Nach dem Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen ist ein israelischer Soldat getötet worden. Israel versichert unterdessen, dass es nicht um eine Rückeroberung des Palästinensergebietes gehe.
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Eine Woche lang hatte Israel den militanten Palästinensern im Gazastreifen mit einer Bodenoffensive gedroht - am Samstagabend machte die Armee ihre Drohung wahr. Politiker sowie hochrangige Militärs versichern unisono, dass es nicht um eine Rückeroberung des Palästinensergebietes mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern gehe. Die israelische Armee will nach offizieller Lesart jene Gebiete unter Kontrolle bringen, aus denen in der vergangenen Woche rund die Hälfte aller Raketen aus dem Gazastreifen abgeschossen wurde. Die Bodenoffensive bedeutet für Israel und die radikalislamische Hamas ein hohes Risiko, weil Erfolg oder Misserfolg über die neuen Spielregeln einer künftigen Waffenruhe entscheiden.
Der israelischen Armee ergehe es wie einer Person, die ins kalte Wasser springen müsse - sie habe geringe Erwartung und große Angst, schreibt Militärkommentator Nahum Barnea in der Tageszeitung "Jediot Achronot". Gut 16.500 gut ausgebildete Soldaten soll die Hamas unter Waffen haben. Ihre Miniarmee ist im Städte- und Straßenkampf ausgebildet. Scharfschützen und Selbstmordattentäter warten bereits.
Erste Israelische Verluste
"Gaza wird für Euch kein Picknick. Gaza wird für Euch zum Friedhof", wandte sich Hamas-Sprecher Ismail Radwan nach dem Einmarsch an die israelischen Soldaten. Zuvor hatte bereits Hamas-Politbürochef Chaled Maschaal erkennen lassen, worum es der Hamas geht: "Ihr Soldaten der Besatzungsmacht müsst begreifen, dass auf Euch das dunkle Schicksal von Tod, Verletzung und Gefangennahme wartet". In den ersten 24 Stunden seit dem Einmarsch sind nach Armeeangaben 31 Soldaten verletzt worden, davon zwei schwer. Ein weiterer Soldat ist nach den Angaben eines Sprechers gestorben.
Warum hat die Bodenoffensive jetzt begonnen? Mit den acht Tage währenden Luftschlägen wollte Israel die militanten Palästinensergruppen eigentlich zwingen, den Raketenbeschuss israelischer Städte aufzugeben. Vergeblich: Seit dem 27. Dezember schlugen bis Samstag mehr als 450 Raketen auf israelischem Boden ein. Vier Israelis wurden getötet. Die Reichweite der Hamas-Raketen ist zwischenzeitlich bis auf 40 Kilometer gestiegen. Jetzt sind nach Polizeiangaben rund eine Million von 7,3 Millionen Israelis durch die Raketen gefährdet, statt der 125 000 vor Beginn der Militäroffensive.
Einsatz "nicht in Stunden oder Tagen" vorbei
Mit der Bodenoffensive will die Armee jetzt dem Beschuss weitgehend einen Riegel vorschieben, einen vollständigen Stopp nennt sie unrealistisch. Nach den Worten des amtierenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert sollen jene Gebiete im Gazastreifen unter Kontrolle gebracht werden, aus denen in den vergangenen acht Tagen die meisten Raketen abgefeuert wurden. "Wir haben keine Absicht, den Gazastreifen wieder zu besetzen", sagt ein hochrangiger Militär. Der Einsatz werde aber "nicht in Stunden oder Tagen" vorbei sein.
Die israelische Regierung geht ein großes Risiko ein. Nach einer Umfrage der Tageszeitung "Maariv" unterstützen zwar 85 Prozent der Befragten die laufende Militäroffensive, aber nur 41,8 Prozent befürworteten eine Bodenoffensive. Dazu kommt, dass am 10. Februar in Israel ein neues Parlament gewählt wird. Der Ausgang der Militäroffensive dürfte damit wahlentscheidend werden.
Laufende Militäroffensive gilt als die bislang blutigste
Die wichtigste Frage sei jetzt, ob die Armee der Hamas genug Schaden zufügen kann, damit die ihre Forderungen für einen Waffenstillstand herunterschraubt, oder ob die Armee sich im Gazastreifen festläuft, tausende Palästinenser tötet, selbst hohe Verluste erleidet und am Ende die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung verliert, analysiert die "Haaretz". Das Maximalziel der Hamas lautet: Stopp der Militäroperation, Ende der Blockade des Gazastreifens und Öffnung aller Grenzübergänge. Israel will nach Medienberichten eine langfristige Waffenruhe vereinbaren und Garantien erhalten, dass die Waffenpause eingehalten wird.
Auf jeden Fall wird die laufende Militäroperation Israels als die bislang blutigste in die Geschichte der Palästinensergebiete eingehen. 497 Palästinenser wurden nach UN-Angaben im Frühjahr 2002 getötet, als die israelische Armee nach einer Welle von Selbstmordattentaten in Palästinenserstädte im Westjordanland einrückte. Bei der laufenden Operation sind nach acht Tagen nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza mindestens 520 Menschen getötet worden.