen der neuen Gebühr Flüge streichen und Maschinen vom Hahn abziehen zu wollen. Klettenheimer sagte, er habe mit dieser Reaktion gerechnet. "Das hat uns nicht überrascht. Aber natürlich nehmen wir die Äußerungen von Ryanair sehr ernst", sagte er. Nach seiner Einschätzung werde Ryanair aber keine Flüge nur wegen der Gebühr streichen, sondern wegen einer geringen Auslastung. Kein privatwirtschaftliches Unternehmen könne sich der allgemeinen wirtschaftlichen Lage entziehen.

Fraport fordert schwarze Zahlen bis 2010

Für 2008 rechnet Klettenheimer mit ungefähr vier Millionen Passagieren auf dem Flughafen Hahn - da sind ebenso viele wie im Jahr zuvor. 2009 sei auch wegen der Wirtschaftskrise mit einem Rückgang von 9,2 Prozent zu rechnen. Ryanair hat derzeit elf Maschinen in Hahn stationiert und wollte die Zahl bis 2012 auf 18 steigern. "Im Moment sehe ich das nicht", sagte Klettenheimer. Er betonte zugleich, dass nicht nur Hahn von Ryanair abhängig sei, sondern Ryanair auch von Hahn, der mit 25 Minuten sehr kurze Bodenzeiten für die Flugzeuge biete. "Das heißt, die Airline kann den Flieger länger in der Luft halten und mehr Cash je Flugzeug und Mannschaft generieren."

Der Anteilseigner und Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hatte bis 2010 schwarze Zahlen in Hahn angemahnt. "2010 ist nicht in Stein gemeißelt. Für Fraport ist entscheidend, dass der Trend stimmt", meinte Klettenheimer. 2007 hatte das Ergebnis nach Steuern rund 15,7 Millionen Euro betragen. 2008 werde der Verlust "leider nicht weniger sein als im Jahr davor", sagte der 40-Jährige. "2009 wollen wir die Trendwende einläuten." Operativ erwarte er 2008 wie in den beiden Jahren zuvor ein positives Ergebnis.

Passagierterminal wird ab Herbst modernisiert

Die neue Terminalgebühr sei eine Säule eines dreiteiligen Gesamtpaketes, betonte Klettenheimer. "Alle drei Säulen sind wichtig und bedingen sich gegenseitig." So solle das Passagierterminal von Herbst 2009 an für zwölf Millionen Euro modernisiert werden. Zudem soll Anfang 2009 eine Gesellschaft an den Start gehen, um brachliegende Flächen am Flughafen zu entwickeln. Neben dem Land Rheinland-Pfalz und einem bislang unveröffentlichten privaten Investor sei die Fraport AG an der Entwicklungsgesellschaft beteiligt. "Damit zeigt Fraport, dass das hier ein langfristiges Engagement ist", sagte Klettenheimer. Zuvor war befürchtet worden, dass Fraport sich zurückziehen könnte, wenn der Hahn weiter Verluste schreibt.

(dpa, N24)

30.12.2008 06:43 Uhr

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